Was vom Tage bleibt
Das Ende naht

Der Fifa-Präsident gibt auf, die Inflation legt stark zu. Griechenland rückt auf die Entscheidung zu, Lucke ist in der AfD vorn und Microsoft entdeckt das Schöne an Berlin. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Und jetzt geht er doch

Das ist der Paukenschlag des Abends, mit dem wirklich niemand mehr gerechnet hätte: Fifa-Präsident Sepp Blatter tritt nun doch zurück. Über die Gründe herrscht noch völliges Rätselraten. Natürlich liegt sofort die Vermutung auf der Hand, dass die Ermittler in den USA auch belastendes Material über den Fifa-Chef gefunden haben könnten. Ohne Blatter kann es jetzt wirklich einen Neubeginn in der Fifa geben. Was der Weltfußballverband selbst nicht geschafft hat, ist jetzt der US-Justiz gelungen.

Zu erfolgreich

Das Anleihe-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank scheint schneller zu wirken als erwartet. Die Inflation in der Euro-Zone jedenfalls hat in den vergangenen Wochen wieder kräftig zugelegt. Von einer drohenden Deflation spricht niemand mehr. Vielmehr geht es jetzt darum, dass die Inflationsrate nicht zu schnell zu sehr zulegt. Wir erleben im Moment eine spannende Phase: Vielleicht muss die EZB schon in nächster Zeit ihre Anleihe-Käufe zurücknehmen. An den internationalen Finanzmärkten ist diese Erwartung schon da: Warum sonst hat der Euro am Dienstag so kräftig gegenüber dem US-Dollar gewonnen?

Das Ende naht

Das kleine Griechenland hat ganz Europa lange genug zappeln lassen. Eine finale Klärung muss nun wirklich auf den Tisch. Vier Wochen Bedenkzeit für Athen sind fair, Tsipras muss sich einfach nur entscheiden. Der Premier ist lange genug mit seiner Hinhalte-Taktik durchgekommen, aussitzen lässt sich die griechische Krise nicht mehr. Grexit und Bankrott oder die Rettung? Europa wartet auf die Entscheidung. Auch die griechische Bevölkerung braucht endlich Klarheit, so wie bislang kann es einfach nicht mehr weitergehen. Und wenn die Pleite dann am Ende doch kommt, dann kommt sie eben. Griechenland lebt schon seit Jahren am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Vorentscheidung

Der Streit innerhalb der AfD um den weiteren Kurs von Deutschlands jüngster politischer Partei geht in die entscheidende Phase. Ende des Monats wird eine Mitgliederversammlung darüber entscheiden, wie es jetzt weitergehen soll. Dass es überhaupt dazu kommt, ist ein Erfolg für AfD-Chef Bernd Lucke. Auf einer Mitgliederversammlung dürften seine Anhänger die Mehrheit haben. Und das heißt, dass die AfD am Ende doch nicht völlig an den rechten politischen Rand abrutschen dürfte. Sicher ist das allerdings noch nicht. Denn die AfD ist immer für eine Überraschung gut.

Gründererfolge

Microsoft kauft den vergleichsweise kleinen deutschen App-Entwickler 6Wunderkinder für stattliche 100 bis 200 Millionen Euro. 6Wunderkinder kommt aus der Gründerszene in Berlin. Dass sich der riesige US-Konzern für ein kleines Unternehmen aus der deutschen Hauptstadt interessiert, ist ein Ritterschlag für Berlin und die dort versammelte IT-Branche. Irgendetwas scheint dort richtig gut zu funktionieren. Es gibt also doch so etwas wie eine gute Standortpolitik in Deutschland – und Berlin hat sich den Orden für die IT-Szene auf jeden Fall verdient.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen aus Düsseldorf

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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