Was vom Tage bleibt
Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet

Die spanische Skandalbank Bankia erinnert fatal an deutsche Landesbanken, Europas Konzerne verlieren an Gewicht und Bayern München erlebt feurige Zeiten. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Die Suche nach den Schuldigen

Wegen der Krise um die marode Madrider Großbank Bankia hat die spanische Justiz Ermittlungen gegen den früheren Generaldirektor des Weltwährungsfonds, Rodrigo Rato, und 32 weitere Ex-Mitglieder des Verwaltungsrats der Bank eingeleitet. Doch die Vorwürfe ("Betrug, Unterschlagung und Bilanzfälschung") sind so unkonkret, dass sich der Eindruck aufdrängt, hier werden verzweifelt Schuldige gesucht für das Desaster. Die Wirklichkeit ist wohl wieder komplizierter: Eine unheilige Allianz aus schlechtem Management, leichtfertigen Aufsehern und großmannssüchtigen Politiker. Ein Muster, das fatal an deutsche Landesbanken erinnert.

Apple marschiert voran

Europas Konzerne verlieren international immer weiter an Gewicht: In der globalen Rangliste der 100 teuersten börsennotierten Unternehmen macht Europa laut einer Studie nicht einmal mehr ein Drittel aus. Das ist so weit nicht weiter überraschend. Doch bis vor kurzem hatte noch jeder gedacht, es seien Konzerne aus China, Indien oder Brasilien, die uns verdrängen. Weit gefehlt: US-Firmen legen weltweit weiter zu, angeführt vom neuen Spitzenreiter Apple. Die viel gescholtene amerikanische Wirtschaft ist gerade bei der Mischung aus Technologie, Marketing und Geschäft eben immer noch Spitze. Deutsche IT-Unternehmen schauen nur zu - oder machen nach.

Acta ad acta gelegt

Der massive Protest im Netz und auf der Straße war letztlich erfolgreich: Das umstrittene Urheberrechtsabkommen Acta ist im Europäischen Parlament gescheitert, eine Mehrheit der Abgeordneten stimmte gegen den zwischen der EU, den USA und neun weiteren Ländern geschlossenen Vertrag, der Produktfälschungen und Internetpiraterie bekämpfen sollte. Das ist einerseits ein gutes Zeichen, dass berechtigte Bedenken der Betroffenen Gehör finden. Doch leider ist dabei das Kind mit dem Bade ausgeschüttet worden. Denn internationale Standards zum Schutz von geistigem Eigentum sind eine essentielle Voraussetzung für eine globale Wissensgesellschaft. Das sollte auch Internet-Aktivisten klar sein. Nur dagegen sein reicht nicht.

Kampf auf Kosten des Konzerns

Auf dem Aktionärstreffen der Baumarktkette Praktiker kämpfte heute der Vorstand mit allen Mitteln um sein Sanierungskonzept. "Es geht ums Überleben", sagte Konzernchef Kay Hafner. Doch der Widerstand ist groß, die Hauptaktionäre sprechen von Erpressung. Letztlich ist es ein Kampf zwischen zwei Investorengruppen, die sich beide den schwer angeschlagenen Konzern günstig sichern wollen, aber vorgeben, nur das Wohl des Unternehmens im Blick zu haben. Doch genau das könnte in diesem Kampf zerrieben werden. Der Aktienkurs ist bereits "auf den Wert eines Schokoriegels geschreddert" worden, wie es ein erregter Kleinaktionär auf den Punkt brachte.

Was fehlt? Manchmal kann der Zufall schon ein zynischer Geselle sein. Im Agentursystem, wo bei uns die aktuellen Meldungen einlaufen, wurde erst die Verurteilung des Bayern-Spielers Breno wegen Brandstiftung vermeldet und direkt danach: "Heynckes will Bayern-Stars "Feuer" machen". Das zeigt wieder, wie sehr man auf seine Sprache achten sollte.

Ich wünsche Ihnen einen spannenden Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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