Was vom Tage bleibt
Das richtige Betriebssystem

Da war was los: Frankreich schlägt sich selbst, Apple schlägt Samsung und Ansgar Heveling, der Mann, der das Netz erschüttert, gibt sich nicht geschlagen.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Frankreich schlägt Frankreich

Frankreich hat für seinen Kampfjet Rafale erstmals einen der derzeit größten Rüstungsaufträge an Land gezogen: Die indische Regierung bestellt 126 Maschinen für geschätzte neun Milliarden Euro. Der französische Flugzeugkonzern Dassault hat damit am Verhandlungstisch den Wettkampf mit dem Eurofighter des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS gewonnen. Zwei Dinge muss man dazu wissen. Erstens: In keiner anderen Branche werden soviel Nebenabsprachen gemacht, wie dann, wenn es in der Rüstungsbranche um Milliardenaufträge geht. Von kostenloser Schulung bis zur Kampfhubschraubern als Morgengabe - wenn nur richtig viel bestellt wird, ist alles schon vorgekommen. Und zweitens: Frankreich hat hier gegen Frankreich geboten. Oder ist EADS, seit klar ist, dass der Laden demnächst mal von einem Deutschen und nicht von einem Franzosen geführt wird, für Frankreich etwa ein ausländischer Konzern?

Apple schlägt Samsung

Was bei Flugzeugen Dassault gegen EADS ist, das ist bei Computern der Wettlauf zwischen Apple und Samsung. Seit heute steht es gefühlte 7:2 in diesem Wettkampf. Denn heute hat Apple im Wettbewerb um den milliardenschweren Markt für Tablet-PCs einen weiteren Punkt errungen. Samsung darf seine beiden Modelle Galaxy-Modelle nicht in Deutschland vertreiben, wie das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied. Mit seinen Flachcomputern verstoße Samsung gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Das Samsung-Modell ahme das Apple-iPad in „unlauterer Weise“ nach. Das aktuelle Samsung-Modell Galaxy 10.1 N ist von dem Urteil nicht betroffen, weil es aus drei Teilen besteht und damit für Experten anders aussieht, als das Apple-Gerät. Das muss man jetzt nicht verstehen. Wichtig ist, sich zu merken: Apple verteidigt sein Monopol mit Klauen und Zähnen. Im Sinne der Kunden kann das am Ende nicht sein.

Der Arbeitsmarkt schlägt sich gut

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich im Januar trotz nachlassender Konjunktur äußerst robust gezeigt. Die Arbeitslosigkeit überstieg zwar saisonbedingt die Drei-Millionen-Marke, lag aber mit 3,08 Millionen Arbeitslosen auf dem niedrigsten Januar-Stand seit 21 Jahren. Jetzt jubeln alle und vergessen, dass 7,3 Prozent Arbeitslosenquote nun auch kein Traumwert sind. Dass viele ehemals Arbeitslose nur den Aggregatzustand gewechselt haben und nun unter Hartz IV laufen, und dass angesichts eines Wachstums von rund drei Prozent im vergangenen Jahr eine milde Arbeitslosenquote das mindeste ist, was wir erwarten durften.

Der Euro schlägt sich schlecht

Vom Euro lässt sich heute auch etwas Neues berichten. Einen Tag nach dem in Brüssel festgezurrten Fiskalpakt ist die Stunde der Moserer: „Ein Durchbruch sieht anders aus“, sagen die einen. „Es war wieder einmal wie bei vorangegangenen Treffen. Die Politiker sind sich einig, einen großen Schritt vorangekommen zu sein. Wie viele weitere große Schritte nötig sein werden, um letztendlich auch das anvisierte Ziel zu erreichen, ist jedoch weiterhin unklar“, sagen die anderen. Und wie immer geben die auf den Märkten versammelten Anlegern den Zweiflern recht: Mit über 20 Prozent bei zweijährigen Papieren liegen die portugiesischen Renditen derzeit höher als bei allen anderen Euro-Ländern - ausgenommen Griechenland. Damit ist klar, wer nach dem Ausfall Griechenlands als nächstes an der Reihe sein wird.

Ansgar Heveling wird fast geschlagen

Was für eine Aufregung: Der CDU-Abgeordnete Ansgar Heveling schrieb gestern auf Handelsblatt Online, dass das Netz 2.0 bald Geschichte ist. Unerhört! Er entfachte prompt einen Sturm der Entrüstung. Warum? Fühlen sich da viele auf den Kehrichthaufen der Geschichte abgeschoben, die sich bisher als die Garanten der Zukunft sahen? Mich erinnert das an einen Besuch beim Abt im Schwyzer Kloster Einsiedeln. Ein aufgeschlossener Benediktinermöch ist er, an den sich sogar Microsoft wandte mit der Frage, ob die Firma die Einführung ihres neuen Betriebssystems in Europa mit einem Event im Kloster feiern dürfe. Die Gegenfrage des Abts war, wie lange das Betriebssystem aktuell sein werde? Die Antwort: Vielleicht zwei Jahre, vielleicht geht es schneller. Der Abt darauf: „Mein Sohn, wenn ihr ein Betriebssystem habt, das 2000 Jahre hält, könnt ihr wieder anklopfen.“ Das richtige Betriebssystem vermittelt eben Gelassenheit. Und es gilt auch der Umkehrschluss.

Einen gelassenen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Das richtige Betriebssystem"

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  • also doch "nur" 2.000 Jahre oder sollten es 5.000 Jahre sein?

    Der byzantinische Ritus, bedenken wir, soll indes erst "Popen" hervorgebracht haben.

    Eine Religion, ein Staat, ein Betriebssystem?

    Mein Haus, Meine Frau, Mein Swimmingpool?

    Bedenken wir was aus einem von Verblödeten verblödeter Reklamespruch so alles hervorzubringen vermag...

  • Ein Betriebssystem, wie die Religion, kann die Welt nicht erklären und es gilt :
    geistig verarmt sind die Popen, denn sie wissen nicht was sie tun,
    sie glauben was niemand weiß und wissen nicht an was sie glauben denn
    sie glauben nur zu wissen..

  • ..." Mein Sohn, wenn ihr ein Betriebssystem habt, das 2000 Jahre hält, könnt ihr wieder anklopfen."...

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    ist dem nichts hinzuzufügen.

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