Was vom Tage bleibt
Das wackelige Wunder

Warum es auf dem Arbeitsmarkt nicht so rosig ist, wie es aus den ersten Blick scheint, was Feinripp wieder attraktiv macht - und warum britische Touristen einen Pinguin klauen. Der Tagesrückblick
  • 1

Wunderschönen guten Abend,

Fördern, Fordern - und nun?

Ach wie schön, die Zahl der Arbeitslosen ist wieder unter die 3-Millionen-Marke gerutscht. Sie erinnern sich: Das war die magische Zahl, die sich Gerhard Schröder mit seinen Hartz-IV-Reformen als Ziel gesetzt hatte. Ohne hier im Detail diskutieren zu wollen, wer der Vater des Wunders am Arbeitsmarkt ist, kann man eins jetzt deutlich sehen: Das Wunder beginnt zu wackeln. Saisonbereinigt steigt die Zahl der Arbeitslosen schon wieder. Offenbar hat das Konzept aus "Fördern, Fordern und Mini-Jobs" seine Schubkraft langsam aufgebraucht. Nun muss Schröders Nachfolgerin Angela Merkel zeigen, ob sie ein ähnlich mutiges Konzept auf die Beine stellen kann. Neue Ideen sind gefragt.

Der Tag der Nicht-Arbeit

Gefahr für den Arbeitsmarkt bergen auch die aktuellen Tarifstreitigkeiten. Kaum ist der "Tag der Arbeit" vorbei (schon merkwürdig, dass ausgerechnet an diesem Tag die meisten Deutschen nicht arbeiten), zeigt die IG Metall mit neuen Warnstreiks, dass sie alles andere als kompromissbereit ist. Sie fordert 6,5 Prozent. Der Handelsblatt Business-Monitor dagegen zeigt, dass deutsche Führungskräfte mehrheitlich der Ansicht sind, dass die Wirtschaft maximal drei Prozent vertragen kann. Und 42 Prozent sagen, sie müssten sonst Personal abbauen. Das lässt Böses ahnen.

Feinripp ist wieder attraktiv

Ein kleines Wunder ist auch dem Insolvenzverwalter von Schiesser gelungen. Vor drei Jahren hatte die traditionsreiche Feinripp-Marke wegen strategischer Fehlentscheidungen vor dem Aus gestanden. Nun ist sie saniert und wieder so attraktiv, dass der israelische Konkurrent Delta Galil zugeschlagen hat. Eigentlich wollte der Insolvenzverwalter Schiesser an die Börse bringen. Doch das war ihm angesichts der turbulenten Märkte zu unsicher. Die Übernahme durch einen strategischen Investor bietet eine bessere Perspektive, dass das Feinripp-Wunder nicht wackelt sondern weitergeht.

Philipps populistische Planwirtschaft

Sein blaues Wunder könnte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler erleben. Getrieben von der verzweifelten Suche nach Wählerstimmen ergreift er das Thema Benzinpreise, schmeißt den letzten Rest an wirtschaftsliberalen Überzeugungen über Bord und schafft eine "Markttransparenzstelle", bei die Mineralölkonzerne tägliche ihre Preise melden müssen. Aber es ist gut möglich, dass die typische FDP-Klientel diese Planwirtschaft vom feinsten gar nicht zu schätzen wissen und er damit bei den Umfragen nicht punktet. Und wahrscheinlich wird er den Benzinpreis so gar nicht senken, sondern für ein Sterben bei den freien Tankstellen sorgen. Denn genau das ist in Australien passiert, wo sie ein ähnliches Modell eingeführt haben.

Was fehlt? In Australien haben zwei britische Touristen mit besoffenem Kopf einen Zwergpinguin aus einem Freizeitpark gestohlen. Der Richter, der sie jetzt zu einer Geldstrafe verurteilte, bewies immerhin Humor. Mit Verweis auf die Eisbären gab er den Tätern mit: "Sie hätten im Leichenschauhaus enden können, wenn Sie sich im Gehege geirrt hätten."

Ich wünsche Ihnen einen anregenden Feierabend

Florian Kolf

Diskutieren Sie mit dem Autor auf Facebook

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Das wackelige Wunder"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich genieße immer das "was vom Tage bleibt"
    gerne würde ich manchmal auch noch etwas dazu sagen, was mir so einfällt.
    z.B. Arbeitsmarkt, Schröder - würde Spanien, statt zu sparen Schröder's Rechenmodelle, seine 1 Eurojobs, die Leiharbeit und die unendliche Weiterbildung für alle übernehmen, dann wäre es zwar etwas teurer aber Spanien hätte das Arbeitslosenproblem glatt vom Tisch.
    z.B. der Tag der Nicht-Arbeit
    "deutsche Führungskräfte .. sind mehrheitlich der Ansicht, dass die Wirtschaft maximal drei Prozent vertragen kann"
    Richten sich die Bedürfnisse der Arbeitnehmer danach, was die Wirtschaft meint, vertragen zu können?
    oder z.B. Phillipp Röslers Planwirtschaft
    ok - ich geb zu, wenn der so weiter macht, kaufen sich die letzten FDP Wähler einen Strick und dann ist Ruh.
    "Was fehlt?"
    Wieso man jetzt Pinguine stehlen soll, ist mir nicht so ganz klar aber es wird schon einen Grund geben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%