Was vom Tage bleibt: Der Crash ist programmiert. Wirklich?

Was vom Tage bleibt
Der Crash ist programmiert. Wirklich?

Das sollten Sie heute gelesen haben: Nach Draghis Entscheidung kursieren Untergangsszenarien. Können wir dem Crash entkommen? Grönemeyer vertreibt Pegida. Griechenland stellt die Eurofrage.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Spiel ohne Grenzen

„Das billige Geld der Notenbanken ist wie eine harte, schwer abhängig machende Droge. Offensichtlich können wir nicht mehr ohne sie leben – mit allen Konsequenzen und verheerenden Kollateralschäden. Wir sind bereits schwer abhängig und somit ist der Crash programmiert. Der Patient ist de facto tot und wird nur noch künstlich am Leben erhalten mit wahnwitzigen Methoden. Beim Spiel ohne Grenzen wird keiner gewinnen.“ Diese Worte kommen nicht von mir, sondern von den beiden Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik, die sich als Bestsellerautoren einen Namen gemacht haben. Nun leben Bestseller häufig von Untergangsszenarien. Die Realität unterscheidet sich dadurch, dass wir sie in der Hand haben.

Walter Renzi

Der italienische Ministerpräsident Renzi bewertet das EZB-Programm so: „Das, was sich an Veränderung in Frankfurt, Brüssel, Straßburg und auf den internationalen Märkten getan hat, verpflichtet uns, die Reformen noch schneller umzusetzen. Italien muss den Reformturbo anschalten.“ Falls das jemanden an den Satz des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht erinnert: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“, wäre das eine Unterstellung.

Terminsache

Pegida zieht ihre Demonstration in Dresden auf Sonntag vor. Grund ist ein Konzert mit Herbert Grönemeyer am Montag in Dresden. Offenbar befürchtet Pegida, dass Grönemeyer attraktiver ist. Seine Zeile „Schatten im Blick“ trifft möglicherweise das Lebensgefühl dieser Demonstranten.

Kartell der Greise

Der saudi-arabische König Abdullah ist mit 90 Jahren gestorben. Ihm folgt sein 79-jähriger Halbbruder, Salman bin Abdulaziz. Er sitzt nun an den Hebeln der Macht im Land und im Ölkartell Opec. Im Reigen der Mächtigen dieses Gremiums war Abdullah der Älteste, sein Nachfolger ist jetzt Durchschnitt. Die Opec ist ein Kartell der Greise. Die Zukunft gestalten diese Herren nicht.

Keine Angst vor Tsipras

Als Journalist juckt es einem oft in den Fingern, sich an den großen Debatten zu beteiligen und sie so noch größer zu machen. Etwa so: Pegida ist ein Spießerhaufen – und ihr Anführer fast ein Nazi. Oder eben: Griechenland wählt – und stimmt über den Euro ab. Tatsächlich ist am Sonntag Schicksalswahl in Griechenland. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Euro-Krise hat eine linke Regierung die Aussicht, ans Ruder zu kommen. Und der Vorsitzender der linksradikalen Syriza-Partei, Alexis Tsipras, ist ein unsicherer Kantonist. Vom Euro hält er nicht viel und vom Schulden zurückzahlen eher gar nichts. Es könnte also sein, dass Griechenland den Euro-Raum verlässt oder sogar rausgeschmissen wird. Das wäre der Anfang vom Ende des europäischen Traums. Wirklich? Ich glaube das nicht. Tsipras ist längst nicht mehr der Heißsporn, der er einmal war. Seit seine Siegeschancen steigen, gibt er sich gemäßigter. Er braucht einen Koalitionspartner, der wird fürs Maßhalten sorgen. Und schließlich bleibt richtig, was schon immer nicht falsch war: Griechenland ist klein, der Euro-Raum ist groß und eine Mücke hat noch keinen Elefanten zur Strecke gebracht. Deswegen lautet meine Meinung: Griechenland wählt, aber das europäische Projekt kann das nicht erschüttern.

Ein spannendes, aber gelassenes Wochenende wünscht

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der Crash ist programmiert. Wirklich?"

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  • Danke für das Stichwort @Herrn Kanter.

    Die Zentralbanken dieser Welt peilen eine Zielinflationsrate größer null an. Warum? Der einzige sinnvolle Grund liegt darin, dass man bei konjunkturellen Krisen einen Spielraum für die Geldpolitik haben will. Den Banken Geld unterhalb der Inflationsrate anzubieten zieht immer ... bis jetzt. Nun ist aber die Inflation und der Zins bei null angekommen. Das ist keine vorübergehende Erscheinung sondern das erwartbare Ende von hohen Einkommensungleichgewichten und damit einhergehenden hohen Sparquoten.

    Wenn dem so ist, dann brauchen wir auch keine Zielinflationsrate größer null und keine Zinsen mehr. Wir sind am Beginn einer neuen Ära die kräftiges Umdenken erforderlich macht.

  • FRANKFURT (dpa-AFX) - Geldfälscher haben 2014 deutlich mehr Euro-Blüten in Umlauf gebracht als im Vorjahr. In Deutschland zogen Banken, Handel und Polizei rund 63 000 000 000 falsche Euro-Banknoten aus dem Verkehr und damit 6300 Prozent mehr als 2013, wie die Bundesbank am Freitag in Frankfurt mitteilte. "Das Falschgeldaufkommen ist deutlich gestiegen - die Spuren führen ins Frankfurter-Ostend, mutmasslich handelt es sich um eine Gruppe um den Italiener Mario D. mit 2. Wohnsitz in einem von der Finanzmafia besetzten Hochhauses in der Nähe des Mains.

  • Jetzt kommt FEGIDA: Fortschrittliche Europäer Gegen die Inflationierung des Abendlandes

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