Was vom Tage bleibt
Der Dax lässt uns hängen

Wieder verpasst der Dax die 10.000-Marke, die Volksbanken haben etwas gegen Araber. Ein Deutscher fliegt wieder ins All, Korruption bedroht den Berliner Flughafen und Juncker stößt auf Widerstand. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Geduld ist gefragt

Wieder hat es der Dax nicht geschafft, wieder ist es nichts aus den 10.000 Punkten geworden. Aber keine Sorge, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung. In ein paar Tagen wird es soweit seit, dann knackt der Dax die magische Grenze. Schade wäre es nur, wenn es ausgerechnet morgen an Christi Himmelfahrt passieren würde. In Frankfurt wird zwar am Feiertag gehandelt, aber weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Viel besser dürfte es am Freitag, dem Brückentag, auch nicht werden. Also, liebe Investoren: Die 10.000 Punkte nehmen wir am Montag ins Visier. Dann gibt es genug Teilnehmer für eine ausgelassene Dax-Party.

Provinzfürsten

Plumper geht es nicht. Die Volks- und Raiffeisenbanken stänkern mit einer ziemlich einfallslosen Anzeige gegen den Einstieg des Golfstaates Katar bei der Deutschen Bank. Geldhäuser sollten doch eigentlich für internationale Beziehungen und für globale Geschäfte stehen. Dazu gehört natürlich auch, dass sich ausländische Investoren an deutschen Unternehmen beteiligen dürfen. Die deutschen Bank-Genossen legen mit ihrer Anzeige eine Blamage ersten Grades hin: Das ist Provinzialismus pur.

Start mit Russland

Nun ist es wieder einmal soweit: Ein deutscher Astronaut soll am Mittwochabend ins All starten. Alexander Gerst ist der elfte Deutsche, der sich per Rakete in den Weltraum schießen lässt. Der Abflug mit einer russischen Rakete steht ein Stück weit auch für Normalität. Im Weltall setzen Ost und West unbeirrt ihre Kooperation fort, völlig unabhängig von Krim-Besetzung und der Auseinandersetzung in der Ostukraine. Vielleicht kann der Raketenstart in Baikonur deshalb auch ein Zeichen setzen: Wir müssen schnell zurück zur Normalität in den Beziehungen zu Russland. Im All gelingt das schon, nur auf der Erde muss noch eine Menge mehr passieren.

Hilfe im Osten?

Beim geplanten Berliner Großflughafen scheint gar nichts mehr zu helfen. Nach jahrelanger Verzögerung und explodierenden Baukosten gibt es nun das nächste Problem: eine blühende Korruption. Auch das neue Führungsteam unter Hartmut Mehdorn verbrennt sich am Projekt BER die Finger und kommt keinen Meter voran. Wahrscheinlich helfen nur noch radikale Lösungen: Den Bau sofort einstellen und alles abreißen. Der neue Berliner Großflughafen sollte besser auf der polnischen Oder-Seite errichtet werden. Das ist nicht viel weiter entfernt von Berlin, ein Airport dort würde aber nicht dem lähmenden deutschen Bau- und Planungsrecht unterliegen.

Wider den Wähler

Alle reden von den demokratischen Defiziten der Europäischen Union. Ja, das stimmt. Insofern war es außerordentlich erfrischend, dass die beiden Europa-Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker und Martin Schulz einen Wahlkampf nach nationalem Vorbild geführt haben. Juncker hat gewonnen, also wäre er der einzig logische Kandidat für den Posten des europäischen Regierungschefs, des EU-Kommissionspräsidenten. Doch jetzt mischen die nationalen Regierungen wieder kräftig bei der Besetzung des Brüsseler Postens mit. Schlimmer kann die Ohrfeige für Europas Wähler nicht sein. Das Demokratie-Defizit blüht weiter. Leider.

Einen erholsamen Feiertag wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der Dax lässt uns hängen"

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  • Man sollte später mal einen Reader auflegen mit Menzels gesammelten Stilblüten.
    Wird sich zwar schlecht verkaufen, aber dann hätte man das mal au point sozusagen.

  • SoSo:
    Der Dax kann "uns" alle also "hängen lassen".
    Herr Menzel überrascht immer wieder aufs Neue.

  • Herr Menzel, Sie haben es immer noch nicht kapiert. Das Vorschlagsrecht zur Wahl des Kommissionspräsidenten liegt beim europäischen Rat, also dem Club der Regierungschefs.
    Das Parlament bestätigt dann oder eben nicht.

    Wen der Rat vorschlägt liegt bei den EU-Regierungschefs, die haben zu entscheiden.

    Sie sollten sich mal kundig machen was ein Staatenbund und was ein Bundesstaat ist. Wenn Sie den Unterschied herausfinden, können sie auch kompetent mitreden. Und lesen Sie die europäischen Verträge.

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