Was vom Tage bleibt
Der letzte Versuch

Der Bundestag lässt das Griechenland-Paket passieren, noch mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Der Ölpreis verfällt, der China-Rausch ist beendet und der Berliner Flughafen macht neuen Ärger. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ziemlich im Rahmen

63 Union-Abgeordnete haben am Ende gegen das dritte Rettungspaket für Griechenland gestimmt. Angela Merkel dürfte mit diesem Ergebnis leben können, bei der vorangegangenen Abstimmung im Juli hat sich eine ähnlich hohe Zahl an CDU/CSU-Vertretern der Bundeskanzlerin verweigert. Nun wird dieses dritte Hilfsprogramm also kommen, der Ball liegt jetzt im Feld der Griechen. Wenn Athen auch diese dritte Chance verspielt, wird der Abschied aus der Euro-Zone die letzte Konsequenz sein. Denn ein weiteres Paket dürfte in Europa politisch nicht mehr durchsetzbar sein, gerade auch in Deutschland.

Neue Realität

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Zahl ausgesprochen: In diesem Jahr werden in Deutschland voraussichtlich 800.000 Asylanträge eingereicht. Eine Zahl, die es nie zuvor gegeben hat. Unser Land muss sich dieser neuen Realität stellen. Diese Menschen sind da und werden nicht mehr zurückkehren. Kriegsflüchtlinge aus Syrien und Irak haben Anspruch auf unsere Hilfe – und sie dürfen auch dauerhaft bleiben. In ihren Heimatländern herrscht die blanke Not. Niemand wird sie ernsthaft zurückschicken wollen.

Fast schon verrückt

Der Preisverfall auf dem Ölmarkt nimmt verrückte Züge an. Am Mittwoch stürzte der Ölpreis auf ein neues Sechs-Jahres-Tief. Saudi-Arabien und die USA produzieren um die Wette, mit ihren neuen Schieferöl-Vorkommen könnten die Amerikaner bald zum weltgrößten Rohölhersteller aufsteigen. Was heißt das für uns? Europa darf sich über eine neue Versorgungssicherheit freuen, weil die Abhängigkeit vom Nahen Osten nachlassen wird. Und an der Tankstelle wird es noch einmal etwas günstiger.

Nicht mehr verlässlich

Was ist das für ein Land? Im Hafen von Tianjin liegen tausende Tonnen hochgefährlicher Chemikalien. Kaum jemand interessiert sich in China dafür, was dort am Hafen gelagert ist. So richtig überraschend ist es dann nicht mehr, wenn dieser explosive Cocktail in die Luft fliegt und hunderte Menschen sterben. In China ist eine große Unsicherheit entstanden. Das Land hat zwar Fortschritte gemacht auf dem Weg vom Entwicklungs- zum Industrieland. Doch im Moment sieht es so aus, als würde China auf halbem Wege steckenbleiben. Durch die jüngsten Entwicklungen hat das Land jedenfalls massiv an Attraktivität verloren.

Schon jetzt zu klein

Niemand weiß, wann der neue Berliner Großflughafen in Betrieb gehen wird. In zwei Jahren sollte es ursprünglich soweit sein, doch jetzt kommt die Pleite des Imtech-Baukonzerns dazu. Beim Feuerschutz des BER dürfte es neue Verzögerungen geben, am Ende wird voraussichtlich eine Verspätung von fünf Jahren herausgekommen sein. Zeit, die im märkischen Sand völlig sinn- und planlos verstrichen ist. Sicher ist heute schon, dass der Berliner Flughafen recht schnell nach seiner Inbetriebnahme zu klein sein wird. Die letzte Wendung einer völlig verrückten Geschichte.

Ihr Abend wird heute im Unterschied dazu hoffentlich in ruhigen Bahnen verlaufen. Aus Düsseldorf grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der letzte Versuch"

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  • ..."der China-Rausch ist beendet"...
    ____________

    Wer China als Rausch je angegangen sein sollte - sollte sich noch einmal zum Thema Opium-Höhlen in Macau etwas kundiger machen.
    China galt bislang zumindest mitunter als brauchbarer Investitionsparkplatz, als verfügte China nicht über eigene volkswirtschaftliche Fragestellungen.
    Aber CvD Menzel weiß das natürlich auch.
    Umso erstaunlicher, was und wie er so alles "ins Blatt hebt".

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