Was vom Tage bleibt
Der Rums kommt nach dem Auweia

Bei Volkswagen hat es gekracht. Altkanzler Kohl mach einen Journalisten zum Mikrofonständer. Der Dax entsetzt die Anleger. Snowden sucht sein Visum. Lesen Sie, was heute wichtig ist.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Entmachtet

Wir Schreiber, die wir stets um Worte ringen, greifen gerne zu, wenn branchendeutsch die Lage eines Unternehmens gut beschreibt: Lufthansa startet zum Beispiel gerne mal durch – und VW läuft wie geölt, dichteten die Kollegen anderer Publikationen noch im Februar. Heute schmeißt VW-Chef Martin Winterkorn Produktionsvorstand Michael Macht raus. Die Rums kommt nach dem Auweia: Am Donnerstag hatte die Bilanz gezeigt, dass es bei der Wolfsburger Marke auch schon mal besser lief. Bei der Golf-Produktion stehen wegen technischer Probleme die Bänder immer wieder still. Womöglich muss VW so verhindern, dass das Auto doch noch mal mit nur drei Rädern ausgeliefert wird. Wenn es für Machts Abgang also eine Metapher aus der Branche gäbe, hieße die aus VW-Sicht vermutlich: Fehlzünder.

Lebender Mikrofonständer

630 Stunden saß der Journalist Heribert Schwan mit Altkanzler Helmut Kohl zusammen. Die Tonbandaufnahmen der Gespräche dienten als Grundlage für die geschriebenen Memoiren Kohls. Doch die beiden bekamen Streit. Der Altkanzler und seine um Jahre jüngere Angetraute forderten die Tonbänder schließlich zurück. Ob die Gattin den einstmaligen Kanzler vor dem Urteil der Geschichte bewahren will – wer weiß das schon. Schwan jedenfalls stellte sich taub, was ihm nach dem langen Zuhörern nicht schwerfiel, und behielt die Mitschnitte. Er musste sie nach einem Urteil des Landgerichts Köln jedoch an Kohl aushändigen. Dass das rechtens ist, hat am Freitag das Oberlandesgericht bestätigt. Offenbar ist Schwan kein Journalist, denn als solcher hätte er die Bänder behalten können. Sondern er ist eine Art lebender Mikrofonhalter, wie sich eine empörte Kollegin des WDR ausdrückt. Anders kann sie sich die Entscheidung der Richter nicht erklären.

Die Klempner vom Dax

„Der Welt könnte schlimmeres bevorstehen als ‚nur‘ der nächste Finanzcrash“, befürchtet Bestsellerautor und Crash-Prophet Max Otte. Menschen sind allerdings immer so gebaut, dass sie das gerade Geschehende auch gerade so aushalten. Deswegen haben Anleger am Freitag nur noch gerade so ertragen, dass der Dax neuerlich abrauschte und zwischendurch mal unter 9200 Punkte landete. Jetzt fragen alle, wie es weitergeht. Zwar weiß es keiner, aber wenn wir vom Handelsblatt anrufen, hat doch fast jeder eine Antwort. Die schönste kommt von Robert Halver von der Baader Bank, der möglicherweise in einem früheren Leben Klempner gewesen sein könnte. Angesichts des Dax-Massakers spricht er von „druckablassender Konsolidierung“. Vielleicht war er auch Arzt.

Snowden ohne Heimat

Edward Snowden hat bereits mit seinen Enthüllungen und seiner Flucht nach Moskau mehrere internationale Krisen ausgelöst. Jetzt kann er wieder zur Tat schreiten: Mitten in der Sanktionsspirale zwischen Moskau und dem Westen läuft sein Visum für Russland ab. Ein neues Reiseziel hat er nicht genannt, und so liegt sein Schicksal abermals in der Hand von Kremlchef Wladimir Putin. Wenn er bleibt, darf eines als sicher gelten: Den Friedensnobelpreis hat auch Snowden nicht verdient.

Leipzig startet den Durchmarsch

Heute geht es los: Ich meine die zweite Fußball-Bundesliga. Heute spielt Brauschweig gegen Düsseldorf. Spannender ist aber, ob Leipzig nach dem Durchmarsch durch die dritte Liga auch der angekündigte Spurt durch die zweite gelingt. Hinter Rasen-Ball Leipzig steht Red Bull als potenter Geldgeber. Als wirklich gern gesehener Gast gelten die „Roten Bullen“ bei der Konkurrenz aber nicht. Der Manager des Bundesligisten Mainz 05, Christian Heidel, sagt das so: „Ich finde es schade, dass der Erfolg im Fußball nicht mehr ausschließlich vom Fußball abhängig ist.“ Sie und ich wissen, dass das scheinheilig ist. Der Erfolg ist schließlich kein Menschenkind und hat deswegen stets viele Väter.

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne ein erfolgreiches Wochenende

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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