Was vom Tage bleibt
Der (russische) Winter naht

Europa bekommt weniger Gas aus Russland, die neue EU-Kommission nimmt die Arbeit auf. Der Ferrari-Chef muss gehen, die Apple Watch lässt Wünsche offen und die USA läuten ein neues Syrien-Kapitel ein. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Am Gashahn

Die Waffen schweigen jetzt zwar in der Ukraine. Doch schon bald könnte Moskau die Erdgaslieferungen nach Westeuropa als mächtigeren Hebel einsetzen. Die russische Führung will verhindern, dass die Nato-Länder der Ukraine weiter mit Erdgas aushelfen. Also werden die russischen Lieferungen gen Westen jetzt um genau die Mengen gekürzt, die Länder wie Polen an die Ukrainer weiterreichen. In den kommenden Wochen dürfte sich die Lage noch weiter zuspitzen. Der Grund: Der Winter rückt näher, überall werden bald die Heizungen laufen.

Etwas geschwächt

Die Geschichte der EU ist eine Geschichte der Kompromisse. Die Union würde schon lange nicht mehr existieren, wenn nicht jedes Mitgliedsland immer wieder zum Einlenken bereit gewesen wäre. Wie auch jetzt wieder, bei der Besetzung der neuen EU-Kommission. Deutschland hat dieses Mal nicht unbedingt den allerwichtigsten Posten bekommen, Günther Oettinger wird neuer Kommissar für digitale Wirtschaft. Beim nächsten Mal fällt das Postengeschacher für die Deutschen sicherlich wieder besser aus. Und nicht zu vergessen: Auch ohne Spitzenposten hat Angela Merkel in Brüssel eine ganze Menge zu sagen.

Allmacht

Nach dem wiederholt schlechten Abschneiden der Formel-1-Boliden am vergangenen Wochenende ist es nun soweit: Ferrari-Chef Luca di Montezemolo muss gehen. Und weil das Misstrauen bei der Konzernmutter riesig geworden ist, übernimmt Fiat-Boss Marchionne gleich auch noch die kleine Sportwagentochter. Die Absetzung des altgedienten Ferrari-Chefs spricht Bände über das aktuelle Machtgefüge im Fiat-Konzern. Ohne Marchionne geht überhaupt nichts mehr, er ist der unumschränkte Herrscher über das Fiat-Reich.

Eieruhr

Die neue Apple Watch bringt keinen echten Fortschritt. Der wäre nur gegeben, wenn das kleine Gerät völlig unabhängig vom iPhone funktionieren würde. Allenfalls bei Design und Optik kann die Uhr aus Kalifornien überzeugen. Aber reicht das dafür, die neueste Apple-Spielerei zu kaufen? Die klare Antwort darauf ist nein. Nur weil die Konkurrenz schon auf dem Markt vertreten ist, wirft Apple jetzt ein unfertiges Produkt hinterher. Diese Uhr ist überflüssig und hilft niemandem so recht weiter. Sinnvoll wäre es mit dem Kauf zu warten – bis zu dem Zeitpunkt, zu dem Apple eine wirklich vom iPhone unabhängige Computeruhr präsentieren kann.

Der syrische Feind

Die USA stehen vor einem wichtigen Einschnitt in ihrer Nahost-Politik. Alles deutet daraufhin, dass US-Präsident Barack Obama auch in Syrien die Bombardierung von Stellungen der Terrororganisation Islamischer Staat freigeben wird. Wer hätte das gedacht? Noch vor einem Jahr hat Obama eine Einmischung seines Landes in den syrischen Bürgerkrieg vehement abgelehnt. Eine verrückte Welt: Der Islamische Staat bringt alles durcheinander, der syrische Präsident könnte plötzlich sogar zum Verbündeten des Westens aufsteigen. Eines ist auf jeden Fall sicher: Die USA werden noch sehr lange aktiv in das Geschehen im Nahen Osten eingreifen.

Einen erholsamen und entspannten Abend wünscht Ihnen      

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der (russische) Winter naht"

Alle Kommentare

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  • @ C. Falk

    Und deswegen sollen alle Nachbarländer Rußlands auf Putins Kommando nach seinem Belieben Gebiete abtreten und auch sonst nach der Pfeife des Möchtegern-Zaren tanzen?

    Meine Güte, was muß sich im Kopf eines Russen-Trolls abspielen.

  • Die Ruhe könnte trügreisch sein. Dea Pudi ist für sein taktisches Geschick und seine (aus heutiger Sicht) unkonventionelle Denkweise bekannt.Ich tippe deshalb auf einen Großangriff konventioneller Art (mit Panzern, taktischen Sprengköpfen, Luftwaffe etc. ) in Richtung Kerneuropa bei gleichzeitiger 100 prozentiger Drosselung der Gaszufuhr. Er weißt, dass die Zeit gegen seine Vision spielt.

  • Russland wird genau in dem Maß am Gashahn drehen, wie EU-Europa an der Sanktionsschraube dreht.

    Es war eine Illusion zu glauben, die EU könne sanktionieren ohne russische Reaktion. Diese Art von etrem blauäugiger "Politik" zeigt nichts andres als eine "Politikferne" der selbsternannten europäischen "Eliten",
    die sich am liebsten um ihre eigenen Befindlichkeiten drehen.

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