Was vom Tage bleibt
Der Schrecken in der Ukraine

Ein Flugzeug wird über der Ukraine abgeschossen, Microsoft streicht 18.000 Jobs. Der neue Smart ist da, EU-Spitzenposten bleiben frei und Fiat könnte bei Volkswagen landen. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das große Unglück

War die Ukraine nicht fast schon aus unseren Köpfen verschwunden? Sie ist jetzt mit voller Wucht wieder da, ausgelöst durch den brutalen Abschuss des malaysischen Zivilflugzeugs über der Ostukraine. Sowohl der Westen als auch Russland haben aus einer kleinen regionalen Auseinandersetzung einen Bürgerkrieg werden lassen. Fast 300 Menschen sind jetzt gestorben, weil sich in der Ostukraine Militärs nach Belieben austoben dürfen. West und Ost müssen ihren Druck jetzt massiv erhöhen und dem Treiben ein schnelles Ende setzen. Damit das Sterben endlich aufhört.

Spätfolgen

Das hat es in der Geschichte von Microsoft noch nicht gegeben: 18.000 Beschäftigte des Software-Konzerns verlieren ihren Arbeitsplatz. Das heißt nun allerdings noch lange nicht, dass Microsoft in eine große Krise abzurutschen droht. Die Stellenstreichungen betreffen zu einem großen Teil den jüngsten Zukauf von Microsoft, die Handy-Sparte des finnischen Nokia-Konzerns. Nokia hatte schon länger gewaltige Probleme, Konkurrenten wie Apple und Samsung haben einfach die attraktiveren Handys im Programm. Wenn Microsoft jetzt zum unpopulären Mittel der Stellenstreichungen greift, dann liegen die Gründe dafür in der Vergangenheit. Das Nokia-Management hatte die falschen Entscheidungen getroffen, nicht die neuen Eigentümer aus den USA.

Stop-and-Go

Daimler freut sich über seine neuen Smart-Modelle. Wie bei jedem anderen neuen Auto wäre das eigentlich ein Grund zum Feiern. Beim Smart ist jedoch alles ganz anders, denn für den Daimler-Konzern ist das Auto fast schon ein Trauerspiel. Der Stuttgarter Konzern hat nie richtig gewusst, was er mit dem Kleinwagen überhaupt anfangen soll. Eine klare Strategie hat es nie gegeben, Entscheidungen wurden schnell einmal um 180 Grad gedreht. Beim Smart ist der Viersitzer das beste Beispiel dafür: Erst gab es dieses Modell, dann wurde es eingestampft, jetzt ist es wieder da. Hoffentlich wissen die Daimler-Manager heute besser, was sie mit dem Smart wollen. Garantiert ist das allerdings nicht.

Brüsseler Rituale

Natürlich ist die EU eine ernste Veranstaltung. Etwa bei den Gipfeln, wenn wichtige Personalentscheidungen getroffen werden sollen. Manchmal lädt unsere liebe EU aber auch zum Schmunzeln ein, wie etwa in der vergangenen Nacht. Die europäischen Staats- und Regierungschefs konnten sich – wieder einmal – nicht auf die Besetzung der wichtigsten Spitzenposten einigen. Zum Glück muss sich jetzt niemand große Sorgen machen. Die Vertagung von Entscheidungen auf einen späteren Termin ist geübtes Ritual. Wenn eine Einigung nicht sofort möglich ist, wird erst einmal wieder für ein paar Wochen im stillen Kämmerlein beraten. Von früheren Gipfeltreffen wissen wir nur allzu genau: Auch jetzt wird wieder eine Entscheidung möglich sein, es dauert eben nur ein wenig länger.

Italienische Unsicherheit

Ein Dementi bedeutet erst einmal nicht viel. Sowohl Volkswagen als auch Fiat haben am Donnerstag bestritten, dass eine Übernahme des italienischen Autoherstellers durch den viel größeren deutschen Konkurrenten geplant sei. Das mag jetzt und für den Moment gelten. Auf längere Sicht ist die Übernahme aber sicherlich nicht mehr ausgeschlossen. Die Italiener sehen die großen Probleme des Fiat-Konzerns. Die Eigentümer-Familie, die mächtigen Agnellis, machen sich Sorgen um den Fortbestand ihres Unternehmens. Wenn es in 20 oder 30 Jahren noch eine nennenswerte Automobilproduktion in Italien geben soll, dann wäre die Übernahme durch Volkswagen sicherlich nicht das Schlechteste.

Nach dem schrecklichen Ereignis in der Ukraine kann das heute kein gewöhnlicher Abend sein. Handelsblatt Online hält Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden. Einen trotzdem irgendwie angenehmen Abend wünscht Ihnen  

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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