Was vom Tage bleibt
Der sympathische Henker

Ein Grieche schreibt auf, was er von seiner Regierung hält – und er ist nicht auf der Seite der Großmäuligen. Ein Deutscher philosophiert über den letzten Rettungsanker für Athen. Und Seehofer ist ein teurer Mann. Was heute geschah, lesen Sie hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Mitgefangen, mitgehangen

Frankfurt hat einen streitbaren Ökonomen: Jan Pieter Krahnen fordert in einem Diskussionspapier eine Garantie der Euro-Länder für die Einlagen der griechischen Banken. Das Geld dafür soll aus dem Rettungsschirm ESM kommen. Für finanzielle Ausfälle des ESM haften die Steuerzahler der Euro-Länder – also Sie und ich. Jetzt wissen Sie, warum Krahnen ein streitlustiger Typ sein muss.

Fest für die Maulwürfe

Der teuerste Mann, den sich Deutschland leistet, heißt Horst Seehofer: Herdprämie, Mautdebakel – all so etwas hat er uns schon eingebrockt. Jetzt hat er auch noch durchgesetzt, dass Stromleitungen in Bayern unterirdisch verlegt werden, was etwa das Achtfache von der Oberflächentechnik kostet. Ob er dabei folgendes bedacht hat: Während Stromleitungen fast überall in Deutschland als Ruheplatz für allerlei Zugvögel herhalten, können in Bayern allenfalls die Maulwürfe eine Rast am Erdkabel einlegen.

Starker Tobak

„Wir sind stark bei Kali und wir sind stark bei Salz. K+S braucht Potash nicht.“ Mit solchen markigen Worten weißt K+S-Chef Norbert Steiner das Kaufangebot von Konkurrent Potash zurück. Wir glauben ihm das natürlich. Nur hat das auch nie einer bestritten. Die Frage ist nicht, wie stark Steiner bei Salz ist, sondern wie schnell seine Aktionäre schwach werden.

Mal eben 54 Milliarden zahlen

Der britische Energiekonzern BP hat die finanziellen Folgen nach der Explosion seiner Ölplattform „Deepwater Horizon“ weitgehend geregelt: 53,8 Milliarden Dollar wird er den betroffenen Fischern, Küstenbewohnern und Hoteliers zahlen, deren Geschäfte nicht mehr laufen. Die BP-Aktie steigt, seit dem diese Vereinbarung heute bekannt wurde. Die Aktionäre wissen eben: Wo fast 54 Milliarden für Prozesse rumliegen, da muss auch etwas für die Dividende drin sein.

Die Enthüller

Mitten auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise – also jetzt – enthüllt Wikileaks NSA-Material, das belegt, wie planlos Merkel in der Krise vorgeht. Vom Timing her ist das schon eine Punktlandung. Sollte Wikileaks doch andere Interessen als die Enthüllung haben?

Sympathischer Henker

Ein Grieche, der um die Zukunft seiner Familie bangt, hat seine Sorgen in einem Brief zusammengefasst, den wir bei Handelsblatt.com veröffentlichen. Darin steht Wahrhaftiges: „Wir taumeln mit unserem lächelnden, jungen und fotogenen Ministerpräsidenten in einen Abgrund jenseits meiner bisherigen Vorstellungskraft. Die Demokratie kann sich offenbar nicht wehren, weil sie einen sympathischen Henker hat.“

Einen sympathischen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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