Was vom Tage bleibt
Der Tag der Billigheimer

Bei VW und Lufthansa muss es vor allem eins sein: preiswert. Deswegen gründen beide Unternehmen eine Billiglinie. Außerdem: Die Schweizer kommen. Und die Konjunkturforscher sind bescheiden. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Launige Investoren

Manchmal spielt die Börse ihr eigenes Spiel: Italien hat sich Geld geliehen und dafür mehr bezahlt als das letzte Mal, aber weniger als erwartet. Spanien hat mit Brief und Siegel von einer Ratingagentur bestätigt bekommen, dass es mit seiner Kreditwürdigkeit nicht weit her ist. Also dürfte demnächst der offizielle Antrag folgen, mit dem sich Spanien unter den Rettungsschirm manövriert. Investoren finden beides eher gut als schlecht. Was passierte also heute? Die Stimmung an den Märkten war besser als die Lage.

Nachhaltige Aussage

„Wir verkaufen nicht - das Gerücht ist völlig aus der Luft gegriffen. Da ist absolut nichts dran.“ So klang Thomas Gutberlet vor drei Wochen, als ihn jemand auf den möglichen Verkauf seiner Bio-Supermarktkette Tegut ansprach. Der Unternehmer in dritter Generation ist einer, der stets das Nachhaltige an seinem Geschäftsmodell predigte. Vor drei Wochen dagegen hat er nachhaltig gemogelt. Heute bestätigte er, dass die 300 Filialen an den Schweizer Händler Migros verkauft werden. Die Migros muss nun viel Geld in die Hand nehmen, um die Kette, die in Deutschland zu klein zum Leben und zu groß zum Sterben ist, neu zu positionieren. Der Umsatz stagniert. Die Idee auf Bio zu machen, aber viel Nicht-Bio anzubieten, zog nicht.

Ausblick mit Potenzial

Früher galt: Waren die Unternehmen gesund, ging es der Wirtschaft gut. Ökonomen konnten den Märkten am Puls fühlen. Und im schönen Rhythmus von fünf bis sieben Jahren wechselten sich Boom und Baisse ab. Damit ist Schluss. Selten hat die deutsche Wirtschaft ein solches Auf und Ab durchgemacht wie in den vergangenen Jahren. Dem historischen Einbruch von 5,1 Prozent während der Finanzkrise 2009 folgten zwei fette Jahre. Seither herrscht wieder Rezessionsgefahr. Ein Prozent lautet deswegen die bescheidene Prognose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute für das kommende Jahr. Das Gute daran in dieser unsicheren Zeit: Es kann auch mehr werden.

Das Aldi-Auto

VW hat alles im Angebot: einen Bugatti für die großen Jungs und einen Skoda für die kleineren. Einen Porsche für die, die es schnell mögen, einen Audi für die, die solide sein wollen. Doch in ihrer Markenwelt fehlt noch etwas, meinen die Wolfsburger. Etwas wirklich Billiges, das aber nicht ganz so aussieht, weil es ja aus gutem Hause kommt. So etwas wie sich Renault mit Dacia zugelegt hat. 2015 soll es nun möglicherweise soweit sein. Der Billigwagen kommt. Zu Preisen zwischen 6.000 und 8.000 Euro soll es vielleicht sogar schon einen Van geben. Fragt sich, wie VW das Kind dann nennt. Aldi-VW vielleicht?

Downgrading

Billig will es auch die Lufthansa machen. Ihre Tochter Germanwings verdreifacht künftig ihre Flotte, indem sie das Lufthansa-Europageschäft übernimmt. Die Mitarbeiter von Germanwings sollen nun besser dotierte Verträge als bei Konkurrenten wie Easyjet oder Air Berlin bekommen, die aber eben unter dem Niveau von Lufthansa-Verträgen liegen. Downgrading nennt sich das normalerweise in der Sprache der Lufthanseaten. Christoph Franz, der Lufthansa-Chef, fand dafür aber andere Worte: „Günstig aber nicht billig“, werde sich Germanwings präsentieren.

Vielleicht leisten Sie sich ja ein Upgrade heute Abend. Das wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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