Was vom Tage bleibt: Der Tag der Trennungen

Was vom Tage bleibt
Der Tag der Trennungen

Warum Platzeck es beim Flughafen Berlin besser machen soll als Wowereit, bleibt sein Geheimnis. Mehdorn tritt ab. Die Wulffs trennen sich – was uns bleibt ist: der Golf. Der Tagesbericht von einem Tag voller Abschiede.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ein Stellvertreter als Platzhalter

Der Tag des Abschieds dauert noch an. In Berlin ringt Klaus Wowereit um sein Amt. Das eine, das des Chefaufsehers beim Flughafen, hat er schon niedergelegt. Dort folgt ihm Matthias Platzeck, der brandenburgische Ministerpräsident. Was daran besser ist, bleibt ein Geheimnis: Auch Platzeck hat als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender nicht die Notbremse gezogen, als sich beim Flughafenbau Panne an Panne reihte. Vielleicht ist Platzeck nur Platzhalter. Das andere Amt, das des Regierenden Bürgermeisters, hat Wowereit zur Stunde noch inne. Es könnte sein, dass ihm auch das bald abhanden kommt. Wenn Platzeck ihm auch da folgen könnte, hätten wir endlich die Fusion von Brandenburg und Berlin – was natürlich viel zu schön wäre, um jemals wahr zu werden.

Fliegender Wechsel

Abschied nimmt auch Hartmut Mehdorn. Das Raubein unter den langgedienten deutschen Firmenchefs verlässt holterdipolter seinen Sessel im Cockpit von Air Berlin. Ob Geldgeber Etihad dahinter steht? Vielleicht. Mehdorn können wir immerhin zugute halten, dass er diesmal hält, was er verspricht. Er hatte sich als Interimschef gesehen. Und das hat er wahrgemacht. Sein Nachfolger ist der bisherige Strategie-Vorstand Wolfgang Prock-Schauer. Er ist mit Datum von heute bereits im Amt. Fliegender Wechsel, nennt sich so etwas in der Branche.

Aus der Traum

Trennen müssen wir uns auch von einem unserer Lieblingsbilder: Das des Ehepaars Christian und Bettina Wulff. Die Frau des Ex-Bundespräsidenten will künftig Ex-Frau des Ex-Bundespräsidenten sein. Die beiden haben eine Trennungsvereinbarung unterschrieben und damit wahr gemacht, was alle Welt mit ansah: Es lief nicht mehr so richtig, seit Christian Wulff sein Amt niederlegen musste. Öffentlich gemacht hat die Trennung heute die „Bild“-Zeitung – ausgerechnet die Zeitung also, die Wulffs tiefen Fall entscheidend beförderte. Der Doppelschlag geht in die Magengrube.

Fünf Jahre Krise

Die Bank of America kann ein weiteres Kapitel im Streit um faule Hypothekenpapiere schließen, muss dafür aber tief in die Tasche greifen: Sie zahlt 3,6 Milliarden Dollar an den verstaatlichten Hypothekenkonzern Fannie Mae. Er hatte in der Finanzkrise vor dem Aus gestanden, weil Ramschhypotheken, die er unter anderem von der Bank of America gekauft hatte, reihenweise ausgefallen waren. Die Einigung dürfte den Gewinn der Bank of America pulverisieren. Insgesamt haben sich zehn US-Banken und Hypothekenfirmen zu weiteren Vergleichszahlungen von bis zu 8,5 Milliarden Dollar bereiterklärt. Das Geld soll direkt an die betroffenen Hausbesitzer gehen und sie für Zwangsräumungen entschädigen. Im Jahr fünf nach der Lehman-Pleite besichtigen wir also noch immer die Spätfolgen.

Vom guten Geschmack

Das beliebteste Auto in Deutschland war 2012 erneut - na? stimmt! - der VW Golf. Jetzt können Sie sagen: 240.700 Menschen können nicht irren, so viele Neuzulassungen des Kompaktwagens gab es nämlich im vergangenen Jahr in Deutschland. Sie können aber auch feststellen: Guter Geschmack ist eben kein Massenphänomen und versuchen, ihren Citroën, Jaguar oder Lancia zu bewegen, bei Nieselregen heute Abend noch eine Ausfahrt mit Ihnen zu machen. Viel Spaß dabei.

Einen unkomplizierten Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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