Was vom Tage bleibt
Der unerwartete Aufruhr

VW-Chef Winterkorn dürfte nicht mehr in den Aufsichtsrat wechseln, Piloten kritisieren Germanwings. Die Ölbranche streicht Jobs, der Airbus A380 ist zu früh verkauft worden und Günter Grass ist tot. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ziel wohl erreicht

Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch ist ein Mann mit sieben Siegeln. Schwer zu durchschauen und häufig schwer zu verstehen. Eigentlich schien bei Volkswagen alles in Ordnung. Doch wie aus dem Nichts schießt Piëch ausgerechnet gegen seinen Ziehsohn, VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Der Mann, der wesentlichen Anteil an den jüngsten Erfolgen des VW-Konzerns hat. Jetzt ist klar: Das Verhältnis zwischen Aufsichtsrats- und Vorstandschef ist alles andere als spannungsfrei. Piëch dürfte mit seiner Attacke verhindern wollen, dass Winterkorn sein Nachfolger als Aufsichtsratschef bei VW wird. Winterkorns Name ist jetzt beschädigt genug – Piëch hat sein Ziel wohl erreicht.

Klarheit tut gut

Der Weltpilotenverband kritisiert die schnelle Aufklärung des Absturzes von Germanwings 4U9525. Die deutschen und die französischen Ermittlungsbehörden hätten sich nicht so schnell darauf festlegen dürfen, dass der Co-Pilot den Airbus mit Absicht an einem Berg in den französischen Alpen zerschellen ließ. Falsch. Das ist die ausschließliche Interpretation der Piloten, die ihre ganz eigenen Interessen verfolgen. Die große Mehrheit der Betroffenen sind aber wir, die Passagiere. Wir haben extrem viel davon, wenn wir sehr schnell Gewissheit über die Unfallursache bekommen. Der Absturz von 4U9525 hat sich als tragischer Einzelfall erwiesen – und deshalb muss niemand eine grundsätzliche Angst vor dem Fliegen haben.

Branche in Aufruhr

Auf den ersten Blick ist es nur eine kleinere Meldung, auf den zweiten hat sie aber grundsätzliche Bedeutung. Der norwegische Ölkonzern Statoil will etwa 2400 Jobs streichen. Statoil ist nicht unbedingt einer der ganz großen Spieler der Ölbranche. Trotzdem lässt dieser Schritt aufhorchen, denn er ist ein Signal für die gesamte Branche. Wegen des weltweiten Ölpreisverfalls müssen alle Ölproduzenten an ihre Kosten heran und werden deshalb zwangsläufig Stellen streichen. Wenn beim vergleichsweise kleinen Statoil-Konzern schon mehr als 2000 Jobs aufgegeben werden, was wird dann erst bei Chevron, Shell und BP passieren?

Zu früh für die Welt

Es ist ein bemerkenswertes Eingeständnis: Airbus-Chef Fabrice Brégier gesteht ein, dass der Riesenvogel A380 zum falschen Zeitpunkt auf den Markt gekommen ist. Etwa zehn Jahre zu früh sei das größte Passagierflugzeug der Welt den Airlines angeboten worden. Das ist eine bittere Erkenntnis für alle Airbus-Aktionäre. Milliarden sind durch diese verfehlte Modellpolitik verlorengegangen, Dividende hat sich einfach in Luft aufgelöst. Den Airbus-Eignern bleibt eine letzte Hoffnung: Dass der A380 mit Verspätung doch noch zum Verkaufshit wird und das erhoffte Geld hereinholt.

Abschied von einem Großen

Für die gesamte Literaturwelt ist es ein trauriger Tag. Deutschland hat einen großen Schriftsteller verloren, Günter Grass ist im Alter von 87 Jahren gestorben. „Die Blechtrommel“ und „Der Butt“ werden uns auf ewig in Erinnerung bleiben. Große Werke von Grass, für die es leider keine Fortsetzung mehr geben wird. Grass war nicht nur der gefeierte Schriftsteller, sondern auch ein wichtiger Mahner und Denker. Seine Beiträge haben nicht nur die Diskussionen in Deutschland vorangetrieben, Grass hatte in der ganzen Welt einen tadellosen Ruf. Seine Anstöße werden uns fehlen. Einfach nur schade.

Trauer liegt über diesem schönen Frühlingsabend, genießen Sie ihn trotzdem. Es grüßt Sie herzlich     

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der unerwartete Aufruhr"

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  • Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch ist ein Mann mit sieben Siegeln. Schwer zu durchschauen und häufig schwer zu verstehen.
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    eigentlich war es bei uns ein offenens Geheimnis, dass Uschi die Leitung des VW Aufsichtsrates übernehmen soll. Nur so ist sicher gestellt, dass VW nicht bald wieder in die (Fast-) Pleite rutscht. Und genau da waren wir oft, bevor endlich Herr Dr. Piech die Leitung übernommen hat.

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