Was vom Tage bleibt
Der Untergang einer Idee

Theodor Heuss, Erich Mendes, Hans-Dietrich Genscher – es gibt Liberale, die machten Geschichte. Nun sind die Liberalen selbst Geschichte. Der Tag nach der Wahl und was sonst geschah.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Untergang

Die Liberalen sind untergegangen, kein Kopf bleibt. Christian Lindner hat das zweifelhafte Vergnügen, in den Niederungen unterhalb der fünf Prozent seinen Liberalen beim Überwintern zu helfen. Die Wirtschaft gibt sich geknickt, wegen des Niedergangs der FDP. Keine Antwort kommt auf die Frage, warum sie sie dann nicht gewählt haben. Wir haben einen der einstigen FDP-Leitwölfe gefragt, Gerhart Baum, ehemaliger Innenminister. Seine Analyse: Die Anerkennung von Leistung und Verantwortung sei ein liberales Thema. „Aber nicht nur. Warum erhalten zum Beispiel Frauen, die ein Leben lang Kinder groß gezogen haben und gearbeitet haben, keine anständige Rente? Gerechtigkeit muss auch aus liberaler Sicht definiert werden. (...) Es ist für die Zukunft eines der wichtigsten Themen überhaupt, wie der Staat die Daten seiner Bürger vor den Interessen von Unternehmen und fremden Staaten schützen kann. Hier geht es um Bändigung von Marktmacht und um den Schutz der Menschenwürde.“ Warum nur sind auch die Propheten immer erst nach dem Ereignis schlauer?

Reha für die Grünen

Der komplette Vorstand bei den Grünen will auch zurücktreten. Diejenigen, die wieder antreten wollen, könnten dies beim nächsten Parteitag im Herbst tun, sagt Parteichefin Claudia Roth. Der Satz kann als Signal an die Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin verstanden werden, genau das nicht zu tun. „Wir Grüne“, hat Roth mal gesagt, „sind wirklich gute Menschen. Aber wir sind nicht die Reha für eine siechende FDP.“ Jetzt müssen sie selbst in die Reha, die Grünen. Sie sind eben auch nicht mehr die jüngsten.

Die Kanzlerin hat gewildert

Euro-Rettung? Auf jeden Fall. Mindestlohn? Ein bisschen. Höhere Steuern für Superreiche? Wenn es so wenige sind, dass es keiner merkt... Die Kanzlerin hat in den vergangenen Monaten in der Programmatik der SPD gewildert und ist fündig geworden. Für eine große Koalition ist das doch schon mal ein Anknüpfungspunkt, ist heute aus Berlin zu hören.

Schäfer-Gümbels Eiertanz

Kennen Sie den Unterschied zwischen „politisch“ und „formal“? Eine Koalition lässt sich „politisch“ ausschließen, „formal“ aber abschließen. So jedenfalls definiert der hessische SPD-Hoffnungsträger Thorsten Schäfer-Gümbel die Gespräche zur Regierungsbildung. Für ihn geht es um eine Zusammenarbeit mit den Linken, weil nur so eine Koalition aus FDP und CDU zu schlagen wäre. Sie finden, das ist ein Eiertanz? Ich auch.

Schwarzer Rauch liegt auf Nairobi

Am Mittag stieg plötzlich dichter schwarzer Rauch aus dem Einkaufszentrum in Nairobi auf. Er stammt von Kämpfen zwischen kenianischen Soldaten und einem islamistischen Terrorkommando. Mehr als 60 Menschen starben. Kenia ist der Deutschen liebster Safari-Staat. Der Anschlag zeigt, wie allgegenwärtig der Terror ist. Die neue Regierung in Berlin braucht auch hierauf eine Antwort.

Letzte Note

Kennen Sie ihn noch, den Mann am Klavier? Er war schon alt, als wir noch klein waren. Und sein Ruf nach Bier am Klavier oder in Hawaii kam deswegen so glaubhaft rüber, weil er stets durstig aussah. Sein letztes Album hat er dieses Jahr aufgenommen, mit 85. „Ich mache weiter, bis der liebe Gott mir beim Klavierspielen auf die Finger klopft und sagt: ,Jetzt reicht's!'.“ Jetzt hat er geklopft und Paul Kuhn hat den Deckel zugemacht. Mach's gut, Paule.

Die AfD und die D-Mark

Wenn Sie Paul Kuhn kannten, dann ist ihnen dieser letzte Spruch zur Wahl wahrscheinlich neu. Wenn Sie Kuhn nicht kannten, dann gehören Sie zu einer anderen Generation und kennen möglicherweise diesen Spruch schon, weil er gestern im Netz bereits die Runde machte. Es geht um die AfD, jene Partei, die am liebsten den Euro abschaffen will und die D-Mark wieder hätte. 4,7 Prozent schaffte sie. „Umgerechnet in D-Mark wären das 9,4“ spottet die Netzgemeinde, die manchmal ja lustig ist.

Einen lustigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Der Untergang einer Idee"

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  • Nein, das sollte nicht so bleiben, denn unser Land braucht eine liberale Partei.
    Allerdings war das die FDP nicht mehr.
    Sie ist imemr wieter nach links gerückt
    Und mit einr reinen Boy-Group kann man keine Partei lenken, auch dass muß die FDP wieder lernen

  • Nun sind die Liberalen selbst Geschichte.
    Das soll auch so bleiben.
    Eine neue Verpackung wird an der FDP nichts
    ändern.
    Die sind verseucht von Macht und Gier.

  • Eine Idee kann nicht untergehen, sie kann lediglich vergessen werden.
    Wie sehr die FDP ihre Idee vergessen hat, das dürften wir heute alle besichtigen.
    Als bald ehemaliger Nichtwähler ziehe ich meinen Hut vor den Wählern der Bundesrepublik Deutschland: die Wähler haben mehr geschafft als sie sogenannte vierte Gewalt, wie es aussieht.

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