Was vom Tage bleibt
Deutsche Bank im Tal der Tränen

Die Aktionäre wenden sich von der Deutschen Bank ab. Das Land hat kein gültiges Wahlrecht mehr. Dafür aber Festspiele in Bayreuth. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Aufmerksame Aktionäre

Die Deutsche Bank hat gestern Abend Eckpunkte ihrer Bilanz genannt. So etwas macht sie unter anderem deswegen am Abend, weil dann die Analysen in den Zeitungen am nächsten Tag wegen Zeitmangels nicht mehr ganz so tiefsinnig ausfallen. Deswegen hier nochmal zum Nachlesen: Unterm Strich liegt der Gewinn im zweiten Quartal bei rund 700 Millionen Euro. Das ist die Hälfte vom dem, was Kenner erwartet hatten. Die Anleger begriffen heute genau, was los ist und schickten die Aktie auf Talfahrt: minus 4,5 Prozent. Deutschlands Bankenbranche hat keine Glanzlichter mehr. Fünf Jahre haben die Vertreter dieser Branche gebraucht, um es soweit zu bringen.

Eierköpfe

Deutschland hat kein gültiges Wahlrecht mehr. Das Verfassungsgericht hat das derzeitige Verfahren als Krücke identifiziert und sich dabei ungeduldig gezeigt: Schließlich hatten die Richter schon 2008 das damalige Wahlrecht teilweise für verfassungswidrig erklärt - dem Gesetzgeber aber drei Jahre Zeit für eine Neuregelung und Hinweise, wo Änderungen nötig sind, gegeben. Die schwarz-gelbe Regierung hat sich darauf ein Ei gepellt. Das Gefühl, in einem Land zu leben, das bei den demokratischen Grundregeln ein Defizit hat, ist nicht schön.

Konsequente Notengeber

Wenn Moody's mal arbeitet, dann zuverlässig: Weil die Agentur den Ratingausblick für Deutschland gesenkt hat, war sie heute so konsequent und erklärte, dass auch die Kreditwürdigkeit des Rettungsschirms EFSF auf Dauer alles andere als rosig sei. Und wenn Deutschland und der Rettungsschirm nicht stabil seien, dann sind es auch die deutschen Bundesländer nicht. Nun lassen sich rund um die US-Ratingagentur allerlei Verschwörungstheorien spinnen. Tatsache bleibt, dass die Belastungen durch die Rettungsaktionen in Deutschland ankommen werden. Das wissen alle. Moody's hat es dann mal aufgeschrieben.

Ford - Die müssen was tun

Bislang gab es einen guten deutschen Autohersteller mit amerikanischer Mutter - und das war Ford. Und einen, der es in Deutschland einfach nicht packt - und das ist Opel. Seit heute haben die Guten hierzulande auch ein Problem. Allein im zweiten Quartal fiel bei Ford in Europa ein operativer Verlust von 404 Millionen Dollar an. Ford teilt sein Leid nicht nur mit Opel, sondern mit allen europäischen Massenherstellern. Wenn etwas läuft, dann nur bei denen, die sich zur Premiummarke erklärt und dafür gesorgt haben, dass sich das bis China rumspricht. Ford gehört nicht dazu.

Vorhang auf

Heute geht er auf, der Vorhang in Bayreuth. Eine Kritik gehört nicht zu unserem Metier. Aber die 16 Millionen Euro, die von Bund, Land, Stadt und anderen kommen, irritieren mich, wenn ich auf der anderen Seite niemals verstehe, nach welchem System welche Eintrittskarten zu welchem Preis vergeben werden, wenn DVD-Produktionen und Public-Viewing-Angebote Verluste einfahren und mancher Bayreuther Künstler feststellt, dass die Arbeitgeberabgaben in der Sozialkasse fehlen. Aber gut - für die kommenden Tage ist das egal. Lauschen wir lieber den Ereignissen auf der Bühne.

Einen musikalischen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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