Was vom Tage bleibt
Deutsche Bank in der Vertrauenskrise

Die Razzia bei der Deutschen Bank wirft unangenehme Fragen auf, ein Möchtegern-Kanzler hat ein kurzes Gedächtnis und in Stuttgart wird Schwarzer Peter gespielt. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Kulturschock bei der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank hatte in der 90er einen schönen Slogan: "Vertrauen ist der Anfang von allem". Heute hat sich wieder eindrucksvoll gezeigt, wie weit sich das Institut von der Kultur dieser Zeit entfernt hat. Die Staatsanwaltschaft hat die Räume der Bank durchsucht, gegen 25 Mitarbeiter, darunter sogar die Vorstände Fitschen und Krause, wird im Betrugsskandal um CO2-Emmissionszertifikate ermittelt, es geht um Steuerbetrug, Geldwäsche und die Vertuschung von Beweisen. Die Bank sagt, sie kooperiere mit den Behörden, doch angesichts der vielen Skandale, in die das Geldhaus verwickelt ist, weiß man bald nicht mehr, was man glauben soll.

Die Pläne des Möchtegern-Kanzlers

Kein Wunder, dass der Möchtegern-Kanzler Peer Steinbrück und sein Möchtegern-Finanzminister Jürgen Trittin sich in bei der Vorstellung ihrer Pläne für eine Regierungsübernahme im kommenden Jahr als erstes auf die Banken stürzen. Keine Haftung der Steuerzahler mehr für angeschlagene Banken, Einführung eines Trennbankensystems, Harmonisierung der Einlagensicherung. Hört sich alles spannend an, aber warum fällt Steinbrück das alles erst so spät auf? Hätte er das nicht als ehemaliges Mitglied des Verwaltungsrats der WestLB und als Ex-Finanzminister das schon viel früher anpacken können - und so manches verhindern können?

Schwarzer-Peter-Spiel in Stuttgart

Immer tiefer in die Vertrauenskrise geraten mittlerweile auch die Verantwortlichen für das Bahnhofprojekt Stuttgart 21. Um weitere 1,1 Milliarden Euro sollen nach neuesten Schätzungen die Baukosten steigen, aber übernehmen will die natürlich keiner. Der Bund wäscht seine Hände in Unschuld, auch das Land Baden-Württemberg sieht sich nicht in der Pflicht. Die Bahn wiederrum, die ja immerhin Bauherr ist, will die Zusatzkosten auf andere Projektpartner abwälzen. Da spielen offenbar die Dilettanten Schwarzer Peter.

Merkwürdige Fußballfolklore

Sind Sie Fußball-Fan? Dann legen Sie doch sicher Wert darauf, dass direkt neben Ihnen im Stadion bengalische Feuer abgebrannt werden und dass die Vereine selbst bei konkretem Verdacht nicht die Möglichkeit haben, Hooligans nach Waffen abzusuchen. Zumindest haben sich die Vereinigungen der Ultra-Fans alle Mühe gegeben, den Eindruck zu erwecken, dass dies zur selbstverständlichen Fußballfolklore gehört. Zum Glück haben sich die Clubs davon nicht beeindrucken lassen und das bereits entschärfte Konzept zur Sicherheit in Stadien heute verabschiedet. Zugeständnisse an die Fans sind sicher wichtig, aber bei solchen Selbstverständlichkeiten sollte eine Grenze sein.

Was fehlt? Heute haben zahlreiche Heiratswillige die Standesämter gestürmt, wahrscheinlich weil man sich das Datum 12.12. '12 so schön merken kann. In China war der Ansturm noch größer, den dort klingt die Zahl 12 wie die Worte "werde lieben". Hoffentlich halten diese Ehen auch noch, wenn das Datum mal ganz krumm wird.

Ich wünsche Ihnen einen harmonischen Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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  • Die superwertvollen Filetgrundstücke des Stuttgarter Bahnhofareals sollen offenbar anderweitig genutzt werden. Darum muss die Bahn komplett unter die Erde. Ein Irrsinn. Besser wäre eine Lösung, die beide Levels einbezieht. Experten haben bereits dazu geraten. "Pacta sunt servanda" vernahm man danach von involvierter Stuttgarter Seite. Auf Deutsch: "Ma hend da Gschäftle gmacht." Männiglich freut sich, dass Birkenstockträger den Borkenkäfer schützen wollen und damit jede (prinzipiell tatsächlich notwendige) Veränderung (dieses Bahhefles) blockieren möchten. Denn mit dem schwäbisch geizigen Retrokram werden die wahren Hintergründe und tatsächlichen Probleme dieses Umbaus genial kaschiert. Billiger als jede Pro-PR.

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