Was vom Tage bleibt
Deutsche Konzerne ziehen in die Welt

Der Autozulieferer ZF plant eine Mega-Übernahme, beim ZDF wird geschummelt. Die Commerzbank sortiert Mitarbeiter aus, Karstadt könnte einen neuen Eigner bekommen und Deutschland übt das Daumendrücken. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Einfach stark

Deutschland dürfte seinen nächsten Mega-Konzern bekommen: Der süddeutsche Autozulieferer ZF Friedrichshafen steht vor der Übernahme seines amerikanischen Konkurrenten TRW. Der ZF-Konzern steht beispielhaft für die gesamte deutsche Wirtschaft. Ingenieurskunst, Gespür für den Markt, hohe Präzision und letztlich auch Mut sorgen dafür, dass aus anfänglich mittelständischen Unternehmen Weltkonzerne werden. Die Aussichten bleiben in der Tat auf längere Sicht rosig. ZF steht dafür, dass die deutsche Wirtschaft auch in Zukunft größere Krisen vergleichsweise problemlos meistern sollte.

Gebührenschinder

Peinlich, peinlich, was da gerade beim ZDF passiert. Die vermeintlich seriösen öffentlich-rechtlichen Gebührenfunker haben bei der Wahl der Fernsehlieblinge durch die Zuschauer kräftig nachgeholfen und ordentlich manipuliert. Erinnerungen werden wach: Vor wenigen Monaten hatte der ADAC ein ziemlich ähnliches Problem. Beide Fällen zeigen, dass Publikumsrankings ein ziemlich zweifelhaftes Instrument sind, weil sie zur Manipulation einladen. Das ZDF sollte sich selbst einmal hinterfragen und über seine künftige Rolle nachdenken. Wer derart manipuliert, der braucht jedenfalls keine Gebührengelder.

Aus Sanktionen lernen

Nach und nach wird bekannt, was bei der Commerzbank alles falsch gelaufen ist. Bis zu 800 Millionen Dollar könnten als Bußgeld fällig werden, weil Deutschlands zweitgrößtes Bankhaus gegen US-Sanktionen verstoßen und munter Geld in den Iran transferiert haben dürfte. Erst jetzt, nach der Strafandrohung aus den USA, reagiert die Commerzbank. Mitarbeiter, die für die zweifelhaften Überweisungen verantwortlich sind, sollen das Unternehmen verlassen. Die internen Kontrollen haben in Frankfurt offensichtlich ziemlich lange versagt. Da hilft nur eines: nachschärfen.

Auf Schlingerkurs

Der Karstadt-Konzern schlingert gewaltig. Nach dem plötzlich Rückzug von Unternehmenschefin Eva-Lotta Sjöstedt weiß im Moment niemand so recht, wo die Reise denn hingeht. Hinzu kommen die gewaltigen wirtschaftlichen Probleme. Am Beispiel Karstadt ist gut ablesbar, dass sich das Modell Innenstadt-Kaufhaus in Deutschland überlebt hat. Es ist sehr gut möglich, dass der österreichische Immobilieninvestor René Benko bald die Führung von Karstadt übernimmt. Unter seiner Ägide ist vorgezeichnet, was mit dem Unternehmen passieren wird: Nur die allerbesten Standorte dürften überleben.

Countdown bis Sonntag

Eine aufregende Fußballwoche geht zu Ende, am Sonntagabend ist es dann soweit. Wird es das deutsche Team schaffen und nach Spiel gegen Argentinien zum neuen Weltmeister gekürt? Die unverbesserlichen Optimisten haben den Sekt natürlich schon kaltgestellt. Aber sicher ist im Fußball überhaupt nichts. Es kann genauso gut sein, dass die deutschen Kicker um ihren Kapitän Philipp Lahm nach dem Spiel als Verlierer wie ein Häufchen Elend auf dem Rasen des Maracana-Stadions von Rio sitzen werden. Auch bei einer Pleite wird das Leben am Montag wie gewohnt weitergehen, eine Niederlage wäre keine Katastrophe. Immerhin ein kleiner Trost: Es ist Sommer.

Erholen Sie sich am Wochenende und trainieren Sie bitte kräftig das Daumendrücken

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Deutsche Konzerne ziehen in die Welt"

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  • besser:
    deutsches kapital + arbeitsplätze zieht hinaus in die welt.

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