Was vom Tage bleibt
Deutschland muss sich öffnen

Ein wenig mehr an Offenheit gegenüber Zuwanderern hat noch nie geschadet. Japan und sogar Griechenland dürfen auch Vorbild sein. Die Bundesrepublik kann froh über ihren starken Mittelstand sein. Der Tag im Rückblick.
  • 21

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Dazulernen für Deutschland

Deutschland geht es gut. Gerade im Vergleich zu den südeuropäischen Ländern, wo Massenarbeitslosigkeit und eine schrumpfende Wirtschaft für gewaltige Probleme sorgen. Deutschland könnte es aber noch besser gehen – wenn es seine Ressourcen vernünftig nutzen würde. Ungenutzte Möglichkeiten gibt es beispielsweise in der Einwanderungspolitik. Wie die OECD festgestellt hat, verliert Deutschland Milliardenbeträge, weil Emigranten nicht an dieses Land gebunden werden und nach wenigen Jahren wieder gehen. Das ist die Quittung dafür, dass führende deutsche Politiker die Bundesrepublik lange Zeit nicht als Einwanderungsland sehen wollten. Kein Wunder also, dass Zuwanderer bald wieder gehen – weil man sie nicht ordentlich willkommen heißt.

Lernen von Griechenland

Not macht erfinderisch, auch die griechische Regierung. In aller Regel gelten staatliche Fernsehanstalten als ewige Institutionen, die nicht angetastet werden dürfen. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich die politische Führung in Athen zur Auflösung des staatlichen Senders ERT durchgerungen hat. Warum auch nicht? Warum muss es eine Bestandsgarantie für staatliche und öffentlich-rechtliche Sender geben? Die Opposition in Griechenland will die Gunst der Stunde und den politischen Streit über die ERT-Schließung für sich nutzen. Ministerpräsident Samaras soll für seine wagemutige Entscheidung büßen und am besten gleich morgen abtreten. Premier Samaras verdient aber breite Unterstützung: In schwierigen Zeiten darf es einfach keine heiligen Kühe geben.

Von den Japanern lernen

Auch in Japan kämpft die Regierung unter Ministerpräsident Abe mit riesigen wirtschaftlichen Problemen. Schon seit einem Jahrzehnt steckt Japan in der Krise, keine Regierung hat der Deflation bislang ein Ende bereiten können. Premier Abe versucht jetzt einen neuen Weg: In einer engen Kooperation mit der japanischen Notenbank sind die Geldmärkte geflutet worden, um die Wirtschaft des Landes endlich aus der Sackgasse zu führen. Um es klar und eindeutig zu sagen: Abe versucht die Lösung über eine Inflationierung der japanischen Wirtschaft. So etwas verstößt sicherlich gegen ein klassisches Stabilitätsdenken, wie es gerade besonders in Deutschland gepflegt wird. Abe sollte trotzdem nicht für seine Politik gescholten werden, weil er keine Alternativen hat. Er versucht den letzten Ausweg, dafür verdient er volle Zustimmung.

Lernen von der Vergangenheit

Von der „Magdalenenflut“ haben wir wahrscheinlich alle noch nichts gehört. Angesichts der verheerenden Überschwemmungen an Donau und Elbe haben findige Wissenschaftler aber das Phänomen „Magdalenenflut“ wieder entdeckt. Vor bald 700 Jahren hat es in Deutschland noch viel gewaltigere und unvorstellbare Überschwemmungen als heute gegeben, eben unter dem Namen „Magdalenenflut“ archiviert. Dieser Ausflug in die Historie erinnert uns daran, dass trotz aller Veränderungen durch den Menschen am Ende immer noch die Natur das letzte Wort hat. Auch heute könnte es wieder eine riesige „Magdalenenflut“ geben, niemand kann solch eine gewaltige Flut ausschließen. Ein wenig Innehalten und Besinnung täte also uns allen gut. Es gibt einfach keinen Schutz vor der Natur.

Lehrreicher Mittelstand

Unter dem Namen Reimann kann sich in aller Regel kaum jemand etwas vorstellen. Doch dahinter verbirgt sich eine erfolgreiche deutsche Unternehmerfamilie, die über Jahrzehnte hinweg still und heimlich ein Milliardenimperium aufgebaut hat. Jetzt hat die Familie ihre Beteiligung am US-Parfümhersteller Coty erfolgreich an der Börse untergebracht und dafür gleich einmal wieder mehrere Hunderte Millionen kassiert. Wie gut, dass es diese Familien in Deutschland gibt. Sie stehen für einen starken und extrem agilen Mittelstand, das ökonomische Rückgrat dieses Landes. Wenn Sie das nächste Mal im Duty-Free-Shop am Flughafen an einem Wässerchen etwa von Calvin Klein schnuppern, kommt Ihnen vielleicht der Name Reimann in den Sinn – denn auch diese Marke gehört zum Coty-Düftereich. Reimann ist ein Name, den man sich merken sollte. Von der Familie wird man sicherlich noch viel mehr zu hören bekommen.

Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Deutschland muss sich öffnen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • DAS "BUNTE" DEUTSCHLAND -- 1979 SATIRE, HEUTE REALITÄT


    In der Titanic Ausgabe von 1979 findet sich ein Wimmelbild, dass ein durchweg von türkischen Migranten dominiertes Stadtbild zeigt. Mit dieser Zeichnung sollten die von einigen Politikern geäußerten Befürchtungen hinsichtlich Bevölkerungswachs der türkischen "Ausländer" als angebliche paranoide Vorstellungen rechte Spinner karikiert werden.

    Was damals noch als satirische Überzeichnung angeblich unbegründeter Überfremdungsängste gedacht war, in heute in vielen (geographisch) deutschen Städten traurige Realität:

    Siehe Seite 16 und 17.
    http://www.titanic-magazin.de/fileadmin/content/Heft/1979-11/Titanic_1979_November_Web.pdf

  • >>Bericht über die Probleme mit der massenhaften Zuwanderung von Bulgaren/Rumänen im Rheinland.
    Die Privaten halten sich da sehr bedeckt, bzw. agieren wie üblich dümmlich-platt.<<<

    Es stimmt schon. was sie sagen.

    Allerdings kommen da auch haufenweise Sendungen, die Parteien, die dieser Zuwanderung Einhalt gebieten würden, ja eventuell auch die Probleme verursacht durch die Zuwanderung vergangener Jahrzehnte angehen würden, verhetzt und diffamiert werden. Trotzdem freut es mich zu hören, wenn darüber im Ö. R. kritisch berichtet wird.

  • @halidu

    "Scheint so als müsste Herr Menzel von den Lesern lernen."

    Ja, das müsste er eigentlich.

    Aber ich bin mir sicher: Er fühlt sich am wohlsten, wenn er so dumm bleibt wie er ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%