Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Deutschlands Exportschlager heißt Geld

Schäuble bringt Euros nach Athen. Bernanke ist vieles, berechenbar ist er nicht. Der Ryanair-Chef kennt keine Gewerkschaft. Und Ecclestone gibt sich altersstörrisch. Der Tageskommentar.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

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Deutschlands neuer Exportschlager: Geld

Angela Merkel feiert heute ihren 59. Geburtstag. Das Kabinett überreichte einen Blumenstrauß, auch ihr Finanzminister gratulierte. Doch die großen Geschenke – die liefert Wolfgang Schäuble nicht ins Kanzleramt. Stattdessen schnürt die Bundesregierung ein 100-Millionen-Euro-Paket für Griechenlands Unternehmer, mit dem Schäuble morgen nach Athen fliegt. Vorgesehen ist die Finanzspritze für kleine- und mittelständische Firmen in Griechenland, die zu Hause nur zu horrenden Zinsen Geld leihen können. Die Bundesregierung hat wahrlich einen neuen Exportschlager entdeckt: Nach Autos, Pillen und Maschinen ist es jetzt Geld in allen Darreichungsformen. Als Kredit, gehebelt oder gleich in bar.

Bernankes Logik

Vielleicht sind Leute, die sich alles offen lassen, irgendwie nicht ganz dicht: US-Notenbankchef Ben Bernanke lässt jedenfalls offen, wann die Währungshüter das laufende, milliardenschwere US-Kaufprogramm für Anleihen zurückfahren wollen. Dies werde davon abhängen, wie stark sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten erholt, sagte Bernanke eben im US-Repräsentantenhauses. Die Fed-Politik folge auf keinen Fall einem vorab festgelegten Kurs. Sollte sich die Konjunktur schneller als erwartet verbessern, könne das Tempo der Ankäufe schneller verringert werden. Sollte es etwa auf dem Arbeitsmarkt nicht schnell genug vorangehen, werde das Programm verlängert oder sogar erweitert. Hmm, und nun? Ben, werde Dichter, gib uns eine Richtung, fällt mir nur ein.

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"Gewerkschaften existieren nicht"

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat seine eigene Art mit Gewerkschaften umzugehen: Ryanair-Piloten, die sich zusammengeschlossen haben, werde er nicht als Gewerkschaft akzeptieren. „Das Bündnis existiert nicht“, sagte O'Leary. Er dulde die Arbeit von Gewerkschaften im Unternehmen nicht, „da diese sich dem Wandel verweigern, selbst wenn der notwendig ist“. Endlich sagt hier mal einer, wo es lang geht. Und wer sagt ihm jetzt, wo es lang geht?

Bernie bleibt ungerührt

Mit stolzen 82 Jahren hat sich Bernie Ecclestone jetzt doch noch eine Anklage eingefangen. Zu verdanken hat er das der Münchener Staatsanwaltschaft, die ihn wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue ins Visier nimmt. Mister Formel 1 steht im Verdacht, dem inzwischen verurteilten Risikochef der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, Schmiergeld in Millionenhöhe gezahlt zu haben, damit dieser den Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank in Ecclestones Sinne beeinflusst. „Das wird ein interessanter Fall“, sagt Ecclestone ungerührt und bringt nun seine Anwälte in Stellung. Im Alter bereut man bekanntlich die Sünden, die man nicht begangen hat. Da ist es klar, dass Bernie nicht viel zu bereuen hat.

Bereuen Sie nichts. Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

  • 17.07.2013, 19:08 UhrOleLakshmiMuellerSchabrunski

    Ihre aktuelle Epistel ist wieder exquisit, Genosse Chefredakteur!

    Egal welche ich zu lesen bekomme, immer muss ich herzlich und lange lachen.


  • 17.07.2013, 19:32 Uhrpool

    Die Argumente, mit denen uns hier die bargeldlose Bezahlung aufgeschwätzt werden soll, sind an den Haaren herbeigezogen, einfach lächerlich.

    Zum ersten kann man das Handy genauso vergessen wie sein Geld, zum zweiten ist man immer von einer vollfunktionsfähigen Technik abhängig, zum dritten können Banken so besser mitspionieren, wo man herumläuft und seine persönlichen Daten reinsteckt. Da freut sich die NSA, zumal es auch noch das Swift-Abkommen gibt.
    Blöderweise stellen sich die Smartphonebigotten damit wieder selber ein Bein. Interessante Bankdaten sind die, wo Millionen und Milliarden schlummern. Erpressung inbegriffen, denn die Daten sind nicht weg, sondern werden einem bei passender Gelegenheit unter die Nase gerieben.
    Und wie oft kommt das vor, dass Bargeldautomaten abgestürzt sind, dass man seine Pin plötzlich vergessen hat, das Konto kann leer sein, der Akku alle, und drittens wird der Kreis für bargeldlose Bezahlung immer beschränkt bleiben. Kleine Geschäfte können sich die Technik nicht leisten, die werden ausgegrenzt von den Platzhirschen, also landet man immer im Konsumtempel mit dieser schwachbrüstigen Technik. Und was gibt es da zu kaufen, was man nicht alle Tage kaufen kann? Da findet man nichts Exklusives, kein einmalige Angebot. Das findet man nur den Allerweltsmassenschrott.
    Die Anbetung der Technik nimmt wirklich groteske Züge an.

    Nur Bares ist Wahres. Ich geh' immer ohne Handy aus dem Haus, wegen der Spionage und so, aber nie ohne Geld. Wegen der Schnäppchen.
    Und für Bargeld kriegt man alles.

  • 17.07.2013, 20:19 UhrGermanenhengst

    Mir kommt es so vor, als dass sich das 'Herr Stock-Bashing' irgendwie verselbständigt hat.

    Ich kann viele Kritikpunkte verstehen, doch ist meiner Meinung nach eine Abgrenzung zwischen Person und Sache notwendig.

    Heißt: Es ist NICHT in Ordnung, jemanden persönlich zu diskreditieren aus reinem Misfallen heraus. Wie heißt es so schön: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Wunderbar, gerne.

    Vielmehr aber darf in der Sachlage mächtig gefetzt werden - denn ein befruchtender Meinungsaustausch bringt alle voran.

    Und diesbezüglich zeigt Oliver Stock ein breites Kreuz - wofür ich ihm sehr dankbar bin.

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