Was vom Tage bleibt: Deutschlands Exportschlager heißt Geld

Was vom Tage bleibt
Deutschlands Exportschlager heißt Geld

Schäuble bringt Euros nach Athen. Bernanke ist vieles, berechenbar ist er nicht. Der Ryanair-Chef kennt keine Gewerkschaft. Und Ecclestone gibt sich altersstörrisch. Der Tageskommentar.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Deutschlands neuer Exportschlager: Geld

Angela Merkel feiert heute ihren 59. Geburtstag. Das Kabinett überreichte einen Blumenstrauß, auch ihr Finanzminister gratulierte. Doch die großen Geschenke – die liefert Wolfgang Schäuble nicht ins Kanzleramt. Stattdessen schnürt die Bundesregierung ein 100-Millionen-Euro-Paket für Griechenlands Unternehmer, mit dem Schäuble morgen nach Athen fliegt. Vorgesehen ist die Finanzspritze für kleine- und mittelständische Firmen in Griechenland, die zu Hause nur zu horrenden Zinsen Geld leihen können. Die Bundesregierung hat wahrlich einen neuen Exportschlager entdeckt: Nach Autos, Pillen und Maschinen ist es jetzt Geld in allen Darreichungsformen. Als Kredit, gehebelt oder gleich in bar.

Bernankes Logik

Vielleicht sind Leute, die sich alles offen lassen, irgendwie nicht ganz dicht: US-Notenbankchef Ben Bernanke lässt jedenfalls offen, wann die Währungshüter das laufende, milliardenschwere US-Kaufprogramm für Anleihen zurückfahren wollen. Dies werde davon abhängen, wie stark sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten erholt, sagte Bernanke eben im US-Repräsentantenhauses. Die Fed-Politik folge auf keinen Fall einem vorab festgelegten Kurs. Sollte sich die Konjunktur schneller als erwartet verbessern, könne das Tempo der Ankäufe schneller verringert werden. Sollte es etwa auf dem Arbeitsmarkt nicht schnell genug vorangehen, werde das Programm verlängert oder sogar erweitert. Hmm, und nun? Ben, werde Dichter, gib uns eine Richtung, fällt mir nur ein.

"Gewerkschaften existieren nicht"

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat seine eigene Art mit Gewerkschaften umzugehen: Ryanair-Piloten, die sich zusammengeschlossen haben, werde er nicht als Gewerkschaft akzeptieren. „Das Bündnis existiert nicht“, sagte O'Leary. Er dulde die Arbeit von Gewerkschaften im Unternehmen nicht, „da diese sich dem Wandel verweigern, selbst wenn der notwendig ist“. Endlich sagt hier mal einer, wo es lang geht. Und wer sagt ihm jetzt, wo es lang geht?

Bernie bleibt ungerührt

Mit stolzen 82 Jahren hat sich Bernie Ecclestone jetzt doch noch eine Anklage eingefangen. Zu verdanken hat er das der Münchener Staatsanwaltschaft, die ihn wegen Bestechung und Beihilfe zur Untreue ins Visier nimmt. Mister Formel 1 steht im Verdacht, dem inzwischen verurteilten Risikochef der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, Schmiergeld in Millionenhöhe gezahlt zu haben, damit dieser den Verkauf der Formel-1-Anteile der Bank in Ecclestones Sinne beeinflusst. „Das wird ein interessanter Fall“, sagt Ecclestone ungerührt und bringt nun seine Anwälte in Stellung. Im Alter bereut man bekanntlich die Sünden, die man nicht begangen hat. Da ist es klar, dass Bernie nicht viel zu bereuen hat.

Bereuen Sie nichts. Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Deutschlands Exportschlager heißt Geld"

Alle Kommentare
  • So ist es. Im Euroraum läuft die Chose über die TargetII Salden von denen manche behauptes es seien keine Kredite, sind es aber doch, zumindest kreditähnlich.
    Werden die Salden nicht ausgeglichen indem die Handelspartner ihre Wettbewerbsfähigkeit und damit ihre Exporte stärken, fließen keine realen Werte als materieller Ausgleich für Leistungen zurück.
    Was ist das bei Licht besehen? "Travailler pour le roi de Prusse."

  • "Deutschlands Exportschlager heißt Geld"

    Exportüberschüsse müssen zwangsläufig kreditfinanziert werden.
    Geld = Kredit.

    ... ob das Geld nun direkt außer Landes gebracht, ob indirekt und zum Profit der Bankster über deren "Produkte", über irgendwelche Bürgschaften: egal.

    dauerhafte Exportüberschüsse = dauerhaft Leistung verschenkt.

    Logo: einige leben ganz gut in diesem System - allerdings schwindet schon seit längerem die Akzeptanz. Und zwar ganz gewaltig.

  • Haiku

    Gibt es keinen Reis,
    stellen wir im Kesseltopf
    bunte Blumen auf.

    -----

    Natürlich ist der "Rasende Roland" von Ariost.
    Arist war ein Tippfehler.

    Hier noch ein Sommerhaiku

    Eine Fliege wollt´
    ich erschlagen und zerschlug
    meinen Blumentopf.

    LOL

  • bei allem Respekt. Herr Stock war es, der die Anhänger von der AfD beleidigt hat. Wies in den Wald ruft, so schallt es heraus. Er muss sich sicherlich nicht beschweren

  • Bilder

    Siehst du auf Bildern in den Galerien
    verkrümmte Rücken, graue Mäuler, Falten
    anstößiger gedunsner Alten,
    die schon wie Leichen durch die Dinge zieh´n,

    Brüchige Felle, Stoppeln, käsiger Bart,
    blutunterflossenes Fett von Fuselräuschen,
    gewandt, für Korn zu prellen und zu täuschen,
    den Stummel fischend und im Tuch verwahrt;

    Ein Lebensabend, reichliches Dekor,
    Reichtum an Unflat, Lumpen, Pestilenzen,
    ein Hochhinauf wechselnder Residenzen;
    im Leihhaus tags und nachts im Abflusssrohr,

    Siehst du auf Bilder in den Galerien,
    wie diese Alten für ihr Leben zahlten,
    siehst du die Züge derer, die es malten,
    du siehst den großen Genius - , Ihn.

    Gottfried Benn

  • Benn werde Dichter, gib uns eine Richtung, fällt mir nur ein..."
    Herr Stock, dieser Spruch war gut, Gratulation.

    Nur Benn B. ist weder Gottfried und seine "Statischen Gedichte" sondern eben immer ein bißchen schlauer als andere.

    Da er die Marktteilnehmer im Ungewissen läßt, wann oder überhaupt seine Segnungen ein Ende finden, werden sich die Börsianer so einrichten und vermuten, dass die Chose weitergeht, also ist kurz-mittelfistig mit steigenden Kursen zu rechnen.

    Die geldpolitische Lyrik von Bernanke ist breit- und weitflächig nicht wie ein japanisches Haiku oder Kurzgedicht sondern eher zu nehmen als ausdehntes Epos wie der "Rasende Roland" von Arist, dessen Lektüre Ihnen empfohlen sei.

  • Bezüglich den KfW-Darlehen ist diese Entwicklung doch gar nicht mal so dumm:

    Hier werden investive Darlehen an Firmen (nicht Staaten) ausgegeben, primär gegen verwertbare Sicherheiten, halt zu günstigen Konditionen.

    Ist doch in Ordnung, bedeutet letztlich Geschäftsgebiet-Erweiterung für die KfW. Vielleicht sogar eine etragsteigernde. Denn Vertrauen in die Rückzahlbarkeit ist da doch viel eher vorhanden, als denn bzgl. dem Schwarzen Loch der griechischen Staatskasse.

  • Mir kommt es so vor, als dass sich das 'Herr Stock-Bashing' irgendwie verselbständigt hat.

    Ich kann viele Kritikpunkte verstehen, doch ist meiner Meinung nach eine Abgrenzung zwischen Person und Sache notwendig.

    Heißt: Es ist NICHT in Ordnung, jemanden persönlich zu diskreditieren aus reinem Misfallen heraus. Wie heißt es so schön: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Wunderbar, gerne.

    Vielmehr aber darf in der Sachlage mächtig gefetzt werden - denn ein befruchtender Meinungsaustausch bringt alle voran.

    Und diesbezüglich zeigt Oliver Stock ein breites Kreuz - wofür ich ihm sehr dankbar bin.

  • Die Argumente, mit denen uns hier die bargeldlose Bezahlung aufgeschwätzt werden soll, sind an den Haaren herbeigezogen, einfach lächerlich.

    Zum ersten kann man das Handy genauso vergessen wie sein Geld, zum zweiten ist man immer von einer vollfunktionsfähigen Technik abhängig, zum dritten können Banken so besser mitspionieren, wo man herumläuft und seine persönlichen Daten reinsteckt. Da freut sich die NSA, zumal es auch noch das Swift-Abkommen gibt.
    Blöderweise stellen sich die Smartphonebigotten damit wieder selber ein Bein. Interessante Bankdaten sind die, wo Millionen und Milliarden schlummern. Erpressung inbegriffen, denn die Daten sind nicht weg, sondern werden einem bei passender Gelegenheit unter die Nase gerieben.
    Und wie oft kommt das vor, dass Bargeldautomaten abgestürzt sind, dass man seine Pin plötzlich vergessen hat, das Konto kann leer sein, der Akku alle, und drittens wird der Kreis für bargeldlose Bezahlung immer beschränkt bleiben. Kleine Geschäfte können sich die Technik nicht leisten, die werden ausgegrenzt von den Platzhirschen, also landet man immer im Konsumtempel mit dieser schwachbrüstigen Technik. Und was gibt es da zu kaufen, was man nicht alle Tage kaufen kann? Da findet man nichts Exklusives, kein einmalige Angebot. Das findet man nur den Allerweltsmassenschrott.
    Die Anbetung der Technik nimmt wirklich groteske Züge an.

    Nur Bares ist Wahres. Ich geh' immer ohne Handy aus dem Haus, wegen der Spionage und so, aber nie ohne Geld. Wegen der Schnäppchen.
    Und für Bargeld kriegt man alles.

  • Ihre aktuelle Epistel ist wieder exquisit, Genosse Chefredakteur!

    Egal welche ich zu lesen bekomme, immer muss ich herzlich und lange lachen.


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