Was vom Tage bleibt
Deutschlands neue große Blase

Die Immobilienpreise steigen ins Unermessliche, Siemens bietet für Alstom. Deutschland braucht die kleinen Airports nicht, die CDU verliert in den Großstädten und die AfD wird hoffähig. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Immobilien-Ballon

Langsam scheint ein Umdenken bei der Bundesbank einzusetzen. Bislang haben die Verantwortlichen in Frankfurt stets die Gefahr verneint, dass es in Deutschland zu einer Immobilienblase kommen könnte. Doch jetzt gesteht Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, dass es die „Gefahr einer Immobilienblase“ gibt. Die Bundesbank sollte sich nicht länger Illusionen hingegeben. Die Blase ist da, in den großen Städten sind die Immobilien-preise mit hohen zweistelligen Prozentraten gewachsen. Totschweigen, liebe Bundesbanker, hilft da nicht mehr weiter. Die Realität sieht heute anders aus.

Die kleinere Portion

Siemens hat jetzt endlich das lange erwartete Angebot für Alstom vorgelegt. Konzernchef Joe Kaeser hat sich für die vorsichtige Variante entschieden: Die Münchener bieten nur für einen Teil des Alstom-Konzerns und legen dafür vergleichsweise bescheidene 3,9 Milliarden Euro auf den Tisch. Der Siemens-Chef liegt richtig damit, nicht um jeden Preis für Alstom zu bieten. Die weitere Entwicklung des französischen Konzerns ist schwer vorherzusagen, vor allem wegen des wachsenden Staatseinflusses. Im Zweifel ist ein Nein aus München dann wahrscheinlich doch die bessere Entscheidung.

Teures Spielzeug für die Provinz

Kassel-Calden, Deutschlands jüngster Regionalflughafen, hat einen neuen Chef bekommen. Auch vom aktuellen Airport-Boss sind nur wieder die bekannten Durchhalteparolen zu hören: Irgendwann werde Calden kräftig zulegen und wirtschaftlich erfolgreich sein, öffentliche Hilfen seien dann nicht mehr nötig. Schön wär’s! Niemand braucht diesen Flughafen im Nordhessischen. Kassel-Calden ist ein Wunschprojekt der Politik ohne ökonomische Basis. Eine Schließung wäre günstiger.

Verloren in den Städten

In Deutschlands wichtigsten Großstädten hat die CDU kaum noch etwas zu sagen. Jetzt haben die Christdemokraten sogar das Amt des Oberbürgermeisters in Düsseldorf verloren, in den vergangenen Jahrzehnten immer eine extrem sichere Bastion für die Union. Es ist ziemlich offensichtlich, dass die CDU den städtischen Wählern derzeit nicht allzu viel zu bieten hat. Erst die Städte, dann die Länder und dann der Bund? 2016 gibt es vielleicht den nächsten sozialdemokratischen Bundeskanzler.

Der falsche Partner

In einem brandenburgischen Landkreis arbeitet die CDU erstmals mit der AfD zusammen und hat deren Abgeordneten in die christdemokratische Fraktion aufgenommen. Landes- und Bundes-CDU sollten ihre Parteikollegen schnell einmal zur Ordnung rufen. Zwischen CDU und AfD gibt es einen klaren Gegensatz: Die neue Partei ist erklärter Europa-Gegner und lehnt deshalb auch den Euro ab. Also kann es auch keine Basis für eine Zusammenarbeit geben.

Noch ein Hinweis auf morgen:  Am Dienstag ehrt das Europäische Patentamt herausragende Entdeckungen mit dem Europäischen Erfinderpreis. 15 Erfinder und Erfinderteams, die wir in den vergangenen Wochen auf Handelsblatt Online vorgestellt haben, legen ihre Ideen vor. Handelsblatt Online ist bei der Preisverleihung in Berlin vor Ort und twittert live von der Veranstaltung. Von 11 Uhr an finden Sie außerdem einen Livestream zu den Feierlichkeiten in unserem Online-Special.

Einen schönen Abend, hoffentlich mit einem deutschen Fußball-Sieg im Rücken wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Deutschlands neue große Blase"

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  • Lieber Herr Menzel,
    Sie haben es immer noch nicht begriffen. Wir von der AfD sind keine Europa-Gegner, ganz im Gegenteil. Wir wollen aber nicht "dieses" Europa, das zentralistische, "integrierte" (Haftungsgemeinschaft, zentrale Gesetzgebung, einheitliche Währung) Europa,wir wollen nicht die "Vereinigten Staaten von Europa". Wir wollen ein dezentrales, auf Subsidiarität basierendes Europa, ein "Europa der Vaterländer" - also ein anderes Europa.
    Deshalb sind wir auch in der ECR Fraktion(European Conservatives and Reformists Group.)Wenn wir Europa-Gegner wären, wäre dieses auch Herr Cameron und seine Partei. Diese sind es aber nicht. Sie wollen ein "reformiertes" Europa, nicht dieses.

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