Was vom Tage bleibt
Die Angst der Banken

BNP Paribas muss in den USA eine Rekordstrafe zahlen, die Bundeskanzlerin will jetzt doch Jean-Claude Juncker. Die SMS verliert, VW startet einen Neubeginn und Google hilft beim Vergessen. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Amerikanisches Aufräumen

Die USA machen Ernst, Europas Banken müssen sich auf der anderen Seite des Atlantiks auf harte Zeiten einstellen. Credit Suisse zahlt eine Milliardenstrafe, weil der Schweizer Bankkonzern amerikanischen Staatsbürgern bei der Steuerflucht geholfen hat. Jetzt ist die französische Großbank BNP Paribas an der Reihe. Voraussichtlich wird ein Bußgeld von zehn Milliarden US-Dollar fällig, weil sich die Bank nicht an amerikanische Sanktionsregeln gehalten haben soll. Niemand aus der Bankergilde darf jetzt aufschreien, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Die USA wenden ihre schon lange bekannten Regeln an. Die Banken hätten das auch einfach machen können.

Merkelsches Einlenken

Vor der Europawahl ist eigentlich schon alles klar gewesen. Einer der beiden Spitzenkandidaten Martin Schulz (Sozialdemokraten) oder Jean-Claude Juncker (Konservative) wird neuer EU-Kommissionspräsident. Der Moloch Brüssel sollte transparenter, die EU demokratischer werden, weil der Spitzenposten erstmals per Wahl vergeben wird. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nun verstanden, dass sie sich an die Vorgaben aus der Zeit vor der Wahl halten muss. Jetzt endlich spricht sich auch die deutsche Regierungschefin für Juncker als Kommissionspräsidenten aus. Nicht gleich am Wahlabend, sondern erst fünf Tage später. Zum Glück gerade noch rechtzeitig. Wenn Frau Merkel viel länger gewartet hätte, hätte der Ruf der EU gleich wieder gelitten.

Nachrichten, etwas anders

Zum ersten Mal geht die Zahl der SMS-Nachrichten in Deutschland zurück. Für die Telefongesellschaften schmerzlich, aber für den Markt eine völlig logische Entwicklung. Die Mobilfunkkonzerne haben über Jahrzehnte prächtig an diesem Nachrichtendienst über das Handy verdient. Aber wer will dafür noch zahlen, wenn es bei WhatsApp & Co. kostenlos geht? Die Mobilfunkkonzerne müssten einen Extranutzen bieten, wenn sie für Nachrichtendienste weiterhin Geld verlangen wollten. Aber genau das tun sie nicht. Auch bei der Datensicherheit nicht, mit der sie doch jetzt eigentlich gutes Geld verdienen könnten.

Das große Versprechen

Volkswagen verspricht für sein schwaches US-Geschäft wieder einmal Besserung. Jetzt soll der Produktzyklus den amerikanischen Gewohnheiten angepasst werden, neue Autos sollen also schneller als bisher in den USA auf den Markt kommen. Das klingt alles sehr schön und logisch. VW hat nur leider immer wieder in regelmäßigen Abständen neue Pläne für die USA verkündet. Die Glaubwürdigkeit wäre erst dann wieder da, wenn die Wolfsburger ihre Ankündigungen auch tatsächlich einmal umsetzen würden.

Google vergisst gern

Auch im Internet gibt es das Recht auf das Vergessen. Vor zwei Wochen hat der Europäische Gerichtshof diese weitreichende Entscheidung getroffen. Doch erst jetzt sieht sich Google dazu genötigt, seinen Kunden bei der Löschung von Daten zu helfen. Google ist sonst sehr schnell, doch in dieser Frage bewegt sich der Internet-Koloss extrem schwerfällig. Datensicherheit und Datenkontrolle sind zweifelsohne nicht die große Stärke des US-Konzerns. Wie gut, dass immerhin Europas Richter dem Unternehmen Grenzen gesetzt haben.

Ihnen wünsche ich ein erholsames und besinnliches Wochenende. Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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