Was vom Tage bleibt
Die Arbeitswut der Manager

Arbeiten bis 67? Von wegen. Bis zum Alter von 69 müsste die Lebensarbeitszeit theoretisch ausgedehnt werden. Unseren Managern macht das nichts. Sie sind sowieso länger dabei. Die Kommentare zum Tag.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wunsch und Wirklichkeit

"Kinder kriegen tun die Leute immer", hatte Konrad Adenauer einst gesagt und wir wissen heute: Dies ist der zentrale Irrtum in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Seit 1970 stimmt nichts mehr. Seither geht die Geburtenrate in Deutschland zurück – mit entsprechenden Folgen: Die ersten Jahrgänge der Generation, deren Eltern sich noch nach Adenauer richteten, kommen jetzt in Rente. Es sind, weil der alte Kanzler damals eben noch recht hatte, verdammt viele. So viele sogar, wie eine heute erschienene Bertelsmann-Studie ausrechnet, dass selbst die Rente mit 67 nicht ausreichen wird, damit sie alle ein Altersauskommen haben. Blöd ist das für alle diejenigen Wahlkämpfer, die schon jetzt aus der Rente mit 67 lieber wieder eine mit 65 machen wollen. Die Lebenswirklichkeit, zumindest die im oberen Management, beschreibt aber auch diese Studie noch nicht: Hartmut Mehdorn zum Beispiel, der heute seinen ersten Arbeitstag als Berliner Flughafenchef hatte, tritt diesen Job im zarten Alter von 70 an.

Geschlossene, alternde Gesellschaft

Überhaupt: Schließen Sie für einen Augenblick die Augen und lassen Sie die Welt der Vorstände und Aufsichtsräte in deutschen Spitzenunternehmen an sich vorüberziehen. Es sind immer wieder die gleichen, älteren Köpfe, die da erscheinen. Die Deutschland AG ist eine geschlossene, alternde Gesellschaft. Mitglied ist neben Mehdorn auch Gerhard Cromme, scheidender Aufsichtsrats-Chef bei Thyssen-Krupp. Als Nachfolger sind ebenfalls bekannte ältere Gesichter im Gespräch: Hans-Peter Keitel zum Beispiel, ehemaliger Industriepräsident. Oder Ulrich Lehner, einst Henkel-Chef und auch schon mal bei der Telekom Helfer in der Not. Das Personalkarussell dreht sich also. Aber es hat immer die gleichen Mitfahrer. Das Dumme ist, dass es oft genau die erprobten Fahrensmänner sind, die die ihnen anvertrauten Unternehmen direkt an den Abgrund steuern – wie zuletzt Cromme bei Thyssen Krupp. Deswegen gilt: Neue Männer braucht das Land. Oder besser: Es können auch ein paar Frauen darunter sein.

Wie lange macht es Cromme bei Siemens?

Das jähe Ende der Ära Gerhard Cromme bei ThyssenKrupp sorgt auch bei Siemens für Nachbeben. Wie lange kann sich der 70-Jährige, der auch an der Spitze des Siemens-Kontrollgremiums sitzt, da noch halten? In München warten schwierige Herausforderungen auf Führungsmannschaft und Kontrolleure – von der Umsetzung eines Milliarden-Sparprogramms, über die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen bis hin zu den Problemen beim Anschluss von Nordsee-Windparks. Klingt alles nicht nach einem Nebenjob für einen älteren Herrn.

Partei fürs platte Land

Bei der Stichwahl zum Oberbürgermeister in Wiesbaden gewinnt der SPD-Herausforderer Sven Gerich knapp gegen den bisherigen CDU-Oberbürgermeister Helmut Müller. Frankfurt, Stuttgart, Karlsruhe – überall hat die CDU die Bürgermeister Wahlen verloren. Offenbar regiert sie am Lebensgefühl der Großstädter vorbei. Das fällt umso mehr auf, weil wir Journalisten oft in Großstädten sitzen und dieses Lebensgefühl weitertragen. Also Alarm für die CDU? Nicht ganz: Wahlkämpfe werden in der Großstadt ausgefochten, aber auf dem Land entschieden.

Die Last der Pensionen

Die Dax-Konzerne haben insgesamt Pensionsverpflichtungen in Höhe von 317 Milliarden Euro in den Büchern. Das Problem: Aktuell sind nur knapp 60 Prozent aller Pensionsverpflichtungen durch Vermögen gedeckt. Dieser Wert, der sogenannte „Ausfinanzierungsgrad“, ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Durch die niedrigen Zinsen fällt die Finanzierung der Pensionen schwerer, was jetzt schon auf das Eigenkapital der Firmen durchschlagen kann – vielleicht ist die oben erwähnte Arbeitswut der Spitzenmanager doch nicht so übel.

Einen arbeitsunwütigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die Arbeitswut der Manager "

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  • Ist das nicht peinlich, Oliver Stock, sich vor Familie Holzbrink so öffentlich zu erniedrigen? Werden sie dafür wenigstens anständig bezahlt?

    Ich persönlich würde lieber verhungern.

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