Was vom Tage bleibt: Die deutschen Ökonomen sollten nachdenken

Was vom Tage bleibt
Die deutschen Ökonomen sollten nachdenken

Die EZB startet ihr Anleihekaufprogramm, Ryanair will Zubringerflüge übernehmen. Pegida ist orientierungslos, die Bahn kann die Preise nicht erhöhen und die Formel 1 droht mit dem Deutschland-Rückzug. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Im Draghi-Fieber

Deutschland ist ein Ausnahmeland. Der Großteil der hiesigen Ökonomen-Zunft ist sich weitestgehend einig darin, dass die EZB mit ihrem Anleihekaufprogramm den falschen Weg eingeschlagen hat. Beim Rest der Euro-Länder sieht das schon ganz anders aus. Zustimmung für EZB-Präsident Mario Draghi kommt aber besonders aus den angelsächsischen Ländern. Amerikanern und Briten, führend in der globalen Ökonomen-Szene, reicht das alles noch nicht. Die Anleihenkäufe seien zwar schon einmal richtig. Jetzt müssten aber auch die europäischen Regierungen Konjunktur- und Steuerprogramme auflegen, um die flaue Konjunktur anzukurbeln. Vielleicht löst das hierzulande doch eine gewisse Nachdenklichkeit aus. Die deutsche Position muss nicht immer richtig sein.

Nicht mehr komplett

Die großen europäischen Airlines wie Lufthansa und Air France suchen verzweifelt nach dem Königsweg, um gegen die Billigkonkurrenz bestehen zu können. Die erlösende Antwort haben sie bislang nicht gefunden. Kennzeichnend ist allein der Streit mit der eigenen Belegschaft um Kostensenkungsprogramme, wie der Dauer-Streik der Lufthansa-Piloten zeigt. Die Lösung hat jetzt vielleicht ausgerechnet Michael O’Leary vom Billigkonkurrenten Ryanair gefunden. Lufthansa & Co. werden künftig nur noch die großen interkontinentalen Strecken bleiben, meint er. Ryanair und die anderen Billiggesellschaften übernehmen dann die Kurzstrecken und damit vor allem die Zubringerflüge für interkontinentale Verbindungen. Ein wirklich vernünftiger Vorschlag. Warum muss eine Airline wie die Lufthansa das komplette Flugangebot im Programm haben? Es geht auch kleiner.

Völlig regional

Die Pegida-Demonstrationen zur Wochenmitte haben endgültig gezeigt, dass diese Bewegung allein ein regionales sächsisches Phänomen ist. In Westdeutschland besitzt Pegida überhaupt keine Chance. Der Dresdner Kern hat sich mit den Hitler-Bildern ihres bisherigen Vorsitzenden Lutz Bachmann endgültig diskreditiert. Die Pegida-Bewegung sollte sich jetzt besser überlegen, was sie für die Einwanderungspolitik tun kann. Deutschland braucht die Zuwanderung angesichts zu geringer Geburtenzahlen. Und dann gibt es da noch ein ganz einfaches menschliches Ansinnen: Das reiche Deutschland muss einfach Flüchtlingen helfen, die hierzulande Schutz vor Krieg und Gewalt suchen.

Endlich Wettbewerb

Es hört sich ein wenig nach dem großen Katzenjammer an. Die Deutsche Bahn wird im Fernverkehr in den kommenden zwei Jahren möglicherweise auf Preiserhöhungen verzichten. Warum? Neuerdings herrscht plötzlich Wettbewerb, höhere Preise lassen sich wegen der Konkurrenz der privaten Fernbusunternehmen einfach nicht mehr durchsetzen. Die arme Bahn, wie schön waren doch die Zeiten des Monopols. Wie wäre es stattdessen damit, jetzt endlich einmal die Regeln des Wettbewerbs zu lernen? Auch ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn sollte dazu in Lage sein.

Ohne Formel 1?

Bernie Ecclestone denkt laut über die Zukunft der Formel 1 nach. Und der Chef der Rennserie kommt zu dem Schluss, dass es künftig möglicherweise auf dem Hockenheim-Ring keinen Großen Preis von Deutschland mehr geben wird. Ganz ehrlich: Das wäre kein Verlust. Nach dem Schmiergeldskandal bei der BayernLB kann die Formel 1 niemand mehr als seriösen Sport bezeichnen. Öffentliche Fördergelder für die Rennstrecke ließen sich sparen, wenn es keinen deutschen Grand Prix mehr gäbe. Wer auf die Formel 1 dennoch nicht verzichten möchte, der kann sich die Rennen gerne auch im Ausland ansehen.

Einen angenehmen und erholsamen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die deutschen Ökonomen sollten nachdenken"

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  • Deutschland ist ein Ausnahmeland. Der Großteil der hiesigen Ökonomen-Zunft ist sich weitestgehend einig darin, dass die EZB mit ihrem Anleihekaufprogramm den falschen Weg eingeschlagen hat.

    ...........................................................

    Die Ohnmacht der 500 Millionen Europäer gegenüber dem

    EZB-DIKTAT...dass an Europa keinerlei nutzen einbringen wird.

    Wie sagten unsere Großeltern zu uns ? :

    " Wer sich von Dümmere als einer selbst sich steuern lässt...

    ist Dümmer als der der uns steuert ! "





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