Was vom Tage bleibt: Die erste Runde geht an Wladimir

Was vom Tage bleibt
Die erste Runde geht an Wladimir

Russland fackelt nicht lange und holt sich die Krim, Argentinien wird herabgestuft. Scania-Aktionäre begehren auf, Alibaba geht in den USA an die Börse und wieder hat ein Promi Steuern hinterzogen. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Power-Putin

Vielleicht hat die Geschwindigkeit am Ende doch etwas überrascht. Aber Präsident Wladimir Putin wollte nicht länger warten und hat den Anschluss der Krim an Russland bereits am Dienstag besiegelt. Der Verlust der Krim ist für die Ukraine zu verschmerzen. Ein fast durch und durch russisches Gebiet ist jetzt wieder Russland zugeschlagen worden. Viel entscheidender wird allerdings sein, was in der Ost-Ukraine mit ihrer russischen Minderheit passiert. Im Unterschied zur Krim ließe sich eine militärische Auseinandersetzung auf dem ukrainischen Festland nur schwer begrenzen. Der Westen muss jetzt alles versuchen und eine mögliche Eskalation in der Ost-Ukraine verhindern. Gelingt das nicht, hätten wir gut 20 Jahre nach Jugoslawien den nächsten Krieg in Europa. Eine schreckliche Perspektive.

Pleiteland

Osteuropa ist wegen der aktuellen Ukraine-Krise sicherlich kein guter Platz für Investitionen. Damit stellt sich die Frage: Wo sind die Alternativen? China dürfte bald nicht mehr der große Hoffnungsträger sein, ziemlich düster sieht es in Lateinamerika aus. In Venezuela droht ein Bürgerkrieg und die neuesten Hiobsbotschaften kommen aus Argentinien. Die Ratingagentur Moody’s hat das Land ein weiteres Mal herabgestuft. Argentinien ist das Paradebeispiel für eine jahrzehntelange Misswirtschaft, die jetzt völlig zurecht mit einer Herabstufung bestraft wird. Was bleibt für Investoren? Die guten alten Werte in den Industrieländern. Darauf ist einigermaßen Verlass.

Aktionärsgerangel

Die Scania-Minderheitsaktionäre begehren auf. Sie wollen mehr Geld für ihre Anteile, sollte der Mehrheitseigner Volkswagen tatsächlich wie geplant seinen Anteil auf mehr als 90 Prozent aufstocken. Aus Sicht der Schweden geht solch ein Wunsch völlig in Ordnung. In einer solchen Situation wird um den Preis gerungen, das ist das normale Prozedere. Und am Ende wird sich Volkswagen durchsetzen, zur Not müssen die Wolfsburger dafür eben das Portemonnaie etwas weiter öffnen. Es spricht jedenfalls sehr viel dafür, dass der VW-Konzern sein Konzept eines weltweit aufgestellten Lkw-Herstellers mit mehreren Marken umsetzen kann. Zu Anfang muss investiert werden, hinterher kommen die Erträge.

Börsenspiele

Alibaba kennen wir in Europa allenfalls aus einem Märchen und im Zusammenhang mit 40 ungezügelten Räubern. In China sieht die Welt hingegen völlig anders aus, dort ist Alibaba der größte Internet-Konzern. Jetzt hat sich das Unternehmen für den Börsengang entschieden – und sucht sich dafür nicht etwa eine Börse in China aus, sondern in den USA. Das ist ein gutes Beispiel, was uns alle in den kommenden Jahren erwarten wird. Die Globalisierung wird weitergehen und verstärkt chinesische Unternehmen nach Amerika und nach Europa bringen. Und wir kennen vielleicht schon bald mehr als nur Alibaba und seine 40 Räuber.

Keine Vorbilder

In Steuerdingen geht es derzeit drunter und drüber. Nach Uli Hoeneß, dem aktuell bekanntesten Fall, hat es den nächsten prominenten Steuersünder erwischt. Matthias Hartmann, bislang Intendant am Wiener Burgtheater und davor an den Schauspielhäusern in Bochum und Zürich tätig, hat sich wegen hinterzogener Steuern selbst beim Fiskus angezeigt. Unsere Eliten bieten ein Trauerspiel, was die Steuerehrlichkeit angeht. Aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur kommen die Steuersünder, also praktisch aus allen wichtigen Bereichen. Wer mag denn überhaupt noch Steuern zahlen, wenn sich die Eliten beständig verweigern? Niemand wahrscheinlich.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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