Was vom Tage bleibt
Die Feinde der Marktwirtschaft

Eine Bank, die sich verzockt, ein Bankchef, den das Geld lockt - all das trägt nicht zu unserem Glauben ans System bei. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Nonchalance schlägt Chaos

Bitte den Kopf etwas mehr nach rechts drehen. Ja so. So gerät Griechenland aus dem Blickfeld und Frankreich sowie Spanien rücken in den Mittelpunkt. Laut EU, die heute ihre Konjunkturprognose bekannt gab, stecken beide Länder tief im Schuldensumpf und werden die vereinbarten Kriterien des Fiskalpakts reißen. Nicht das griechische Chaos wird den Euro ins Wanken bringen. Sehr wohl aber die französische Nonchalance im Umgang mit Schulden.

Bärendienst an der Marktwirtschaft

Keine Bank kam so gut durch die Krise wie JP Morgan. Kein Bankchef ist angesehener als Jamie Dimon. All das ist Vergangenheit. JP Morgan hat sich kräftig verzockt und seit Anfang April zwei Milliarden Dollar bei riskanten Finanzwetten verloren. Dimon spricht von „ungeheuerlichen Fehlern“, eine Wortkombination, die ihm nicht leicht von den Lippen geht. Der ungeheuerlichste Fehler allerdings liegt darin, dass Dimon nicht in der Lage ist, uns zu erklären, was genau falsch gelaufen ist. Das jagt mir Angst ein. Das lässt mich nach Regulierung rufen, auch wenn ich sonst lieber Marktschreier der Marktwirtschaft wäre. Vermutlich ist Dimon das auch und merkt gar nicht, wie er der Marktwirtschaft durch intransparentes Zocken mehr zusetzt, als es Karl Marx und Sahra Wagenknecht jemals gelingen wird.

Aktionäre, vereinigt Euch!

Ihre Aktionäre hält die Commerzbank auf Diät: Eine Dividende wird es für die Anteilseigner auch in diesem Jahr nicht geben. Und für die Rettungshilfen des größten Aktionärs, des deutschen Staats, hat die zweitgrößte deutsche Bank bisher nur einen Bruchteil an Zinsen gezahlt. Für die Chefetage dagegen endet 2012 die Bescheidenheit. Denn die Gehaltsdeckelung, die das Salär von Vorstandschef Martin Blessing und seiner acht Vorstandskollegen bislang auf 500 000 Euro begrenzte, entfällt. Blessings Festgehalt wird sich damit auf einen Schlag auf 1,3 Millionen Euro erhöhen. Aktionäre dieser Bank vereinigt Euch! Da läuft etwas nicht, wie es soll.


Alle gegen Röttgen

Der Bundesrat hat die Pläne von Bundesumweltminister Norbert Röttgen gestoppt, der die teure Solarförderung deutlich begrenzen wollte. Die rot-grün regierten Länder, aber auch mehrere CDU-geführte Länder stimmten dafür, den Vermittlungsausschuss anzurufen. Dass Röttgen in der Sache recht hat, weil er einer Industrie den Hahn abdreht, die im Weltvergleich ins Hintertreffen geraten ist, spielt keine Rolle. Der Bundesrat hat heute vielmehr eine taktische Entscheidung getroffen. Und die heißt: Röttgen muss weg. Der voraussichtliche Wahlverlierer von Nordrhein-Westfalen soll auch bundespolitisch kein Bein mehr auf den Boden bekommen.


Schäubles Agenda

Zum Schluss doch noch ein Blick ins griechische Chaos. Ein paar Stunden hatte es heute doch noch nach einer Regierung in Athen ausgesehen. Die griechischen Konservativen waren bereit, sich an einer Koalitionsregierung in Griechenland zu beteiligen. Die Vorstellungen der Sozialisten und der kleinen Linkspartei Demokratische Linke seien den Thesen der konservativen Nea Dimokratia "sehr ähnlich“. Am Ende des Tages sieht es so aus, als reiche diese Ähnlichkeit doch nicht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble denkt deswegen immer öffentlicher über einen Euro-Austritt der Griechen nach. Der Mann könnte ab Sommer Euro-Gruppen-Chef werden - da will er sich offenbar ein Problem vom Leib halten.

Ein heiteres Wahlwochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die Feinde der Marktwirtschaft "

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  • AKTIONÄRE DER COBANK VEREINIGT EUCH
    .GEGEN POLEMIK UND FALSCHE FAKTEN.
    ...................................
    .
    sehr geehrter herr stock,
    .
    eine falsche behauptung wird auch
    durch wiederholung nicht richtig.!
    .
    wie herr afhüppe bereits p. mail
    und tel.mir gegenüber bestätigte,
    war seine behauptung, "die cobank
    wolle auch diesmal keine dividende
    zahlen" - sachlich falsch.!
    .
    vielmehr darf keine dividende ge -
    zahlt werden, solange der staat noch
    anteile an dem unternehmen hält.
    ..
    sind sie - wie ich aktionär - oder
    aus welchen grunde rufen sie zum ..
    sturm gegen herrn blessing auf..??
    .
    nach der rückstufung lt. vertragl.
    bestimmung hat die erhöhung ein ..
    volumen von 8oo.ooo,oo pa. - das
    jahresgehalt beträgt 10% dessen der
    deutschen bank..
    .
    kaufen sie 1 aktie zzt. 1,56 und
    nutzen sie dann am 23. ihr rederecht.!
    .
    als aktionär bin ich mit der sanierung
    und der wertsteigerung in 2012 zufrieden
    plus 25% in 2012
    .
    mfg
    thomas oldendorp
    .
    .
    ps
    eine insgesamt sachlichere
    berichterstattung bzw. kom-
    mentierung würde dem HANDEL-
    BLATT-ONLINE guttun..

  • Denn sie wissen nicht was sie tun

    Herr Stock,nicht ganz d`accord,bzw. Hinzufügung; Die deutsche Außenpolitik ist seit 2002 einseitig präventiv. Ich plädere dafür, daßdas Handelsblatt zur Landtagswahl in Niederschsen eindeutig Stellung bezieht. Der intelligente Michel wählt sowieso nicht nach Farben.

    Das Verlangen nach Rendite ist immer zweiseitig.

    Danke für die relativ ausgewogene Berichterstattung während des Wahlkampfes in NRW. Jedoch hinreichend ist das nicht, weil die überregionalen, auflagenstarken Medien nicht in Vorleistung gegangen sind. Ich sag´s Ihnen mal öffentlich ganz ehrlich: Man kann vom kommunalen Michel, der brav arbeiten tut, konsumiert und keine Ahnung vom ESM , Target-Salden oder den Akzentuierungen des Düsseldorfer Haushalts hat,nicht erwarten,daß er pragmatisch handelt. Fazit, in Deutschland reden die Redakteure zu wenig miteinander.

  • Bärendienst an der Marktwirtschaft

    Da möchte ich widersprechen. Hätten wir marktwirtschaftliche Regeln, müßte uns das "Verzocken" nicht kümmern, denn dann ginge die Bank einfach pleite. Es hat mit Marktwirtschaft noch nicht einmal ansatzweise etwas zu tun, wenn Gewinne privat sind, Verluste aber sozialisiert werden.

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