Was vom Tage bleibt
Die Furcht vor einem Gespenst

Öl drückt die Inflation nach unten, Russland will die Sanktionen loswerden. Warren Buffett kauft Duracell, Liberia hebt den Ausnahmezustand auf und die Fifa blamiert sich. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das böse Öl

Die Angst vor einer Deflation geht um in Europa und besonders in Deutschland. Und es stimmt, dass die Preissteigerungen in jüngster Zeit im Vergleich zu den Vorjahren ein extrem niedriges Niveau erreicht haben. Dass die Preise kaum noch zulegen, hat allerdings seinen ganz besonderen Grund. Der globale Energiemarkt steht vor einer kolossalen Veränderung. Wegen der neuen Schieferölvorkommen aus den USA geraten die bisherigen Weltmarktführer Russland und Saudi-Arabien gehörig unter Druck – und die Ölpreise purzeln gewaltig, binnen Jahresfrist etwa um eine Viertel. Kein Wunder also, dass die Inflation nachlässt. Öl ist einfach überall.

Wirkungsvoll

Russland verlangt die Rücknahme der Sanktionen, dann sei eine Normalisierung der Beziehungen zum Westen möglich. Kein Wunder, dass Moskau die Sanktionen so schnell wie möglich wieder loswerden möchte. Denn die Aktionen des Westens beginnen zu wirken, Russlands Wirtschaft bewegt sich immer langsamer. Zugleich rüsten die Separatisten in der Ostukraine kräftig auf, natürlich unterstützt von Moskau. Ein neuer heißer Krieg um Donezk und Lugansk kann wieder jeden Tag beginnen. Der Westen würde Russland mit einer Rücknahme der Sanktionen jetzt dafür belohnen, dass in der Ostukraine bald wieder die Panzer rollen. Das dürfte wohl niemand in Washington, London, Paris und Berlin wollen.

Markentreue

Warren Buffett hat eine ausgesprochene Vorliebe für starke Marken. Jetzt entdeckt der US-Milliardär das Batteriegeschäft und nimmt Procter & Gamble die Marke Duracell ab. Fast fünf Milliarden US-Dollar sind ein stolzer Preis, aber trotzdem wohl angelegt. Starke Marken trotzen allen großen konjunkturellen Schwankungen und können sich dauerhaft behaupten. Genau damit kalkuliert Buffett bei den Batterien von Duracell – und dürfte mit großer Sicherheit auch damit wieder richtig liegen.

Zeichen der Hoffnung

Ebola ist während der vergangenen Tage ein wenig aus den Schlagzeilen verschwunden. Das hat seinen guten Grund. Die Zahl der Neuerkrankungen wächst in Westafrika nicht mehr so stark wie während der vergangenen Wochen. Die USA haben darauf schon reagiert und schicken weniger Soldaten in die bedrohte Region als geplant. Liberia hat am Donnerstag angekündigt, dass der Ausnahmezustand aufgehoben wird. Ein wichtiges Signal in Richtung Stabilisierung. Für die ganz große Entwarnung ist es zwar noch ein wenig zu früh. Aber die Hoffnung wächst jetzt zumindest von Tag zu Tag.

Alte Herren

Es eine verrückte Situation: Die Fifa-Oberen bescheinigen sich eine weiße Weste bei der Vergabe der beiden nächsten Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und in Katar. Es seien keine Bestechungsgelder geflossen, das bestätige der Sonderbericht des früheren FBI-Ermittlers Michael Garcia. Doch kaum ist die Erklärung des Weltfußballverbandes veröffentlicht, da meldet sich Garcia selbst zu Wort. Nein, nein, die Fifa habe seine Untersuchungsergebnisse fehlerhaft und unvollständig wiedergegeben. Peinlicher hätte das Ganze für die Fifa nun wirklich nicht ausgehen können, der Ruf eines korrupten Altherren-Vereins hängt den Fußballfunktionären nun erst recht an. Da hilft es wohl nur, den Garcia-Bericht entgegen früherer Absichten doch komplett zu veröffentlichen, und zwar bis zur letzten Seite. Nur so gibt es eine Chance, den heftig ramponierten Ruf der Fifa wieder einigermaßen herzustellen.

Genießen Sie den Abend und freuen Sie sich schon ein wenig auf ein schönes Herbstwochenende. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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