Was vom Tage bleibt
Die globale Lokomotive

Die US-Wirtschaft wächst, in Deutschland herrscht Vollbeschäftigung. Tsipras wagt die nächste Abstimmung, Samsung enttäuscht und die Deutsche Bank wird sich noch lange mit sich selbst beschäftigen. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Trendsetter
Die US-Wirtschaft legt kräftig zu. Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen lassen die letzten Zweifel verschwinden, dass mit den USA irgendetwas nicht in Ordnung sein könnte. Damit ist auch klar, was zum Ende der zweiten Jahreshälfte passieren wird: Die US-Notenbank Fed dürfte die Trendwende wagen und zum ersten Mal seit der Finanzkrise die Zinsen erhöhen. Die US-Wirtschaft übernimmt wieder ihre angestammte Rolle: die der globalen Konjunkturlokomotive. Ohne die USA geht gar nichts, das werden wir in den kommenden Monaten mit aller Deutlichkeit sehen.

Die europäische Lokomotive
Deutschland muss sich im globalen Konjunkturwettbewerb nicht verstecken. Allein von der Größe her wird es die Bundesrepublik zwar niemals mit den USA aufnehmen können. Aber trotzdem ist Deutschland mindestens für Europa die wichtigste Konjunkturmaschine. Die jetzt veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen unterstreichen das mit aller Deutlichkeit. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der Arbeitslosen noch einmal um fast 100.000 abgenommen. In Deutschland herrscht so gut wie Vollbeschäftigung. Viele freie Stellen können heute nicht mehr besetzt werden – andere Länder hätten gern ähnliche Probleme.

Ganz fest im Sattel
Alexis Tsipras ist manchmal schwer zu durchschauen. Bis heute bleibt es rätselhaft, warum der griechische Premier per Referendum über ein neues Griechenland-Rettungspaket abstimmen ließ. Dieses Vorgehen hat ihm allerdings überhaupt nicht geschadet. Fester denn je sitzt der junge Premier jetzt im Sattel, an seinem Einfluss und an seiner Autorität gibt es keinen Zweifel. Auch der jüngste Schritt dürfte ihm nicht weh tun, sondern wird ihn stärken: Er will nun seine Partei über das Rettungspaket abstimmen lassen. Alexis Tsipras ist inzwischen über alle Zweifel erhaben – er wird uns noch sehr lange erhalten bleiben.

Nokia zur Warnung
Samsung wollte eigentlich der große Herausforderer werden. Das Unternehmen, das Apple als wichtigsten Hersteller von Mobiltelefonen und Smartphones in die Bredouille bringt. Doch die Koreaner sind mit ihrem Vorhaben kläglich gescheitert. Samsung hat es nicht geschafft, sich wie Apple als wertvolle Marke durchzusetzen. Die Koreaner stehen eher für billigere Geräte mit vergleichsweise niedrigen Durchschnittserlösen. Jetzt werden sie selbst angegriffen – von den kostengünstigen neuen chinesischen Herstellern. Samsung sollte die Idee mit Apple ganz schnell vergessen und sich nun auf die Chinesen konzentrieren. Wenn die Koreaner nicht aufpassen, droht ihnen das Schicksal von Nokia: das Ende im Handymarkt.

Kein Grund zur Freude
Auf den ersten Blick sehen die Zahlen sogar recht ordentlich aus: Die Deutsche Bank hat am Donnerstag solide Halbjahreszahlen vorgelegt. Trotzdem gibt es für den neuen Vorstandsvorsitzenden John Cryan überhaupt keinen rechten Grund zur Freude. Die vielen gegen Deutschlands größtes Geldhaus laufenden Gerichtsverfahren sind noch lange nicht beendet und werden extrem viel Geld kosten. Zudem muss die Deutsche Bank endlich ihre viel zu hohen Kosten in den Griff bekommen. Der Finanzkonzern ist lange nicht über den Berg, auf Cryan wartet eine gewaltige Sanierungsaufgabe. Und das wird dauern.

Da ist der Feierabend doch viel schneller erreicht. Außerdem kündigt sich die Rückkehr des Sommers an. Genießen Sie es! Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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