Was vom Tage bleibt
Die große Angst in der Ukraine

Der Konflikt in Kiew nimmt erschreckendes Ausmaß an, Facebook kauft und kauft. Porsche blamiert sich bis auf die Knochen, die Deutsche Bank schafft eine Einigung und am Flughafen BER geht gar nichts. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kein zweites Jugoslawien

Es ist ein schrecklicher Tag für Europa. Aber in Kiew hat tatsächlich das große Blutvergießen begonnen, alle Warnungen haben nichts gefruchtet. Die Außenminister der wichtigsten EU-Länder halten sich jetzt noch zu Verhandlungen mit der ukrainischen Regierung in Kiew auf. Sie müssen alles versuchen, was noch geht – und natürlich gehört auch Druck dazu, also Sanktionen. Das, was nun in der Ukraine passiert, haben wir vor 20 Jahren das letzte Mal in Europa erlebt, damals in Jugoslawien. Erst geht es mit einigen wenigen Toten los, dann werden es Hunderte und – wenn alles explodiert – Zehntausende. Wir können nur hoffen, dass doch noch die Vernunft einkehrt. Noch einmal Jugoslawien? Bitte, bitte nicht.

Deal des Jahres

Es ist der Deal des Jahres: Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden US-Dollar. Die Konsolidierung auf dem Markt für soziale Medien dürfte damit noch lange nicht zu Ende sein. Da gäbe es noch eine ganze Menge zu kaufen, größere und erfolgreichere Unternehmen könnten viele kleineren schlucken. Wie wäre es beispielsweise mit Twitter? Allzu große Sorgen vor einer übermäßigen Marktmacht von Facebook muss dabei niemand haben. Im Geschäft mit sozialen Medien ist stets große Bewegung. Vielleicht taucht schon in wenigen Jahren ein neues bislang unbekanntes Unternehmen auf, das sich sogar Facebook einverleiben wird.

Stuttgarter Blamage

Es ist schon ziemlich blamabel, wenn ein Autohersteller die gesamte Jahresproduktion eines Modells zum Rückruf in die Werkstätten holt. Doch genau das ist jetzt Porsche mit seinem exklusiven Sportwagen 911 GT3 passiert, alle bislang in diesem Jahr produzierten Autos müssen überprüft werden. Und viel schlimmer noch für das Renommee: Weil die Porsche-Ingenieure die Brände bei einigen GT3-Modellen bisher nicht erklären können, sollen die Käufer der sportlichen und besonders teuren 911er-Variante erst einmal auf jede Fahrt mit dem Auto verzichten. So schafft sich Porsche definitiv keine Freunde. Wer solch teure Autos baut, der sollte eigentlich überhaupt keine Qualitätsprobleme kennen.

Erstes Durchatmen

In den Vorstandsetagen der Deutschen Bank dürfte es heute ein vorsichtiges Aufatmen gegeben haben, auch wenn dafür 900 Millionen Euro fällig werden. Deutschlands größtes Geldhaus hat sich mit den Kirch-Erben auf einen Vergleich verständigt, um einen seit Jahren schwelenden Rechtsstreit endlich aus dem Weg zu räumen. Vor mehr als zehn Jahren hatte der damalige Vorstandschef Breuer öffentlich die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe angezweifelt, wenig später meldete das Filmunternehmen Insolvenz an. Auf das ganz große Durchatmen wird die Deutsche Bank allerdings noch viel länger warten müssen – ein Gerichtsverfahren hat sich jetzt erst erledigt. Auf die Bank warten noch eine ganze Menge mehr an ungelösten Rechtsstreitigkeiten.

Mehr Schweigsamkeit

Hartmut Mehdorn ist ziemlich geschickt darin, die Werbetrommel für sich selbst zu rühren. Ob bei Airbus, bei der Bahn oder bei Air Berlin – überall hat der gewiefte Manager regelmäßig für Schlagzeilen gesorgt. Als Chef des geplanten Berliner Großflughafens hat er dasselbe Prinzip angewendet und auch erst einmal kräftig getrommelt und einen ersten Probebetrieb versprochen. Jetzt aber muss Mehdorn klein beigeben und den Testlauf erst einmal wieder absagen. Vielleicht lernt Hartmut Mehdorn, dass man den Mund beim Berliner Flughafen nicht ganz so voll nehmen sollte. Die Situation dort ist so vertrackt und verfahren, dass Schweigen in diesem Fall wirklich Gold ist.

Einen schönen Abend wünscht Ihnen herzlichst

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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