Was vom Tage bleibt
Die große Klage

Das Verfassungsgericht soll die EZB stoppen, die Franzosen wählen am Wochenende. Der neue Berliner Airport wird angeblich profitabel, die Renten steigen und die Sonnenfinsternis ist geschafft. Der Tag im Blick zurück.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Stopp durch Karlsruhe

Drei prominente Unternehmer starten einen neuen Versuch, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank auf dem Rechtsweg stoppen zu lassen. Jürgen Heraeus, Heinrich Weiss und Patrick Adenauer wollen, dass das Bundesverfassungsgericht die Anleihekäufe der EZB stoppt. Ihre Begründung: EZB-Präsident Mario Draghi betreibe mit den Käufen aktiv Wirtschaftspolitik und überschreite seine Kompetenzen. Falsch. Die EZB steuert die Geldmenge und orientiert sich damit an ihrer ureigensten Aufgabe: der Kontrolle der Inflationsrate. In den USA, in Großbritannien und in Japan gehören Anleihekäufe zum Standardrepertoire der Notenbanken. Warum also nicht auch in Europa?

Testfall für die Nachbarn

In Frankreich stehen an diesem Wochenende Regionalwahlen an. Es könnte ein schreckliches Ergebnis geben: Dass nämlich der rechtsextreme Front National unter Marine Le Pen gewinnt und zur stärksten Partei aufsteigt. Für Konservative wie für Sozialisten kann es angesichts einer solchen Perspektive nur eine Konsequenz geben. Sie müssen sich in den Städten und Gemeinden, in denen die Rechtsextremen vorne liegen, zu einer demokratischen Allianz verbünden. Den etablierten französischen Parteien mag so etwas zwar grundsätzlich schwerfallen. Angesichts der Bedrohung durch den Front National ist das allerdings der einzige Ausweg.

Leere Worte

Hartmut Mehdorn hat sich am Freitag noch einmal zu Wort gemeldet. Der bisherige Chef des geplanten Berliner Großflughafens verabschiedet sich mit der Ankündigung, dass der BER am Ende profitabel arbeiten und keine Steuergelder verschlingen werde. Nach 25 Jahren seien die Investitionen zurückbezahlt. Schöne Worte, mit denen heute niemand etwas anfangen kann. 2040 wird sich keiner an die Worte von Mehdorn erinnern, die BER-Chefs der Zukunft werden sich nicht an die Versprechen von heute gebunden fühlen. Hartmut Mehdorn hätte sich seine Ankündigungen also auch sparen können.

Nur für heute, aber nicht für morgen

Schön klingt es für alle Rentner, wenn sie jetzt von der geplanten Rentenerhöhung erfahren. Bis zu 2,5 Prozent sollen die Zahlungen in diesem Jahr steigen. Angesichts einer quasi nicht existierenden Inflation ist das eine stattliche Erhöhung, die den Rentnern in Deutschland tatsächlich real mehr Geld im Portemonnaie verschafft. Künftigen Rentnergenerationen hilft das jedoch nicht weiter. Wie das Rentensystem in 20 oder 30 Jahren finanziert werden soll, dafür gibt es keine Lösung. Und da die Politiker immer nur bis zur nächsten Wahl denken, wird ganz Deutschland noch sehr lange auf eine echte Reform des Rentensystems warten müssen.

Blick nach oben

Ganz Europa hat an diesem Freitag einem vermeintlichen Mega-Event entgegengefiebert: der Sonnenfinsternis. Stromnetze könnten zusammenbrechen, Schüler durften in der Pause nicht auf den Schulhof und die Augenärzte warnten vor Erblindung. Alles große Worte, doch am Ende ist gar nicht viel passiert. Wolken und Nebel sorgten in vielen Teilen Deutschlands dafür, dass die Sonnenfinsternis dort kaum wahrnehmbar war. Schnell kehrte wieder der Alltag ein, das Spektakel zog mehr oder minder sang- und klanglos an uns vorüber. Also müssen wir auf die nächste Sonnenfinsternis warten, die dann vielleicht tatsächlich die große Aufregung bringt. Im Jahr 2081 soll es in Deutschland wieder soweit – leider dürfte der Großteil von uns damit ein Problem haben.

Genießen Sie trotzdem das erste richtige Frühlingswochenende und erholen Sie sich gut. Es grüßt Sie herzlich  

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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