Was vom Tage bleibt
Die harte Hand der USA

Der Credit Suisse droht eine Milliardenstrafe, die Fifa kritisiert Katar. Die Schweizer stimmen über einen Mindestlohn ab, die nächste Mobilfunkfusion steht an und Helmut Schmidt fürchtet die Ukraine. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die USA und die Banken

Die nächsten Milliardenstrafen werden fällig: Der Schweizer Bankriese Credit Suisse dürfte in den USA an die 2,5 Milliarden Dollar als Geldbuße für diverse Steuervergehen zahlen. Die französische Großbank BNP steht ebenfalls auf der schwarzen Liste der US-Ermittler. Wegen Beihilfe zur Geldwäsche droht den Franzosen eine Strafe von drei Milliarden Dollar. Die US-Finanzaufseher machen jetzt also wirklich Ernst und bitten die Großbanken zur Kasse. Ein Blick von Europa in die USA wäre lohnenswert: Dann würden die europäischen Aufseher vielleicht auch ihre Scheu verlieren und energischer gegen Gesetzesverstöße von Banken vorgehen.

Späte Einsicht

Lange genug hat es gedauert, bis auch Fifa-Chef Sepp Blatter die große Einsicht gekommen ist. Nun gesteht auch der Präsident des Weltfußballverbandes ein, dass die Vergabe der übernächsten WM an den Wüstenstaat Katar im Jahr 2022 ein „Fehler“ gewesen sei. Doch letztlich ist auch dieses Eingeständnis von Blatter nur heiße Luft. Wenn er wirklich konsequent wäre, müsste er die Wüsten-WM jetzt sofort absagen. Jetzt ließe sich der Spielort noch wechseln, die Zeit dafür würde reichen. Aber genau das wird nicht passieren, die Fifa wird an Katar festhalten. Insofern hätte Sepp Blatter auch schweigen können.

Schweizer Übertreibung

8,50 Euro soll der Mindestlohn in Deutschland betragen, wenn er denn nun demnächst eingeführt wird. Die Bundesrepublik hat sich lange mit diesem Instrument der Arbeitsmarktpolitik schwer getan und die Einführung immer wieder verschoben. Deutschland war bislang eher ein Ausnahme-Land. Ein Mindestlohn gehört heute in den meisten Staaten zum Standard, sogar in den stark privatwirtschaftlich geprägten Vereinigten Staaten ist der Mindestlohn etwas völlig Normales. In der Schweiz wird am Sonntag über einen neuen Mindestlohn abgestimmt. Doch bei den Eidgenossen geht es um stattliche 18 Euro, was dann wohl doch etwas übertrieben ist. Mit 8,50 Euro können wir in Deutschland so falsch nicht liegen.

Französische Fusion

Der Mobilfunkmarkt ist gewaltig in Bewegung geraten. Jetzt kündigt sich bei unseren französischen Nachbarn die große Fusion von Orange und Bouygues an. Eines ist sicher: In Europa wird das nicht das letzte Zusammengehen großer Mobilfunkkonzerne sein. Die gesamte Branche steht erst vor einer neuen Fusionswelle. Die Zeit des großen Wachstums ist vorüber. Jetzt geht es vor allem darum, die Kosten massiv zu senken. Und das geht eben nur, wenn viel größere Mobilfunkanbieter entstehen. Wir werden uns alle daran gewöhnen müssen, dass die jeweiligen nationalen Champions ihre Überlebensgarantie verlieren. Es werden richtig große Mobilfunkriesen über Staatsgrenzen hinweg entstehen. Im Zweifel könnte das auch bedeuten, dass sogar die Deutsche Telekom gegenüber einem noch größeren Anbieter das Nachsehen hat.

Übertreibung des Exkanzlers

Helmut Schmidt hat einen Ruf wie Donnerhall. Wenn sich der Exkanzler zu wirtschaftlichen und politischen Themen äußert, dann hat er hierzulande automatisch sein riesiges Publikum. Nun meint Schmidt, dass Europa wegen der Ukraine-Krise in eine ähnliche Konfliktkonstellation wie vor 100 Jahren vor dem Ersten Weltkrieg geraten könnte. Das ist dann nun doch etwas übertrieben. Auch Helmut Schmidt weiß, dass die wirtschaftlichen Verflechtungen heute viel zu groß geworden sind. Der Ukraine-Konflikt wird zwar nicht so schnell zu lösen sein, das stimmt. Aber am Ende werden sich Ost und West doch zusammenraufen (müssen) und die Vernunft wird siegen.

Genießen Sie das bevorstehende Wochenende – es riecht schon ein klein wenig nach Sommer

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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