Was vom Tage bleibt: Die Haushalts-Trickser

Was vom Tage bleibt
Die Haushalts-Trickser

Der Haushalt ist nur pro forma ausgeglichen, WhatsApp meldet Sicherheitsprobleme. Russland ist als Gaslieferant unverzichtbar, die Lufthansa setzt auf Kontinuität und Uli Hoeneß wartet auf das Urteil. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Blendwerk

Beim ersten Hinschauen sieht es phantastisch aus: Zum ersten Mal seit 45 Jahren kann ein Bundesfinanzminister einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Entsprechend strahlte Wolfgang Schäuble am Mittwoch, als er in Berlin das Zahlenwerk für 2015 präsentierte. Aber halt, zu früh gefreut! Unsere Politiker sind natürlich wie immer trickreich vorgegangen. Im Bundeshaushalt von heute werden längst nicht mehr alle staatlichen Aktivitäten aufgeführt, vieles ist in Schattenhaushalten weggeparkt worden. Zu großem Jubel besteht also überhaupt kein Anlass. Ein Anfang ist gemacht, mehr aber nicht.

Auftrag für den Eigner

WhatsApp hat eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hinter sich. Facebook zahlt sage und schreibe 15 Milliarden Euro für dieses kleine Unternehmen, für das gerade einmal 50 Beschäftigte arbeiten. Offensichtlich bleibt bei dieser knappen Besetzung das eine oder andere liegen: WhatsApp meldet jetzt das nächste Sicherheitsproblem, dieses Mal bei Android-Handys. Vielleicht sollte Facebook als neuer Eigentümer darauf achten, dass Sicherheitsaspekte nicht mehr so häufig unter die Räder kommen. WhatsApp-Nutzer würden es danken.

Zuverlässiges Russland

Seit mehr als 30 Jahren bezieht Deutschland zuverlässig große Gasmengen aus Russland. Keinen Winter würde unser Land überstehen, gäbe es das russische Erdgas nicht. Das betrifft Haushalte und Industrie gleichermaßen, wir alle sind auf die Energie aus dem Osten angewiesen. Und es gibt keinen Grund, an der Zuverlässigkeit der russischen Lieferungen zu zweifeln, auch in der Krim-Krise nicht. Die Russen brauchen die Einnahmen aus dem Westen für die eigene Wirtschaft. Vernunft und Realismus sollten also wieder in der aktuellen politischen Diskussion über Russland einziehen. Für Panik und Unruhe besteht jedenfalls überhaupt kein Anlass.

Bewährte Kräfte

Bei der Lufthansa hat die große Personalrochade begonnen. Nachfolger des künftigen Vorstandschefs Carsten Spohr als Chef der wichtigen Passagier-Sparte wird Karl Ulrich Garnadt, der bislang noch das Frachtgeschäft leitet. Als Passage-Chef rückt Garnadt auf den zweitwichtigsten Posten innerhalb des Lufthansa-Konzerns vor. Deutschlands größte Fluggesellschaft setzt beim Spitzenpersonal also auf die Kräfte aus dem eigenen Haus, was nicht das Schlechteste sein muss. Angesichts des gewaltigen Wettbewerbsdrucks auf die Airlines wäre es aber wahrscheinlich doch besser gewesen, andere Ideen von außen zu holen. Neue Besen kehren angeblich gut.

Alles Uli

Ganz Deutschland blickt am Donnerstag nach München. Am Nachmittag soll es soweit sein, dann will die zuständige Landesgerichtskammer das Urteil gegen Uli Hoeneß verkünden. Die Schuld von Deutschlands berühmtesten Steuersünder steht außer Frage. Nur das Strafmaß ist noch ungewiss. Alles dreht sich um die Frage, ob das Gericht vielleicht doch die Selbstanzeige von Uli Hoeneß anerkennt. Davon leitet sich alles ab, eben bis hin zum Strafmaß. Gönnen wir den Richtern noch eine geruhsame Nacht. Ganz egal, wie das Urteil am Ende ausfällt – es wird für Aufregung im gesamten Land sorgen.


Ihnen wünsche ich auch einen geruhsamen Abend, lassen wir uns morgen überraschen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die Haushalts-Trickser"

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  • zum neuen Bundes-Haushalt;
    Das Handelsblatt sollte den Lesern die vielen Nebenhaus-
    halte in Wort und Zahlen dokumentieren. Den meisten Bundesbürgern sind diese Strukturen gar nicht bekannt,
    wie z. B. die Kosten für die Wiedervereinigung in Höhe
    von 300 Mrd.€! In welchen Topf sind die Lizenzgebühren
    für die Versteigerung der Funkfrequenzen gelandet?
    Das waren immerhin 50 Mrd.€!!! Was hat Herr Eichel,
    als zuständiger Finanzminister damit gemacht?
    Sie sollten das mal recherchieren.
    Die Politiker wollen das alles unter den Teppich
    kehren, um sich selbst loben zu können, damit sie
    wieder gewählt werden und in "Amt und Würde" kommen.
    Das Sprichwort "Eigenlob stinkt" kennen Die wohl nicht!
    Also bitte, den Lesern "reinen Wein" ein schenken!!!

  • Sehr geehrte HB Redaktion, wo bleiben eigentlich ihre Artikel über den Goldpreisverfall, die sie in 2013 stets veröffentlichten? Die vermisse ich wirklich. Außerdem sollten sie mal wieder einen Artikel über das Schreckgespenst Deflation bringen, um die vollkommen unseriöse, inflationäre Geldpolitik der EZB zu flankieren. Glauben Sie wirklich, dass sie damit der Bevölkerung noch weissmachen können, es gäbe nur Inflation in Höhe der ausgewiesenen Zahlen? Alle EU Staaten sind total überschuldet und wollen sich durch Monetarisieren der Staatsschulden mittels Gelddrucken über die Zeit retten. Und diese Pleitestaaten wollen dann Russland Ratschläge geben? In der Ukraine hat sich der Westen nun vollends verzockt. Ich gönne den Russen die Krim. Und der dummdreiste Westen kann froh sein, dass sich Russland nicht noch mehr vom Kuchen abgeschnitten hat.

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