Was vom Tage bleibt
Die Kartoffel ist nicht ganz so heiß

Die Börsen freuen sich über die neue Koalition, der Baumarktkette Bahr geht es an den Kragen. Lego verbucht Rekorde, beim Handel mit Edelmetallen droht Ärger und nun erwischt es auch die Versicherer. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Feuer von der Koalition

Es klingt wie ein großer Widerspruch: Die kritischen Stimmen aus der Wirtschaft sind nach dem Startschuss für die Große Koalition besonders laut ausgefallen. Die Angst geht um vor neuen Steuern und verschärfter Regulierung. Andererseits steigt der Dax weiter und der Euro erreicht einen neuen Rekordwert. Der vermeintliche Widerspruch ist schnell aufgeklärt. Der eine oder andere Vertreter der Wirtschaft muss an einem solchen Tag natürlich sehr laut klappern. Am Ende überwiegt aber die Zufriedenheit darüber, dass Deutschland eine stabile Regierung bekommen wird. Das ist etwas, wovon andere Staaten nur träumen.

Endlich Klarheit

Rein, raus, hin oder her – die vergangenen Tage sind für die Beschäftigten der Baumarktkette Max Bahr ziemlich unerfreulich gewesen. Erst war angeblich die Pleite so gut wie sicher und dann schien auf einmal eine Rettung nahe. Jetzt herrscht allerdings endgültig Klarheit: Es gibt keine Zukunft für Max Bahr, das Unternehmen stellt seinen Betrieb ein. Für die Mitarbeiter ist das natürlich erst einmal die schlechteste aller Lösungen. Aber es gibt nun einmal keine Alternative. Max Bahr ist von den Managern des Mutterkonzerns Praktiker abgewirtschaftet worden. Die vermeintliche Ertragsperle Bahr war am Ende dann doch nicht so gewinnträchtig wie allgemein vermutet. Deutschland hat zu viele Baumärkte, niemand braucht alle diese Nägel und Bohrmaschinen. Deshalb steht das Ende von Max Bahr auch für einen Neubeginn: Eine völlig überdimensionierte Branche bekommt endlich einen vernünftigen Zuschnitt.

Erfolg mit Klötzchen

Anderen Branchen geht es zum Glück deutlich besser. Die Zeit vor Weihnachten ist die Hochsaison für die Spielzeugwaren-Industrie, wo Überstunden geschoben und ordentlich verdient wird. Wer dann noch das richtige Konzept hat, dem kann eigentlich nicht viel passieren. Lego ist so ein Evergreen, die Dänen rennen von einem Erfolg zum nächsten und machen richtig Kasse. Aber Achtung: Auch für ein Unternehmen wie Lego ist der Erfolg nicht programmiert. Vor ein paar Jahren hatte es auch den Spielwaren-Konzern beinahe erwischt, die Dänen steckten in einer schweren Krise. Danach ist die Wende gelungen, mit neuen und besseren Produkten sowie einem strengen Kostenmanagement. Fazit: Auch für die vermeintlichen Erfolgsgaranten gelten die völlig normalen Regeln des Marktes. Nur wer nach vorn blickt, flexibel ist und auf seine Kunden hört – der hat eine echte Chance.

Haltet den Dieb

An die Bankenskandale um die Manipulation von Zinssätzen haben wir uns schon lange gewöhnt. Eigentlich war klar, dass auch in anderen Bereichen unseres Finanzwesens Schindluder getrieben worden sein muss. Jetzt kommt heraus, dass die Finanzaufsicht auch den Handel mit Edelmetallen durchleuchten will. Findige Bankmitarbeiter haben wohl auch auf diesem Feld Wege und Möglichkeiten gefunden, die legalen Spielregeln etwas außer Kraft zu setzen. Was hilft? Strengere Regeln und harte Strafen. Sonst haben wir den nächsten Skandal bald schon wieder auf dem Tisch.

Verschwunden im Dickicht

Finanzkrise und Banken, das sind zwei untrennbare Begriffe. Den Versicherern ist es da in den vergangenen fünf (schlechten) Jahren deutlich besser als den großen Schwestern der Finanzwirtschaft ergangen. Aber war das auch richtig? Wahrscheinlich nicht ganz. Auch die Versicherer bewegen sich auf den Finanzmärkten – und leiden beispielsweise gewaltig unter den extrem niedrigen Zinsen. Deshalb ist es völlig richtig, dass sich die Finanzaufseher jetzt auch verstärkt um unsere Versicherer kümmern wollen. Denn auch sie brauchen ein ordentliches Polster mit Eigenkapital. Wer das nicht hat, der bekommt völlig zurecht die rote Karte.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend – Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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