Was vom Tage bleibt
Die Kraft, die stets das Böse schafft

Griechenland hat eine neue Regierung. Zypern braucht Hilfe. Für zwei Banker in Deutschland wird es eng. Und die West LB präsentiert die Schlussrechnung. Der Tagesbericht.
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Guten Abend Ihnen allen,

Nicht viel zu greifen

Manchmal ist es schwierig, nicht an eine Kraft zu glauben, die stets das Gute will und stets das Böse schafft. Denn der Umstand, dass die Schuldenkrise einiger Euro-Staaten durch eine Bankindustrie verstärkt wurde, die erst außer Rand und Band geraten war und dann gerettet werden musste, hat sich tief eingeprägt. Und an einem Tag wie heute ergeben viele Puzzleteilchen ein Bild von der zerstörerischen Kraft, die dadurch in Gang gesetzt wurde. In Griechenland zum Beispiel haben sich drei pro-europäische Parteien auf eine neue Regierung unter Führung des Konservativen Antonis Samaras verständigt. Samaras will dem griechischen Volk „greifbare Hoffnungen“ geben. Das einzige, was viele Griechen in den vergangenen Wochen greifen konnten, war ihre Kreditkarte. Mit der haben sie ihr Geld bei Banken abgehoben, denen sie nicht zutrauen, dass sie die Krise überstehen.

Nun auch Zypern

Der fünfte im Bunde: Nach Griechenland und Irland, nach Portugal und Spanien wird nächste Woche wohl auch Zypern Hilfe für seinen Bankensektor bei der Eurozone beantragen. Vier Milliarden Euro könnten es werden, die der EU-Rettungsschirm bereitstellen muss. Der Antrag auf EU-Hilfe soll das Modell Spanien abkupfern: Das Geld geht ruckzuck an den Bankensektor, der Staat selbst will keine Hilfe. Ein bisschen ist das so als wenn ein Verhungernder sagt: „Ich nehme nichts. Aber bitte gebt meinem Bauch schnell etwas zu essen.“

"Ja, es war Bestechungsgeld"

Die Matadoren der Krise haben allerdings heute auch gelitten. In München zum Beispiel stand der ehemalige Manager der bayerischen Landesbank Gerhard Gribkowsky vor dem Richter und war ungewöhnlich gesprächig: Ja es waren 44 Millionen Euro an Schmiergeldzahlungen, die er von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone erhalten habe. „Ja, es war Bestechungsgeld und ich hätte es in Deutschland versteuern müssen", sagte der Banker. Die Anklage stimme „im Wesentlichen“.  Als der Richter nachfragte, welche Punkte der Anklage nicht stimmten, konnte Gribkowsky nichts nennen. Jetzt drohen einige Jahre Haft. Bleibt die Frage, ob nicht Ecclestone die Zelle mit Gribkowsky teilen sollten. Zur Bestechung gehören immerhin mindestens zwei. Die beiden könnten dann ja Formel eins gucken.

Eine Bank ist keine Würstchenbude

Leiden muss auch Dirk Notheis, Deutschlandchef von Morgan Stanley, einer der größten Investmentbanken der Welt. Erst hat er seinen alten Kumpel, den damaligen baden-württembergischen Regierungschef Stefan Mappus dazu gebracht, einen Teil des Versorgers EnBW vom Pariser Stromkonzern EdF zu kaufen. Dann kommt raus, dass der Banker, damit drohte „Mutti“ einzuschalten, falls der Deal nicht läuft. Damit meinte der Mann die Kanzlerin. Und schließlich erscheint auch noch eine Mail, in der er einem Kollegen berichtet, dass der Preis, den Mappus dem Steuerzahler aufbrummt, „mehr als üppig“ sei. Morgan Stanley sei keine „Würstchenbude“ hat Mappus später zu seiner Verteidigung gesagt und damit sein Ur-Vertrauen in Freund Notheis begründet. Stimmt. Einige in der Bank sehen sich offenbar mehr als so eine Art Gegenstück zu Saturn: „Gier ist geil“ lautet hier allerdings das Motto.


18 Milliarden fürs Dichtmachen


Was bei so etwas herauskommt, können wir in zehn Tagen in Düsseldorf besichtigen. Dann muss nämlich die Landesbank dort geschlossen werden. Sie hat jahrelang Staatshilfen verschlungen wie eine undichte Fritteuse das Speiseöl. Am Ende konnte es die EU nicht mehr mitansehen und hat das Dichtmachen angeordnet. Die Rechnung präsentierte der Landesfinanzminister schon heute: 18 Milliarden Euro kostet die Abwicklung der WestLB. Das Land und die Sparkassen teilen sich das Geld. Oder besser gesagt: Sie holen es sich von den Menschen in Nordrhein-Westfalen wieder.

Bleiben Sie dennoch milde heute Abend

wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die Kraft, die stets das Böse schafft"

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  • Für die Abwicklung der WEstLB würde ich die Aufsichtsräte haften lassen und zwar mit ihrem Privatvermögen.

  • Lieber Herr Stock,

    ich bleibe NICHT milde heute Abend, auch nicht morgen und übermorgen, nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr und darüber hinaus, bei all dem, was wir zu erwarten haben.

    Dennoch schätze ich das Handelsblatt und seine stets kritische Berichterstattung, nebst Kommentaren.

    Anerkennende Grüße!

  • Der größte Versager ist immer die Politik, denn die ist verantwortlich für die Spielregeln und deren Einhaltung. Doch grade aus der Zeit der Finanzkrise sind die groessten Matadore Asmussen und Peer immer noch in der Arena. Und wenn Fr. Merkel nicht langsam auf Herrn Henkel, Rogers, Reitzle, Fehrenbach, Dirk "the DAX" Müller... hört, dann kann sich da auch einordnen. Da hilft dann auch nicht mehr die Energiewende ausgerufen zu haben.

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