Was vom Tage bleibt: Die Krise ist doch angekommen

Was vom Tage bleibt
Die Krise ist doch angekommen

Ein Milliardenverlust plagt die Deutsche Bank, der ADAC nagt weiter an seinem Skandal. Wohnen wird noch immer teurer, WhatsApp macht es werbefrei und die Banken haben wieder Glück. Der Tag im Rückblick.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Doch noch eingeholt

Bei Deutschlands Vorzeigeinstitut kracht es gewaltig. Dass die Deutsche Bank gehörigen Ärger mit den Justizbehörden hat, das dürfte sich inzwischen bis in den letzten Winkel des Landes herumgesprochen haben. Jetzt kommen auch noch die wirtschaftlichen Probleme dazu: Das einstmals so ertragsstarke Investmentbanking läuft lange nicht mehr so gut wie in der Vergangenheit und kann die immens hohen Rückstellungen für die Gerichtskosten nicht mehr auffangen. Lange sah es so aus, als ob die Deutsche Bank ziemlich unbeschadet durch alle Krisen hindurchkommen würde. Aber jetzt hat die Finanzkrise Deutschlands größte Bank dann doch eingeholt. Und der Blick nach vorne? Es dürfte länger dauern, bis wieder Besserung in Sicht ist.

Die große Intransparenz

Der ADAC ist nach seiner offiziellen Rechtsform ein eingetragener Verein. Das macht Deutschlands größten Autoklub zu einer ziemlich undurchsichtigen Angelegenheit. Zumal der ADAC um den Verein herum eine große Zahl von Unternehmen gruppiert hat, die knallhart nach den Gesetzen der Marktwirtschaft funktionieren und mit ehrenamtlichen Strukturen eines Vereins überhaupt nichts zu tun haben. Insofern könnte der Skandal um die gefälschten Teilnehmerzahlen beim „Gelben Engel“ vielleicht auch sein Gutes haben. Dass nämlich beim ADAC nun endlich die so häufig versprochene Transparenz einzieht. Mit 18 Millionen Mitgliedern ist der Autoklub eine echte Macht hierzulande. Mehr Kontrolle durch Transparenz und Öffentlichkeit wird dem ADAC nicht schaden.

Landflucht

Wohnen ist zu einer wirklich teuren Angelegenheit geworden. Vor allem in den Ballungsräumen geht es mit den Mieten kräftig nach oben. Häufig bleibt nur noch die Flucht aufs Land, weil sich besonders Familien die hohen Wohnkosten in der Stadt nicht mehr leisten können. Und die Landflucht zieht wieder mehr Pendler und Verkehrsprobleme nach sich, sorgt also zugleich für neue Probleme. Eine Mietpreisbremse, die vor allem die SPD verlangt, kann aber nicht die Antwort auf die Wohnungsprobleme sein. Sie verhindert gerade zusätzliche Investitionen in neue Quartiere. Die größte Verantwortung tragen jetzt die Kommunen: Sie müssten zügiger Bauland ausweisen, damit neue Wohnungen viel schneller gebaut werden können. Das ist die große Crux beim Wohnungsbau hierzulande.

Werbefrei

Bei den sozialen Netzwerken trennt sich die Spreu vom Weizen. Noch vor ein paar Jahren galt Facebook als die unangefochtene Nummer eins, die uneinholbar schien. Doch inzwischen hat sich das Rad schon wieder gedreht, der Messenger-Dienst WhatsApp ist auf dem Weg ganz nach oben. Und der Grund? Plötzlich spielen Argumente eine Rolle, an die in der Vergangenheit kaum jemand gedacht hatte. WhatsApp will werbefrei bleiben und dürfte sich damit entscheidend von der Konkurrenz absetzen. Sollten unsere öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten also nicht auch einmal über ein komplett werbefreies Programm nachdenken?

Risikofaktor

Staatsanleihen gelten gemeinheim als risikolos. Banken müssen deshalb dafür bislang keine Sicherheiten hinterlegen. Ein völliger Irrglaube, wie die vergangenen Jahre der Finanzkrise gezeigt haben. Es gibt gute und schlechte Staaten und damit kommt natürlich der Faktor Risiko ins Spiel. Es wäre also an der Zeit, dass die Banken auch für Staatsanleihen Reserven anlegen müssten. Doch einen solchen Politikwechsel haben die Banklobbyisten jetzt wieder verhindert. Hoffentlich zum letzten Mal.

Einen angenehmen Winterabend wünscht Ihnen herzlichst Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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