Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Die Krise ist doch angekommen

Ein Milliardenverlust plagt die Deutsche Bank, der ADAC nagt weiter an seinem Skandal. Wohnen wird noch immer teurer, WhatsApp macht es werbefrei und die Banken haben wieder Glück. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Stefan Menzel ist stellvertretender Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anzeige

Doch noch eingeholt

Bei Deutschlands Vorzeigeinstitut kracht es gewaltig. Dass die Deutsche Bank gehörigen Ärger mit den Justizbehörden hat, das dürfte sich inzwischen bis in den letzten Winkel des Landes herumgesprochen haben. Jetzt kommen auch noch die wirtschaftlichen Probleme dazu: Das einstmals so ertragsstarke Investmentbanking läuft lange nicht mehr so gut wie in der Vergangenheit und kann die immens hohen Rückstellungen für die Gerichtskosten nicht mehr auffangen. Lange sah es so aus, als ob die Deutsche Bank ziemlich unbeschadet durch alle Krisen hindurchkommen würde. Aber jetzt hat die Finanzkrise Deutschlands größte Bank dann doch eingeholt. Und der Blick nach vorne? Es dürfte länger dauern, bis wieder Besserung in Sicht ist.

Die große Intransparenz

Der ADAC ist nach seiner offiziellen Rechtsform ein eingetragener Verein. Das macht Deutschlands größten Autoklub zu einer ziemlich undurchsichtigen Angelegenheit. Zumal der ADAC um den Verein herum eine große Zahl von Unternehmen gruppiert hat, die knallhart nach den Gesetzen der Marktwirtschaft funktionieren und mit ehrenamtlichen Strukturen eines Vereins überhaupt nichts zu tun haben. Insofern könnte der Skandal um die gefälschten Teilnehmerzahlen beim „Gelben Engel“ vielleicht auch sein Gutes haben. Dass nämlich beim ADAC nun endlich die so häufig versprochene Transparenz einzieht. Mit 18 Millionen Mitgliedern ist der Autoklub eine echte Macht hierzulande. Mehr Kontrolle durch Transparenz und Öffentlichkeit wird dem ADAC nicht schaden.

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Landflucht

Wohnen ist zu einer wirklich teuren Angelegenheit geworden. Vor allem in den Ballungsräumen geht es mit den Mieten kräftig nach oben. Häufig bleibt nur noch die Flucht aufs Land, weil sich besonders Familien die hohen Wohnkosten in der Stadt nicht mehr leisten können. Und die Landflucht zieht wieder mehr Pendler und Verkehrsprobleme nach sich, sorgt also zugleich für neue Probleme. Eine Mietpreisbremse, die vor allem die SPD verlangt, kann aber nicht die Antwort auf die Wohnungsprobleme sein. Sie verhindert gerade zusätzliche Investitionen in neue Quartiere. Die größte Verantwortung tragen jetzt die Kommunen: Sie müssten zügiger Bauland ausweisen, damit neue Wohnungen viel schneller gebaut werden können. Das ist die große Crux beim Wohnungsbau hierzulande.

Werbefrei

Bei den sozialen Netzwerken trennt sich die Spreu vom Weizen. Noch vor ein paar Jahren galt Facebook als die unangefochtene Nummer eins, die uneinholbar schien. Doch inzwischen hat sich das Rad schon wieder gedreht, der Messenger-Dienst WhatsApp ist auf dem Weg ganz nach oben. Und der Grund? Plötzlich spielen Argumente eine Rolle, an die in der Vergangenheit kaum jemand gedacht hatte. WhatsApp will werbefrei bleiben und dürfte sich damit entscheidend von der Konkurrenz absetzen. Sollten unsere öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten also nicht auch einmal über ein komplett werbefreies Programm nachdenken?

Risikofaktor

Staatsanleihen gelten gemeinheim als risikolos. Banken müssen deshalb dafür bislang keine Sicherheiten hinterlegen. Ein völliger Irrglaube, wie die vergangenen Jahre der Finanzkrise gezeigt haben. Es gibt gute und schlechte Staaten und damit kommt natürlich der Faktor Risiko ins Spiel. Es wäre also an der Zeit, dass die Banken auch für Staatsanleihen Reserven anlegen müssten. Doch einen solchen Politikwechsel haben die Banklobbyisten jetzt wieder verhindert. Hoffentlich zum letzten Mal.

Einen angenehmen Winterabend wünscht Ihnen herzlichst Ihr

Stefan Menzel

  • 21.01.2014, 10:15 UhrNutzniesser_und_Unsinn_benennen

    Eine gute Übersicht über die großen Themen. Leider fehlen wie so oft die entscheidenden Worte um die Verursacher zu benennen und diese auch zu strafen:

    1. DBank Fehlende Regulierung erlaubt immer noch legalen Betrug. Ackermann hat genau gewusst wie man durch gefälschte Bilanzen 25% Gewinn ausweist. Den Müll fressen jetzt seine Nachfolger
    2. ADAC so können gemeinnützige Vereine aus dem Ruder laufen weil die Gemeinnützigkeit nicht genau durch den Gesetzgeber begrenzt wird. Die Manager (Nein Leistungsträger) verselbständigen sich wieder im eigenen Glanz ohne Eigenkritik oder Limits. Was ist mit der Moral und wirklicher Klasse?
    3. Wohnen ist ein Grundrecht. Der Staat privatisiert und fördert nicht richtig. Hier werden die Bürger wirklich allein gelassen.
    4. WhatsApp ist zur Zeit toll, aber was wird daraus ein neues Facebook Monster wenn genug Nutzer abhängig gemacht wurden?
    5. Nichts mit Geld ist mehr Risikolos. Wer will mir garantieren was 100.000 Euro in 10 Jahren wert sind? Kann ich dafür in 20 Jahren noch ein Auto kaufen oder nur einen Rollstuhl? Besonders nachdem alle heutigen Gewinne und Provisionen der Fimanzindustrie angezogen sind.

  • 20.01.2014, 20:33 Uhrnadann

    ADAC ist eine staatliche institution. In sowas wird nie wirklich gewählt, sondern posten werden nach loyalität zum führer vergeben.

  • 20.01.2014, 20:30 Uhrnadann

    das ist keine krise, sondern geplantes kalkühl-->
    einfach prof. bernd senf - tiefere ursachen der weltfinanzkrise anschaun.

  • Kommentare
Kommentar : Tim Cook hat einen Fehler gemacht

Tim Cook hat einen Fehler gemacht

„One more thing“: Apple-Chef Tim Cook hat sich bei der Produktvorstellung stark an den guten alten Zeiten orientiert. Damit hat er sich keinen Gefallen getan. Jetzt muss er sich wieder an Steve Jobs messen lassen.

Kommentar: Keine Gnade für Frankreich

Keine Gnade für Frankreich

Drei Gründe nennt Frankreich, warum es die EU-Obergrenze beim Defizit bis mindestens 2017 nicht einhalten wird. Zwei davon ziehen nicht. Daher kann die Regierung kaum mit der Großzügigkeit seiner Partner rechnen.

  • Kolumnen
What's right?: Wo bleibt das Gewissen?

Wo bleibt das Gewissen?

Wenn die Linkspartei in Thüringen mithilfe der SPD den Ministerpräsidenten stellen sollte, wäre das ein Fanal. Die Verniedlichung der SED-Nachfolgepartei würde triumphieren. Es wäre ein Tiefpunkt der politischen Kultur.

Der Werber-Rat: Kampfplatz Armlehne

Kampfplatz Armlehne

Nirgendwo spürt man den Geschlechterkrieg am eigenen Leib so deutlich wie beim Kampf um die Armlehne im Flugzeug. Eine tolle Aufgabe für Kommunikationsprofis!

Was vom Tage bleibt: Groß oder klein?

Groß oder klein?

Schottland entscheidet über Großbritannien, der zweite Blitzmarathon geht zu Ende. Die neue Apple-Software ist da, die Banken verweigern das EZB-Geld und die deutsche Fußballbilanz fällt gut aus. Der Tagesrückblick.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zum Schottland-Votum: Was Anleger wissen sollten

Was Anleger wissen sollten

Bei den Investoren steigt die Spannung. Sollte Schottland im Vereinigten Königreich verbleiben, dürfte es eine Erleichterungsrally bei britischen Aktien und dem Pfund geben. Bei einem Austritt drohen heftige Marktreaktionen.

Gastbeitrag zur neuen EU-Kommission: „Man kann einen Bock nicht zum Gärtner machen“

„Man kann einen Bock nicht zum Gärtner machen“

In Berlin regt sich deutliche Kritik an der Besetzung der neuen EU-Kommission. Dass ausgerechnet Paris den künftigen Währungskommissar stellt, hält der CDU-Wirtschaftspolitiker Willsch für inakzeptabel.

Gastbeitrag: Die Folgen einer schottischen Unabhängigkeit

Die Folgen einer schottischen Unabhängigkeit

Schottland steht vor einer historischen Entscheidung. Sollte sich das Land vom Vereinigten Königreich abspalten, hätte das auch für die EU bald schwerwiegende Konsequenzen.

  • Presseschau
Presseschau: Draghis Kreditkanone klemmt

Draghis Kreditkanone klemmt

Die Nachfrage der Banken bei der ersten von mehreren neuen Geldspritzen der EZB war verhalten. Die Wirtschaftspresse hämt, die „Kreditkanone“ von EZB-Chef Mario Draghi klemme wohl, sie sei das falsche Instrument.