Was vom Tage bleibt
Die liebe Vergangenheit

Griechen und Deutsche streiten über Reparationen, Mittwoch wird bei der Lufthansa gestreikt. Die Bahn senkt die Preise, die Bundeswehr verlangt mehr Geld und die Formel 1 dürfte Deutschland aussparen. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das liebe Geld

Hat Deutschland noch Schulden bei den Griechen? Völkerrechtler sind sich weitestgehend einig darüber, dass die Regierung in Athen keinerlei Reparationsansprüche mehr besitzt. Mit der Unterzeichnung der Verträge zur Deutschen Einheit sind alle Forderungen erloschen. Anders sieht es mit einer Zwangsanleihe aus, die die Griechen während der deutschen Besatzung zahlen mussten. 475 Millionen Reichsmark dürften heute einem Wert von ungefähr einer Milliarde Euro entsprechen. Deutschland geht es gut, Griechenland schlecht. Eine Milliarde Euro würde Finanzminister Schäuble überhaupt nicht wehtun, außerdem gibt es eine gewisse moralische Mitverantwortung für die schwierige wirtschaftliche Lage in Griechenland. Warum also nicht?

Ganz allein

Am Mittwoch ist es wieder soweit: Zum zwölften Mal rufen die Piloten der Lufthansa zum Warnstreik auf, mehrere hundert Flüge werden der Arbeitsniederlegung zum Opfer fallen. Betroffene Passagiere werden fluchen, aber am Ende irgendwie doch zu ihrem Ziel kommen. Entweder mit der Bahn oder mit einer anderen Airline. Sollen sie doch streiken, werden inzwischen die meisten Lufthansa-Kunden denken. Die Piloten haben offenbar überhaupt nicht bemerkt, dass sie inzwischen weitgehend isoliert sind und für ihre Forderungen nur noch Kopfschütteln ernten. Mit den Streiks werden sie vielleicht erst dann aufhören, wenn sie ihren Arbeitgeber in große wirtschaftliche Not getrieben haben. Aber dann ist es natürlich zu spät.

Wundersamer Wettbewerb

Niemand hat es so richtig geglaubt: Die Deutsche Bahn bewegt sich doch. Nach den jüngsten Plänen des Vorstandes dürfte es auf absehbare Zeit eine Drei-Monats-Bahncard geben. Außerdem soll in den ICE-Zügen die Reservierungsgebühr entfallen. Das heißt nichts anderes, als dass die Bahn ihre Preise senkt. Vor zwei Jahren wäre so etwas noch undenkbar gewesen. Was hat sich in den vergangenen zwei Jahren geändert? Deutschland hat Fernbusse bekommen und die Bahn damit einen ordentlichen Konkurrenten. Dieses Beispiel zeigt: Wettbewerb kann ganz wunderbare Veränderungen auslösen.

Kehrtwende

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verlangt mehr Geld für die Bundeswehr. Acht Milliarden Euro fordert sie, damit die maroden Kasernen der deutschen Armee endlich wieder auf einen ordentlichen Stand gebracht werden können. Ein Wunsch, der vollkommen in Ordnung geht. Von Jahr zu Jahr ist der Etat der Bundeswehr kleiner geworden, jetzt darf es auch einmal in die andere Richtung gehen. Zudem hat sich die politische Lage gewaltig geändert, die Bundeswehr braucht jetzt auf jeden Fall mehr Geld. Deutschland darf Russlands Präsident Putin nicht den Gefallen tun, die Bundeswehr noch kleiner zu machen.

Ausgebremst

Für die deutschen Rennstrecken in der Formel 1 sieht es nicht gut aus. Mit dem Nürburgring ist wegen dessen finanzieller Dauerkrise sowieso nicht mehr zu rechnen. Doch jetzt droht auch dem Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim das Aus. Es fehlt an Geld, der Zuschauerzuspruch lässt seit Jahren zu wünschen übrig. Irgendwie scheint sich das Thema Motorsport in der Bundesrepublik ein wenig totgelaufen zu haben. Dann fällt der Große Preis von Deutschland in diesem Jahr eben aus. Es gibt zum Glück noch genügend andere schöne Sportarten.

Einen erholsamen Frühlingsabend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die liebe Vergangenheit"

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    Herr Menzel.

    Warum sind sie so farblos. So "einlullend" immer.

    Sie sind eine "Schlaf-Taube".

    SCHÄMEN !!!!!!!!

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