Was vom Tage bleibt
Die neue Nervosität

Die Börse leidet unter dem Krieg in der Ukraine, Karstadt steht vor schweren Zeiten. Deutschland ringt um seine Rolle in der Welt, ein homosexueller Banker outet sich und der DFB-Pokal startet. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Angst um die Ukraine

Binnen weniger Minuten ist der Dax heute am späten Nachmittag um 250 Punkte gefallen. Eine kurze Nachricht aus der Ukraine ist der Auslöser gewesen: Das ukrainische Militär habe einen aus Russland kommenden Militärkonvoi angegriffen. Die Nervosität ist also nicht mehr nur im unmittelbaren Kriegsgebiet groß, sondern auch an den Finanzmärkten. Wir müssen lernen, mit dieser neuen Situation zu leben. Europa ist kein friedlicher Kontinent mehr, der Konflikt in der Ukraine hat uns allen eine neue Normalität beschert.

Wenig Perspektive

Für Karstadt beginnt ein neues Kapitel, der österreichische Immobilien-Investor René Benko übernimmt nun tatsächlich den schwer angeschlagenen Kaufhauskonzern. Benko hat keine große Erfahrung, was den Einzelhandel betrifft. Trotzdem ist ziemlich klar absehbar, wie Benko die Probleme von Karstadt in den Griff bekommen will. Er wird sich auf wenige lukrative Standorte konzentrieren, vielleicht überlebt gerade einmal die Hälfte der Karstadt-Standorte. Die Zukunft des Unternehmens sieht alles andere als gut aus. Wer etwas anderes behauptet, der schließt die Augen vor der Realität.

Die neue Rolle

Wegen seiner besonderen Geschichte tut sich Deutschland schwer mit Rüstungsexporten, auch in den Irak. Die Regierung sucht daher nach Alternativen, um nicht direkt Waffen in die Bürgerkriegszonen im Norden des Landes liefern zu müssen. Etwa dadurch, dass Deutschland nur als Transporteur einspringt und die Waffenlieferung für befreundete Länder übernimmt. Solche Überlegungen sind scheinheilig. Deutschland sollte sich stattdessen zu seiner neuen Verantwortung bekennen und in ganz besonderen Situationen wie jetzt im Irak selbst Waffen liefern. Länder wie Frankreich und Großbritannien können das schließlich auch.

Privat und beruflich

Warum ist das noch etwas Besonderes? Aus den USA kommt die Meldung, dass sich zum ersten Mal der Chef einer größeren Bank öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt hat. Es wäre jedoch an der Zeit, dass solche Meldungen völlig unbedeutend werden und nicht mehr in den Nachrichtenspalten auftauchen. Die sexuelle Ausrichtung eines Menschen ist eine Privatangelegenheit, die nichts mit dem Beruf zu tun hat. Doch leider sind unsere westlichen Gesellschaften noch immer nicht bereit und in der Lage, Geschichten wie die des homosexuellen US-Bankmanagers als etwas völlig Normales anzuerkennen. Hoffentlich ändert sich bald etwas daran.

Es geht wieder los

Heute Abend ist es endlich wieder soweit: Fußball-Fans können aufatmen, die sportliche Zwangspause ist schon wieder beendet. Bis zum offiziellen Bundesliga-Start dauert es zwar noch eine Woche. Aber an diesem Wochenende gibt es immerhin schon die ersten Pflichtspiele im DFB-Pokal. So spannend wie zur Fußball-WM wird es sicherlich nicht werden. Normale Fußballkost ist aber auch nicht schlecht – und natürlich etwas weniger nervenaufreibend.

Genießen Sie den Abend und das bevorstehende Wochenende. Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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