Was vom Tage bleibt
Die schwindende Macht der Ratingagenturen

Moody's lässt Frankreich-Anleger kalt. Die Krise ist bei uns zu hause angekommen. Außerdem im Tagesbericht: Der Fluch des Léo Apotheker und Paulas Rache.
  • 3

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Donnergrollen

Es gab einmal in Karl-May-Romanen einen feindlichen Häuptling, der hieß „Großer Donner“. Die guten Indianer haben über ihn gelacht mit den Worten: Der Donner kommt immer erst dann, wenn die Gefahr schon vorüber ist. Diese blitzgescheite Erkenntnis macht sich inzwischen auch an den Märkten breit. Die großen Donnerer, das sind dort die Ratingagenturen, die wie Moody's nun Frankreich die Spitzennote entzogen haben. Dass Frankreich diese Note nicht mehr verdiente, wussten die Investoren an den Märkten schon lange. Der Blitz ist schon längst eingeschlagen im Nachbarland. Die Gefahr ist allerdings nicht vorüber, denn er hat einiges in Brand gesetzt.

Die Krise ist in meinem leben

Immer diese Ratingagenturen. Diesmal Standard & Poor's. Sie hat das liebste Sparprodukt der Deutschen aus Sicht der Sparer verunglimpft: die Lebensversicherung. Sie dürfte, so meint die Agentur, auch im nächsten Jahr weniger attraktiv werden, weil die Überschussbeteiligung dann weiter sinkt. Zur Erinnerung: Die Überschussbeteiligung ist die Summe, auf die Sie und ich spekulieren, um im Alter unseren Hypothekenkredit abzulösen. Daraus wird wohl nichts. Willkommen Krise! Du bist endgültig in meinem Leben angekommen.

Haft für UBS-Betrüger

Kweku Adoboli ist schuldig. Die Jury verurteilte den ehemaligen Derivatehändler der UBS wegen Betrugs zu sieben Jahren Haft. Er bescherte der Schweizer Großbank mit seinen illegalen Geschäften Verluste von 2,3 Milliarden Dollar. Adobolis Ungeist konnte nur da auf fruchtbaren Boden fallen, wo ihn seine Kollegen gewähren ließen. Deswegen trat nach seinem Auffliegen eine ganze Führungsriege bei der UBS ab. Dass die Bank nun tatsächlich eine andere geworden ist – den Beweis hat sie aber noch nicht erbracht.

Schweres Erbe

Das Erbe des deutschen Hewlett-Packard-Kurzzeitchefs Léo Apotheker wiegt schwerer als gedacht. Ein von ihm eingefädelter Zukauf ist ein Milliardengrab. Wegen erst jetzt entdeckter „ernsthafter Unregelmäßigkeiten“ in den Bilanzen des Software-Unternehmens Autonomy schreibt der US-Computerkonzern 8,8 Milliarden Dollar in den Wind. HP hatte im Oktober 2011 gut 10 Milliarden Dollar für Autonomy bezahlt. Die Unstimmigkeiten in den Bilanzen seien erst aufgefallen, nachdem Autonomy-Gründer Mike Lynch zur Jahresmitte aus dem Konzern ausgeschieden sei, erklärte Apotheker-Nachfolgerin Meg Whitman und entschuldigte damit ihren Vorgänger. 8,8 Milliarden in einem Jahr? Ich kann nicht glauben, dass es bei einer ernsthaften Prüfung niemanden schon damals aufgefallen wäre, wie viel heiße Luft sich HP da einhandelt.

Paulas Rache

Im Dauerstreit um den Fleckenpudding „Paula“ hat Dr. Oetker eine weitere Niederlage erlitten. Das Düsseldorfer Landgericht entschied, dass weder das bei Aldi verkaufte Konkurrenzprodukt „Flecki“, noch seine Herstellung Patente des westfälischen Familienunternehmens verletze. Wie die Oetkers auch glauben können, auf wackeligem Pudding feste Patente zu bauen – das zeugt nicht von tieferem Verständnis der eigenen Materie.

Ich wünsche Ihnen ein festes Fundament nicht nur für diesen Abend

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die schwindende Macht der Ratingagenturen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hallo Herr Stock,
    keine Zeile gelesen hier im HB von der neuen Ratingagentur der Bertelsmann-Stiftung.Wenn diese Jungs das anpacken,machen sie das richtig,die können das.
    Kostenlos,non-profit-konzept.Zahlt alles die Stiftung!
    In Ostwestfalen der Nachrichtenrenner.

  • Die Überschussbeteiligung ist die Summe, auf die Sie und ich spekulieren, um im Alter unseren Hypothekenkredit abzulösen. Daraus wird wohl nichts. Willkommen Krise! Du bist endgültig in meinem Leben angekommen.
    ---
    Lieber Herr Stock,
    und bald sind Sie wahrscheinlich auch noch arbeitslos, wenn das Handelsblatt genau wie die FTD das Licht ausmacht.
    Tja, dumm gelaufen sowas!
    Aber im Grunde auch mit selbstverschuldet.
    Irgendwer muß für die Zinsen der Kapitalanleger eben bluten und alles verlieren, jetzt sind Sie als hochbezahlter Journalist wohl bald selbst an der Reihe.
    Dann können Sie am eigenen Leib erfahren, wie es ist mit ganz wenig Geld den Monat lang über die Runden zu kommen.
    Da lernt man fürs Leben!
    Ich wünsche Ihnen noch einen schönen, sorgenfreien Abend.

  • Das FR Rating von Moodys war auch egal, weil (1) S&P schon abgestuft hat, (2) eigentlich nur die IG-Grenze interessant ist, und (3) Staatsanleihen eh ein Risikogewicht von 0 haben.

    Kurzum: Staatsanleihenratings sind eh sinnlos.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%