Was vom Tage bleibt
Die Stunde der Retter

Während in der Finanzkrise keiner die Verantwortung übernehmen will, schlucken die Banken weiter Geld statt es zu mehren. Nur ein Ferrari bringt Verzweifelten neue Hoffnung. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Kein Ritter in Sicht

Wo bleibt der stolze Ritter auf dem weißen Pferd, der die zitternde Euro-Zone vor dem bösen Finanzmonster rettet? EZB-Chef Mario Draghi hat heute klargestellt, dass er diese Rolle nicht spielen will - oder spielen kann. Zwar trägt auch er ein kleines bisschen zum Kampf bei, indem er die Vollversorgung der Banken mit Liquidität bis mindestens Januar 2013 verlängert. Doch schon für eine weitere Senkung des Leitzinses mag er die Lanze nicht brechen. Aus seiner Sicht muss die Politik die Attacke anführen. Doch wo ist der Politiker, der zu mutigen Schnitten bereit ist, statt sich mit immer mehr geliehenem Geld aus der Affäre zu stehlen?

Schuld sind immer die anderen

Die Politik zumindest ist es leid, immer wieder angeschlagene Banken auf Kosten der Steuerzahler zu retten. EU-Finanzmarktkommissar Michel Barnier stellte heute in Brüssel Pläne vor, nach denen künftig die Banken selbst sowie Gläubiger und Aktionäre in Notlagen einspringen müssen. Das ist das typische Muster in der Finanzkrise: Immer jemand anderen finden der Schuld ist und im Zweifel einspringen muss. Dass die zahlreichen Bankenschieflagen auch deutlich illustrieren, wie sehr die Politik ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hat - davon ist eher am Rande die Rede.

Fass ohne Boden

Geradezu beispielhaft dafür steht das belgisch-französisch-luxemburgische Institut Dexia. Der in Abwicklung befindliche marode Finanzkonzern soll nun weitere 10 Milliarden an Staatshilfe bekommen, unglaubliche 45 Milliarden Euro wurden schon hineingepumpt. Ein Fass ohne Boden. Die Bank hat jahrelang gute Geschäfte mit französischen Kommunen gemacht, hat im großen Maßstab die ausufernde Verschuldung europäischer Regierungen finanziert. Ein Schelm, wer vermutet, dass deswegen nicht so genau hingeschaut wurde, ob das alles nachhaltig ist.

Hoffnung auf den Götterboten

Die Gläubigerversammlung hat den Weg frei gemacht: Die insolvente Schlecker-Tochter "Ihr Platz" kann nun an den Münchner Finanzinvestor Dubag verkauft werden. Damit könnte zumindest ein Teil der Arbeitsplätze und eine dreistellige Zahl an Filialen aus der Insolvenz gerettet werden. Könnte - wenn nicht die Allianz-Tochter Euler Hermes wäre. Die kann als größter Gläubiger den Verkauf noch platzen lassen, die endgültigen Verhandlungen sind am Freitag. Man kann nur hoffen, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind. In der Mythologie zumindest war Hermes der Bote der Götter.

Was fehlt? Ein Retter zumindest ist unterwegs: Ferrari versteigert ab heute unter anderem einen 750 PS starken Ferrari 599XX Evo zugunsten der Opfer des Erdbebens in der Region Emilia Romagna. Der Preis startet bei 1,35 Millionen Euro. Ferrari-Chef Luca di Montezemolo zumindest hat verstanden, dass es Menschen braucht, die in Notlagen Verantwortung übernehmen.

Ich wünsche ihnen einen angenehmen Feierabend und verabschiede mich in den Feiertag. Die Kolumne können Sie wieder am Freitag lesen.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die Stunde der Retter"

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  • Wo bleibt der weiße Ritter, der Deutschland vor dem Euromonster rettet?

  • Stimmt nicht ganz.

    Hier der Link:
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/rente-mit-60-hollande-loest-sein-erstes-versprechen-ein/6719162.html
    "Rente mit 60 - Hollande löst sein erstes Versprechen ein, 06.06.2012, 16:34 Uhr"

  • Übrigens - es hat heute das neue französiche Kabinett die Rente mit 60 verabschiedet ab November 2012.

    Darüber hat die deutsche Presse n i c h t s berichtet.

    Warum wohl ? Aufwachen - und handeln !

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