Was vom Tage bleibt
Die Stunde der Sanktiönchen

Missverhältnis? Russland verleibt sich die Krim ein und der Westen verhängt Sanktionen gegen 21 Menschen. Die Bundesbank hat die beste Kristallkugel. Und die größten Zocker verlieren auch mal. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Sanktiönchen

Nun also Sanktionen: Als Antwort auf die Annexion der Krim wird die EU 21 russischen und ukrainischen Personen Schwierigkeiten machen. Mit ihrer Reisefreiheit ist es womöglich in Europa nicht mehr weit her. Und sie werden Probleme haben, an ihr Geld zu kommen. Duma-Abgeordnete sind unter den Betroffenen, der Kommandeur der Schwarzmeerflotte auch. Stellen wir uns nur mal so vor: Deutschland hätte das östliche Preußen zu seinem Gebiet erklärt. Ob sich Russland mit einem Einreiseverbot für Frau von der Leyen begnügt hätte? Gut, dass wenigstens wir friedliebende Menschen sind.

Glückwunsch I

Für die Ehrgeizigen unter uns war das Jahr 2013 eines, das man am liebsten schnell vergessen sollte: nur 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum. Dass es so arg kommen würde, hatten die meisten Konjunkturforscher nicht erwartet. Sie rechneten im Dezember 2012 im Schnitt noch mit 0,7 Prozent Wachstum – und manche nannten sogar weit über ein Prozent. Nicht so die Bundesbank: Beim Konjunkturteam der Notenbank war man sich relativ sicher, dass das folgende Jahr schwach würde und traf den Nagel auf den Kopf. Glückwunsch. Dieses Jahr übrigens sehen die Bundesbank-Ökonomen ein Wachstum von 1,9 Prozent voraus. Mögen sie auch damit recht behalten!

Glückwunsch II

August Oetker, internes Kürzel „AO“, leitete 28 Jahre Deutschlands größten Familienkonzern, bis seine drei jüngeren Halbgeschwister auf seine Ablösung drängten. Als August dann ging, folgte ihm im Jahr 2010 sein etwas jüngerer Bruder Richard (63). Und AO ging auch nicht so ganz, sondern nur in den mächtigen Beirat. Die drei Dreiviertelstarken kamen nicht zum Zug. Seitdem herrsche Eiszeit, in der Familie, heißt es. Mittlerweile bemüht sich sogar ein internes Schiedsgericht aus einem Ex-Bundesrichter und zwei renommierten Rechtswissenschaftlern darum, die Wogen zu glätten. Heute feiert August Oetker seinen 70. Geburtstag. Auch dorthin einen Glückwunsch. Es ist ja manchmal ganz schön, wenn nicht gleich die ganze Familie um den Esstisch sitzt.

Zocker gegen Zocker

Das Landgericht Stuttgart hat die Milliarden-Klage mehrerer Hedgefonds gegen die Porsche Holding abgelehnt. Sie hatten Schadenersatz gefordert, weil sie sich beim Kampf um Volkswagen von Porsche getäuscht sahen. Die Entscheidung der Richter beweist: Vor Gericht sind doch nicht alle gleich. Kleinere Zocker können größere Zocker auch mal besiegen.

Tanker geentert

Vor einer Woche ist ein vollbeladener und von Seeräubern geenterter Riesen-Tanker der libyschen Marine „entwischt“, was etwa so wahrscheinlich ist, wie dass eine Schnecke einer Antilope davon rennt, weswegen auch der libysche Regierungschef zurücktreten musste. Heute hat ein US-Team der Navy Seals das staatenlose Schiff in internationalen Gewässern südöstlich von Zypern unter seine Kontrolle gebracht. Es wird dafür sorgen, dass die „Morning Glory“ einen Hafen in Libyen ansteuert. Die Regierung haben die Navy Seals natürlich nicht besetzt, weswegen das Entwischen weiterer Tanker durchaus möglich ist.

Lassen Sie sich Ihren Feierabend nicht entwischen.

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die Stunde der Sanktiönchen"

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  • Welches Land haftet denn fuer die Waehrung, die ihre Buerger benuetzen muessen? Wo leben sie?, Was lesen Sie und wann waren Sie das letzte mal beim Arzt?

  • Ist Ihnen wohl zu wenig Radikal Herr Stock?
    Ja, die Systemlinge wuerden gerne Panzer auffahren und Raketen abfeuern!
    Passen nur Sie speziell auf, dass sie nicht bald eine Rakete trifft!
    Wiederlich, was sich da in den Mainstreammedien fuer Gesindel rumtreibt!

  • "Sanktiönchen" - schon ein komisches Wort, aber treffend.

    Anders ausgedrückt kann man auch in Bezug zu den Sanktionen sagen: Man hat Wind um die Ecke geschaufelt.

    "Spannend" werden aber Fragen in Bezug ukrainischer Militärstützpunkte auf der Krim, wie geht die ukrainische Regierung mit Enteignungen um, und von enormer Tragweite für die Ukraine: Haftet sie für ihre Landeswährung auf der Krim, ohne dass sie jeglichen Einfluss hat ?

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