Was vom Tage bleibt
Die Stunde der Vereinfacher

Peer Steinbrück marschiert auf die Deutsche Bank los. Mario Draghi vergewissert sich seiner selbst. Wer schützt uns vor den Verbraucherschützern? Und die Bahn wird mal wieder teurer – der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

SPD gegen Deutsche Bank

Achtung – die Vereinfacher sind unterwegs! Die Parteien rüsten sich für den Wahlkampf. Die SPD sucht ihren Kanzlerkandidaten und damit schlägt die Stunde derer, die schwarz-weiß malen. Peer Steinbrück und sein Bankenwahlkampf sind so ein Fall. Der ehemalige Finanzminister, der unbedingt Kanzler werden möchte, malt schwarz. Er malt schwarz, wenn er über die Zukunft jener Banken redet, die Investmentbanking und das klassische Kredit- und Einlagengeschäft unter einem Dach betreiben. Seine Forderung beides voneinander zu trennen, träfe vor allem die Deutsche Bank. Die SPD profiliert sich so als Partei, die die Deutsche Bank zerschlagen will. Sie macht Wahlkampf auf dem Rücken eines deutschen Unternehmens. Sie kann das durchziehen. Aber sie darf bei aller Kritik nicht unter den Tisch fallen lassen, dass es die Deutsche Bank war, die dank ihrer universalen Aufstellung die Finanzkrise ohne Hilfe vom Staat gemeistert hat. Lässt Steinbrück dieses Argument außer acht, gehört er zu der Sorte der unzulässigen Vereinfacher.

Draghi auf Selbstbestätigungs-Tour

„Die Eurozone macht Fortschritte, die Investoren erkennen das an“, sagte EZB-Chef Mario Draghi heute auf uf der Jahrestagung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Und dann zur Bekräftigung: „Das ist meine Botschaft heute.“ Draghi haut sich also selbst auf die Schulter. Denn schließlich war es seine Entscheidung zum unbegrenzten Anleihekauf, die Draghi als Ursache allen Fortschritts ansieht. Wahrscheinlich hat er sogar recht. Ganz sicher ist er sich seiner Position aber auch nicht. Sonst hätte er heute nicht den Auftritt vor den deutschen Industriebossen gesucht. Sein Vorgänger Trichet hat das stets vermieden - damals, als die Würde und die Unabhängigkeit der Bank und ihres ersten Dieners noch unantastbar waren.

Waffenschein für Verbraucher

Im „Schwarzbuch Banken und Finanzvertriebe“ kommen die Verbraucherschützer zu dem Schluss: An mangelhafter Beratung bis hin zum Anlagebetrug hat sich seit nichts geändert – Finanzkrise hin, Lehman Brothers her. Das grundlegende Dilemma sei dasselbe geblieben: Nicht die Beratung stehe bei Banken im Vordergrund, sondern die Provision. „Wenn sich nun der unbedarfte Verbraucher mit seinen Finanzfragen an eine Bank oder einen Finanzdienstleister wendet, erwartet er eine kompetente Beratung. Doch was er bekommt, ist im Grunde ein Verkaufsgespräch“, heißt es in dem Buch. Wie wahr, wie wahr. Und wenn sich der unbedarfte Kunde ein Gewehr kauft, schießt er sich damit in den Fuß. Weil das so ist, gibt es Waffenscheine. Anstatt über die Banken zu klagen, sollten die Verbraucherschützer lieber über die unbedarften Verbraucher klagen. Oder noch besser: Dafür sorgen, dass sie nicht ganz so unbedarft sind.

Ab auf die Auto-Bahn

Bahnfahren wird ab Dezember teurer. Wie jedes Jahr. Die Bahn begründet das mit gestiegenen Energiepreisen. Wie jedes Jahr. Dass sie als großer Energieverbraucher bereits Sonderkonditionen erhält, lässt sie geflissentlich unter den Tisch fallen. Vielleicht geht es auch gar nicht um ihre Energiepreise, sondern um die der fliegenden Konkurrenz. Dass ist wie bei Butter und Margarine. Da einer den anderen ersetzt, heben beide immer gleichzeitig die Preise an. Auch wenn die Produkte wenig miteinander zu tun haben. Ob ich die Bahn noch nehme? Vielleicht besser die Autobahn.

Bleiben Sie am besten heute mal zu Hause wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Die Stunde der Vereinfacher"

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  • Wenn ich mich recht entsinne, ist die Deutsche Bank zu Zeiten Gerhard Schröders mit immensem Kapital-Vorsprung versehen worden, als sie alle Unternehmensanteile steuerfrei versilbern durfte. Dieser Vorsprung gepaart mit dem erfolgreichen Vertrieb der zusammengeschnürten "Subprime-Produkte" hat dem Institut ein sattes Finanz-Polster beschert. Das würde ich nicht als "universale Aufstellung" bezeichnen. Die Deutsche Bank war somit Mitverursacher und Profiteur der „Finanzkrise 2008“ - jeweils in der ersten Reihe. K.S.

  • Marcoviac

    Vor Ihrer Gier oder vor wessen Gier denn sonst noch?
    Und BrandEins, dieses Tantenblatt, begreift sich als Hintergrundinformationsmedium.

    Was rege ich mich auf hier...

  • Hallo Herr Stock!

    Wer schützt uns eigentlich vor der Gier?
    Der Gier der Aktionäre, der dadurch angetriebenen Gier der Manager und der speichelleckenden Wirtschaftspresse?

    Vielleicht sollten Sie öfter mal BrandEins lesen um zu begreifen, daß es auch anders geht!

    Beste Grüße!

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