Was vom Tage bleibt
Die verrückte griechische Hackfleisch-Steuer

Griechenland erhöht Steuern, Blatter wird mit Geld beworfen. Und: Treffen sich zwei Spitzenökonomen. Sagt der eine: Deutschland ist der Übeltäter der Euro-Zone. Der andere nickt. Die Gründe erfahren Sie im Tagesrückblick.
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Der Internationale Währungsfonds hat einen neuen Chefvolkswirt ernannt. Maurice Obstfeld, Volkswirt an der kalifornischen Universität von Berkeley, wird im September den Job antreten. Er ist vor allem für ein Standardwerk der internationalen Volkswirtschaftslehre bekannt: „International Economics“, das er gemeinsam mit Paul Krugman geschrieben hat. Krugman? Ja, dem Wirtschaftsnobelpreisträger, der derzeit nicht müde wird, die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse zu kritisieren und die Rettungspolitik der Euro-Zone gleich mit. Auch Obstfeld hat in seinen wissenschaftlichen Papieren ähnliche Positionen vertreten. Für Finanzminister Wolfgang Schäuble bedeutet das mehr kritische Papiere aus Washington. Der Schredder im Ministerium dürfte schon angeschaltet sein.


Steuerreform Halb-und-Halb
Die von den Gläubigern eingeforderten griechischen Reformen zeigen sich seit heute an jeder Supermarktkasse in Griechenland. Neue Mehrwertsteuersätze gelten für viele Produkte. Für frischen Tintenfisch werden 13 Prozent fällig, für gesalzenen Oktopus 23 Prozent. Für Schweinehack gelten 13 Prozent, für Rinderhack aber 23 Prozent. Halb-und-Halb: 23 Prozent. Die europäische Integration ist damit wieder einen Schritt weiter gekommen. Skurrile Mehrwertsteuer-Regelungen gehören schließlich zum guten Ton.


Im Hamsterrad
Das Hamsterrad der Deutschen ist aus Gold. Das Netto-Sparvermögen ist in nur drei Monaten um 3,9 Prozent gestiegen – und das nicht etwa weil der Aktienmarkt im ersten Quartal gut abgeschnitten hat. Die Sparer im Lande setzen weiter auf geringes Risiko und bevorzugen Bargeld und hohe Summen auf Giro- oder Tagesgeldkonto. Übrigens: Einer Volkswirtschaft tut es ganz gut, wenn auch Geld in Aktien gesteckt wird.

Alfa gegen den Dexit
„Bizarre Verschwörungstheorien“ etwa zum Geldsystem würden in der Alternative für Deutschland diskutiert, sagt der einstige Gründer der AfD, Bernd Lucke, im Interview mit dem Handelsblatt. Seine am Wochenende neu gegründete Partei „Alfa“ bezieht gemäßigte Positionen, will aber Euro-kritisch bleiben. Nur eine „Dexit“ mit Rückkehr der D-Mark, das geht dem Professor eigentlich zu weit. Es sei „nicht verantwortbar, leichtfertig einen Euro-Austritt Deutschlands zu fordern, ohne zu wissen, wie es geht“, sagt Lucke. Seine Idee: Eine komplette Auflösung der Euro-Zone.

Unerwünschter Geldregen
Horst Schlämmer kennt in England wohl niemand. Den englischen Horst Schlämmer jetzt die ganze Welt. Der britische Comedian Simon Brodkin hat in seiner Rolle als „Lee Nelson“ eine Fifa-Pressekonferenz zur Farce werden lassen. Er ließ eine Ladung falscher Dollar-Scheine über den Fifa-Präsidenten Sepp Blatter regnen, der daraufhin die Veranstaltung verschieben ließ. Das Bild wird in Erinnerung bleiben. Bei Twitter ließ der Komiker auf einer seiner Seiten wissen, er sei vor Ort gewesen, um die Weltmeisterschaft 2026 für Nordkorea zu sichern. Die Entscheidung darüber wird jedoch wohl nicht unter Blatters Vorsitz getroffen werden. Die Neuwahl eines Fifa-Präsidenten setzte der Weltfußballverband heute auf den 26. Februar 2016 an, viel später als erwartet. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet in der Schweiz die Uhren anders ticken?

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Martin Dowideit

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales

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