Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Die Wahrheit über den Schuldenschnitt

Der Euro-Gruppen-Chef setzt sich ins Fettnäpfchen, vielleicht mit Absicht? Der Pampershersteller macht seinen alten Chef zum neuen Chef. Mit China droht ein Handelskrieg und Fahrradfahrer dürfen auch nicht länger betrunken fahren. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.
Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

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Der Klartextsprecher

Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat ein Händchen für Fettnäpfchen. Heute ist er jedenfalls wieder in eines getreten, als er einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland ins Gespräch brachte. Die Koalition in Berlin ist empört. Derselbe Dijsselbloem hatte schon einmal die Abwicklung zypriotischer Banken unter Beteiligung der Sparer als Blaupause für weitere Fälle dieser Art bezeichnet. Damals behielt er recht. Es könnte sein, dass es diesmal wieder so ist. Denn derselbe Dijsselbloem ist möglicherweise ein Klartextsprecher. Und möglicherweise ist es die Koalition in Berlin, die gern mal die Nebelkerzen wirft, die ihren Standpunkt vertritt, um nach einem der zahlreichen Eurogipfel-Nächte dann wieder das Gegenteil zu vertreten. Wie war das? Es wird kein Schuldenschnitt kommen, war eine so eine Behauptung. Oder: Es wird keinen dauerhaften Rettungsschirm geben, eine andere. . . Herr Dijsselbloem, wir brauchen Sie!

Wenn der Vorgänger der Nachfolger wird

Die Sache mit der Nachwuchsförderung nimmt Procter & Gamble eigentlich sehr ernst. Der Hersteller von Pampers, Gillette-Rasierern und Wella-Haarspray pflegt aber auch intensiv die Kontakte zu Ehemaligen. In Genf treffen sich seit gestern die Ex-Mitarbeiter zu einer großen Ex-Mitarbeiter-Konferenz. Für morgen war bei einem großen Gala-Dinner im Kempinski Grand Hotel eine Rede von Vorstandschef Bob McDonald angekündigt. Doch der Chef ist nicht mehr Chef. Und ausgerechnet ein Ehemaliger tritt in seine Fußstapfen: Alan Lafley. Nun gilt eigentlich der Spruch: Während der Karriere begegnen Sie stets zwei Dummköpfen – dem eigenen Vorgänger und dem eigenen Nachfolger. Bob McDonald kann von Glück sagen, dass er nur einem begegnet. Ansonsten hatte Bob weniger Glück: Die Lust der Menschen auf hochpreisige Produkte für den täglichen Bedarf nimmt ab. Waschmittel, Zahnpasta, Rasierklingen sollen helfen, ohne den Geldbeutel zu leeren. Bob McDonald stand in Kritik, nicht schnell genug die Ausgaben angepasst zu haben.

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Wie Du mir

Chinas Premier Li Keqiang besucht unser Land. Diesmal müssen wir gar nicht auf den Umgang mit Regimegegnern zurückgreifen, um Strittiges zu finden. Denn mit unserem Lieblingsexportpartner droht ein handfester Handelskrieg: Die EU will Zölle für Solarprodukte aus China erheben. Li Keqiangs Mannen orakeln im Gegenzug, dass "nahtlose Stahlrohre" aus Deutschland genau solche Dinger seien, die einen hohen Zoll vertragen.

„Wie du mir, so ich dir“ ist das Motto dieses Treffens. Männergehabe könnte man da sagen. Zum Glück haben wir eine Kanzlerin, deren Klugheit jetzt gefragt ist, um diesen Hahnenkampf zu beenden. Unsere Unternehmer würden sich bedanken.

Betrunkene Radfahrer müssen schieben

Wer bisher für vier Räder zu wacklig auf den Beinen stand, stieg um auf zwei. Für Deutschlands Radfahrer galt eine Promillegrenze von 1,6. Das ist zu hoch, befinden die Länder-Innenminister und fordern eine Senkung, ohne sich jedoch auf einen Wert zu einigen. Mir fällt da eine Geschichte ein, die mir ein Schweizer erzählte, nachdem dort vor einigen Jahren, die Promillegrenze für Autofahrer auf 0,3 gesenkt wurde. Die Zahl der Unfälle, so sagte der Schweizer, die sei gestiegen. "Warum?", fragte ich erstaunt. "Ja sehen sie", antwortete er, die Männer führen abends ins Restaurant, würden wie immer trinken, dürften dann aber nicht mehr fahren. Deswegen riefen sie ihre Frauen an, um sich abholen zu lassen. "Und da passieren dann die vielen Unfälle", sagte der Schweizer. Ich habe seitdem Umgangsverbot mit ihm.

Ein frohes Wochenende und einen wertvollen Tipp zum Schluss: Die Bayern spielen am Samstag in Rot, Dortmund in Schwarz-Gelb. Nicht, dass Sie das verwechseln. Sie wären blamiert.

Oliver Stock

  • 25.05.2013, 10:05 UhrBruno

    Danke Herr Dijsselbloem. Die Wahrheit kommt natürlich bei den großen Parteien in Deutschland nicht gut an, die lieber mit "Nebelkerzen" taktieren.
    Auch wenn die Fakten schmerzhaft sind, sollte man nicht mit persönlichen Pöbeleien in den Kommentaren reagieren!
    Dieses wirkt einfach nur hilflos!

  • 24.05.2013, 21:38 UhrThomas-Georg

    Wir sollten Eurogruppenchef Dijsselbloem für seine offenen Worte dankbar sein. Denn spätestens jetzt wissen wir, dass nach den privaten Gläubigern auch die Eurostaaten und damit die Steuerzahler auf die Rückzahlung von Griechenland-Krediten verzichten sollen. Der Weg in die Schulden- und Haftungsunion soll unumkehrbar gemacht werden. Zum Glück gibt es aber noch eine Alternative…

  • 24.05.2013, 19:56 UhrHantasilf

    Als ob Dijsselbloem nicht über etwas öffentlich sprechen würde, was nicht zuvor schon einmal in anderer Runde diskutiert- aber noch nicht beschlossen - wurde...

    Klar ist ein weiterer Schuldenschnitt eine denkbare und wahrscheinliche Option. Aber erst nächstes Jahr, wenn sich die Griechen zwar bemüht, aber trotz allem zu wenig erreicht wurde. So ist Politik.

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