Was vom Tage bleibt
Draghi lässt keine Zweifel offen

Die EZB wird im Juni massiv am Geldmarkt eingreifen, Kindergeld steht jedem Arbeitnehmer zu. Sony und Japan büßen, der US-Vizepräsident hat ein Problem in der Familie und russische Geschäfte locken. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bazooka-Zeiten

Viel deutlicher kann sich niemand mehr äußern: Nicht nur EZB-Präsident Mario Draghi, sondern praktisch die gesamte Spitze der europäischen Notenbank hat jetzt die nächste milliardenschwere Geldspritze für kommenden Monat angekündigt. Die lange erwartete Bazooka wird kommen, die EZB hat sich definitiv festgelegt. Ein überstarker Euro, zu niedrige Inflationsraten und die schwache Konjunktur an der Südflanke der Euro-Zone: Damit rechtfertigt die Notenbank den bevorstehenden Eingriff. Zurecht. Der Euro ist wieder stabil genug geworden – die Gemeinschaftswährung kann eine neue Runde geldpolitischer Schritte vertragen.

Kindergeld für alle

Es wird Zeit, dass diese unsägliche Diskussion um Kindergeld für EU-Ausländer endlich aufhört. Wer hier in Deutschland sozialversicherungspflichtig arbeitet, der hat Anspruch auf deutsches Kindergeld. Ganz egal, aus welchem Land der Europäischen Union er kommt. Diese Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer gehört zu den Grundfesten des europäischen Einigungsprozesses. Wer an diesen Prinzipien rütteln will, der stellt damit gleich die EU in Frage. Kritik an dieser Praxis ist während der vergangenen Tagen vor allem vom rechten Flügel der Union gekommen. Die Damen und Herren dort sollten sich fragen, ob sie den europäischen Grundgedanken überhaupt verstanden haben.

Vergessene Reformen

Es gibt viele Parallelen zwischen Deutschland und Japan. Der Wiederaufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg, die starke Position als Industrienation. Nun aber scheinen beide Länder unterschiedliche Wege zu gehen. Der japanische Sony-Konzern steht beispielhaft dafür. Der Elektronikriese war ein Abbild von Glanz und Gloria in Nippon. Nun aber droht der Absturz, kaum jemand erinnert sich noch an wirtschaftliche Höhenflüge mit dem Walkman, die Computerlinie Vaio soll verkauft werden. Im Unterschied zu Deutschland hat Japan die großen Reformen verpasst. Das asiatische Land zahlt dafür einen hohen Preis, die Konzerne eingeschlossen.

Familiäre Nachhilfe

In einem Punkt dürfen wir den Amerikanern dankbar sein. In Sachen Compliance im Unternehmen sind sie der Weltmarktführer. Gerade deutsche Konzerne haben sich bei sauberer und transparenter Unternehmensführung eine ganze Menge von ihren US-Pendants abschauen können. Was bei den Unternehmen gut funktioniert, gelingt in der US-Politik allerdings noch lange nicht. Ein Sohn von US-Vizepräsident Joe Biden rückt in den Vorstand des größten ukrainischen Öl- und Gaskonzerns auf. So etwas geht nun beim besten Willen nicht. Die USA greifen massiv in den Konflikt um die Ukraine ein, Wirtschaft und Politik dürfen dann ganz gewiss nicht vermengt werden. Fazit: Die Familie Biden braucht ganz dringend Compliance-Nachhilfe.

Gestattete Geschäfte

In der kommenden Woche lädt Russland zum Petersburger Wirtschaftsgipfel ein. Natürlich ist es richtig, dass die deutsche Wirtschaftselite daran teilnimmt. Eon. BASF, Metro, Siemens, BASF – sie alle dürfen gern nach Russland fahren. Es gibt einen ganz einfachen Grund, der für fortlaufende Geschäfte mit Russland spricht. Moskau trägt zwar großen Anteil für die Verschärfung der Lage in der Ukraine. Der Westen, also Europa und die USA, haben jedoch gleichermaßen Fehler gemacht. Es gibt daher keinen Grund, Russland auf eine schwarze Liste zu setzen. Geschäfte sind ausdrücklich erlaubt.

Einen schönen Frühlingsabend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Draghi lässt keine Zweifel offen"

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  • Die EZB rechtfertigt die Abzocke und den Betrug an privaten und mehrfach versteuerten Spargroschen. Wenn die Bürger dies bei der anstehenden Europawahl auch noch honorieren ist ihnen wirklich nicht mehr zu helfen. Bei der bisherigen Leistung unserer Regierung und der EZB müsste die AFD jedenfalls auf 50% kommen.

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