Was vom Tage bleibt
Draghis Wunderkiste

Die EZB senkt die Zinsen, die Lufthansa-Piloten streiken zum Wochenende. Der Sparkurs der Nato geht zu Ende, Tesla baut eine riesige Batteriefabrik und die Auftragseingänge entwickeln sich gewaltig. Der Tagesrückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Vorbild Amerika

In der Euro-Zone sind die Zinsen so gut wie abgeschafft, die Europäische Zentralbank hat den Leitzins am Donnerstag auf den Rekordwert von 0,05 Prozent abgesenkt. Zudem steigen Europas oberste Geldhüter in den Kauf von Firmenkrediten ein, die europäische Variante des aus den USA bekannten „Quantitative Easing“. Die EZB wird dabei von der ökonomischen Realität getrieben, die Gefahren durch eine mögliche Deflation sind einfach zu groß geworden. Die Zinsen spielen als Steuerungsinstrument der Notenbank dabei so gut wie keine Rolle mehr, nur die Geldmenge ist EZB-Chef Mario Draghi noch geblieben. Hoffen wir, dass der neue Baukasten aus Frankfurt funktioniert. Die Euro-Zone kann frischen Wind gebrauchen.

Provokation aus der Luft

Die Lufthansa-Piloten machen sich ein ganzes Land zum Feind. Sie rufen erneut zum Streik auf. Damit es auch so richtig weh tut, legen sie die Arbeitsniederlegung auf den Freitagabend zwischen 17 und 23 Uhr. Also genau dann, wenn die Wochenendflieger auf dem Heimweg zu ihren Familien sind. In einigen großen Bundesländern sind zudem die Sommerferien noch nicht beendet. Urlauber, die planmäßig am Freitagabend nach Hause müssen, werden also ebenfalls vom Streik getroffen. Die Lufthanseaten scheinen von allen guten Geistern verlassen zu sein. Wer will mit diesen Piloten noch fliegen?

Ängste im Osten

In Osteuropa herrscht große Aufruhr. In den baltischen Staaten und etwa auch in Polen geht die Furcht um, dass Russland nach dem Beispiel der Ukraine auch in anderen Ländern militärisch die Muskeln spielen lassen könnte. Im Baltikum sind die Sorgen sicherlich am größten – wegen der russischen Minderheit, die Moskau eines Tages vielleicht auch beschützen möchte. Der Nato bleibt gar nichts anderes übrig, als die Präsenz im Osten zu erhöhen. Und das kostet Geld. Auch das deutsche Verteidigungsbudget wird nicht weiter schrumpfen können. Wer in Berlin etwas anderes behauptet, der hat die neue europäische Realität noch nicht verstanden.

Die große Masse

Tesla versucht den großen Wurf. In den USA soll für fünf Milliarden Dollar eine neue Batteriefabrik gebaut werden. Der amerikanische Hersteller von Elektroautos setzt damit ein Zeichen für die gesamte Branche. Mit der neuen Fabrik beginnt der Einstieg in das Massengeschäft, Elektroautos werden auf absehbare Zeit nicht mehr nur die Exoten auf unseren Straßen sein. Die Revolution im Verkehr hat gerade erst begonnen.

Überraschung

Die Stimmung in den Unternehmen ist nicht mehr so richtig gut. Noch vor einem halben Jahr schien die deutsche Wirtschaft noch unangreifbar, doch inzwischen sind die Moll-Töne immer deutlicher zu hören. Natürlich hat gerade auch die Ukraine-Krise zu diesem Stimmungswandel beigetragen. Aber vielleicht ist die vermeintliche Krise gar nicht so groß und wir reden uns die Probleme nur ein? Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind jedenfalls im Juli rasant um fünf Prozent gewachsen. Krise sieht dann doch ganz anders aus, diese Steigerung deutet viel eher auf einen Boom.

Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Draghis Wunderkiste"

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  • Guten Abend Herr Menzel,

    schon etwas salopp, der Umgang mit Fremdpersonal in Ihrem Comment.
    Was nun Ihre Frage anbelangt: " Wer will mit diesen Piloten noch fliegen?", kann ich aus persönlicher Vielflieger-Erfahrung lediglich sagen: das Problem sind nicht die Piloten, sondern scheint eher das Management eines Carriers zu sein, das seine timelines entweder zu eng geplant hat und es daher nicht abwarten kann und es daher auf einen Arbeitskampf ankommen läßt - und Gleiches übrigens auch mit seinen zahlenden Kunden bereits seit längerem ganz offenkundig zur gängigen Praxis hat ausarten lassen.

    Ein in Ihrem Sinne dem Hörensagen nach zuverlässiger Carrier soll übrigens Buffalo Airways sein.
    Tickets könnten Sie ggf hier buchen:

    http://www.buffaloairways.com

    Mit freundlichen Wünschen für Ihren Flugalltag

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