Was vom Tage bleibt
Eigentor

Ein Wettskandal erschüttert den Fußball. Steinbrück lässt bloggen. Die Commerzbank sieht kein Licht am Horizont. Geld fürs Kinderkriegen nützt nichts. Und: Sie können Fragen für ein Interview stellen. Der Tagesbericht
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Fußball-Skandal

Sport ist nicht sauber. Das ist an sich kein Wunder, denn schließlich geht es bei populären Sportarten mit vielen Zuschauern um viel Geld. Dennoch haben wir das Bild des Athleten im Kopf, der alles gibt und dann, wenn es am Ende nicht reicht, der sportliche Verlierer ist. "Sieh es sportlich!", rufen wir im wahren Leben manchmal denen zu, die den Auftrag nicht bekommen, vom Partner versetzt oder sich den Schlips bekleckert haben. Wir können den Satz vergessen. Heute haben Ermittlungen, die unter dem Codenamen „Veto“ liefen, den größten Wettskandal in der Fußball-Welt aufgetan. Nach Angaben der europäischen Polizeibehörde Europol sind rund 700 verdächtige Spiele weltweit von 2008 bis 2011 manipuliert worden. Sport ist ein schmutziges Geschäft.

Peer bloggt

Peer Steinbrück bloggt jetzt auch. Das heißt, er bloggt gar nicht selbst, sondern er lässt eine Agentur für sich bloggen. Fünf Unternehmer haben eine PR-Profis beauftragt, das zu tun - und die gehen jetzt entsprechend zu Werke. Wir beim Handelsblatt verstehen Social Media als Kanal, um mit Ihnen, liebe Leser, liebe User, liebe Zuschauer ins Gespräch zu kommen. Sie können dabei stets sicher sein, dass dort, wo Handelsblatt draufsteht, auch Handelsblatt drin ist. Ansonsten wäre das Angebot unglaubwürdig weil nicht authentisch. Den Peerblog betreiben PR-Journalisten, weil Steinbrück selbst bis vor kurzem gar nicht wusste, was Social Media ist. Dass er es nun lernen will, spricht für ihn. Dass er es von Unternehmen spendieren lässt und selbst offenbar höchst selten Hand anlegen will, spricht dafür, dass auf seiner Lernkurve noch Luft nach oben ist.

Pechsträhne bei der Commerzbank

Er hat Pech und jetzt kommt auch noch kein Glück hinzu: Martin Blessing gelingt es auch im Jahr fünf seiner Amtszeit nicht, die Commerzbank zu stabilisieren. Ein Verlust von 720 Millionen Euro im letzten Quartal ist ein glatter Misserfolg. Ich glaube, er ist teils hausgemacht. Ich habe bis heute nicht begriffen, was die Commerzbank von anderen unterscheidet. Sie ist kein Vermögensverwalter und keine Investmentbank. Sie ist weder im Ausland aktiver als andere, noch kümmert sie sich um notleidende Nischenmärkte. Sie kümmert sich um den Mittelstand? Angefangen bei den Landesbanken bis hin zur Deutschen Bank machen das alle anderen auch. Die Bank hat mir als Anleger einmal erklärt, dass wenn ich in Deutschland investieren will, ich am besten in die Commerzbank-Aktie investieren sollte. Denn keine Bank sei so eng mit den deutschen Unternehmen verbandelt wie sie. Nun ging es den deutschen Unternehmen drei Jahre lang jeden Monat besser als vorher. Nur meine Commerzbank-Aktie litt unterdauerhafter Schwindsucht. Irgendwie bin ich es leid, von Blessing und Co. Fortschritte in Aussicht gestellt zu bekommen, die nach dem nächsten Quartalsergebnis wieder eingesammelt werden. Vielleicht sollten andere mal ihr Glück an der Spitze dieser Bank versuchen.

Geld für Kinder

160 unterschiedliche Leistungen können Familien vom Staat beziehen, die ihre Kinder gefördert sehen möchten. Vom Kindergeld bis zum Ehegattensplitting ist für jeden was dabei - nur hilft es eben nicht beim Kinderkriegen, wie ein von der Bundesregierung eingesetzter Gutachterkreis jetzt resümiert. Wen erstaunt das? Die, die glauben, dass Familienplanung am Geld hängt. Mir gefällt die Vorstellung, dass das eine mit dem anderen nicht all zu viel zu tun hat. Möglicherweise ist da Liebe im Spiel.

Bedrohte Arten

Die US-Behörde für Arbeits-Statistik hat Daten zur Job-Entwicklung in Medienberufen herausgegeben. Demnach stieg die Zahl der Beschäftigten bis zu den Jahren 2000/2001 kontinuierlich an. Ab dann begann sie zu sinken. Besonders bedroht sei die Spezies der Reporter und Korrespondenten. Falls Sie das beeindruckt, könnten Sie sich gleich morgen ein Handelsblatt kaufen.

P.S.: Wer sein Geld auf dem Sparbuch liegen lässt, hat schon verloren. Die Zinsen gleichen nicht mal die Inflation aus. Wohin also mit dem Geld? Das werden uns zwei prominenente Geldexperten beantworten: Der Wirtschaftsprofessor Max Otte und Philipp Vorndran von der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch. Wir treffen die beiden morgen zum gemeinsamen Gespräch. Wenn Sie mögen, nehmen wir Ihre Fragen mit dorthin. Nutzen Sie dazu den direkten Draht und mailen Sie an: handelsblatt-umfrage@vhb.de.

Eine neugierige Woche wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Eigentor"

Alle Kommentare
  • Peer ist kein Unglücksfall für die SPD: Schlimmer noch, er bildet die SPD 1:1 in Persona ab.

  • Cobank... "kümmert sich um den Mittelstand?"

    Das wäre wirklich mal was neues. Ein Nischenmarkt sozusagen, aber eine Nische, breit wie ein Scheunentor, und gänzlich unbesetzt. (Das ist natürlich nur eine irrelevante subjektive Einschätzung nach diversen Erfahrungen.)

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