Was vom Tage bleibt
Ein Amt schafft sich ab

Wulffs Nachfolger wird es schwer haben zu beweisen, wofür das Amt gut ist. Und der Streik in Frankfurt ist erstmal vorbei, weil Wochenende ist.
  • 16

Guten Abend Ihnen allen,

Ende einer unendlichen Geschichte


Bundespräsident Christian Wulff ist Geschichte - allerdings eine, die nur ein paar Zeilen lang ist. Wenn überhaupt. Denn als Präsident hat dieser Mann keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und das sich über Monate hinziehende Schauspiel seines Abgangs wird sich wie Mehltau über jenes Bisschen legen, was Wulff angestoßen hat. Selbst seine politische Freundin, die Kanzlerin, hatte heute Mühe, Wulffs Leistungen als Präsident so zu würdigen, dass es länger als ein paar Sekunden dauerte. Die überzeugendste Leistung besteht jedenfalls darin, dass Wulff deutlich gemacht hat, wie wenig es das Amt des Bundespräsidenten braucht, wenn es von jemandem besetzt wird, der es nicht ausfüllen kann. Es wird dann zum überflüssigsten Amt, das die Bundesrepublik zu vergeben hat. Nach einem Horst Köhler, der dem Amt aus nicht nachvollziehbaren Gründen abrupt den Rücken kehrte und nach einem Christian Wulff, der es durch persönliche Haltlosigkeit beschädigt hat, wird es nun die erste Aufgabe eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin sein, zu zeigen, wozu Deutschland diese Form des obersten Repräsentanten überhaupt noch braucht. Wir können gespannt sein und es schon mal in Klammern auf die Liste unserer Sparvorschläge setzen.

Streikfreies Wochenende

An so einem Tag gibt es fast keine anderen Nachrichten. Es sei denn, Sie sind vielleicht unterwegs gewesen und haben versucht, über den Flughafen Frankfurt ihr Ziel zu erreichen. Dann hatten Sie wahrscheinlich Pech, denn dort streiken noch immer die Vorfeldlotsen, weil sie mehr Geld wollen. Die gute Nachricht ist, dass sich diese Gruppe, deren Arbeit so entscheidend ist, doch ein ganz kleines bisschen überschätzt hat. Von einem Totalausfall konnte am Flughafen jedenfalls keine Rede sein. Für die Streikenden hat sich Ersatz gefunden. Die Bahn übernahm den Transport derer, die es nicht so weit hatten. Das ist zwar keine Dauerlösung, aber es beugt zumindest der Selbstüberschätzung vor. Interessant ist übrigens, dass am Wochenende wahrscheinlich nicht gestreikt wird. Ein Schelm, wer dabei an die Wochenendzuschläge denkt, die möglicherweise ausfallgefährdet wären.

Teures Tanken

Wer statt mit dem Flugzeug mit dem Auto unterwegs war, konnte heute an der Tankstelle tief in die Tasche greifen. Der Liter Superbenzin kostet mehr als 1,60 Euro. Da nutzt es nichts auf den Iran zu schimpfen, der Öl schon immer als politische Waffe einzusetzen verstand. Eher ist diesmal der Euro Schuld, der wegen der Schuldenkrise der europäischen Staaten vor sich hin schwächelt und Einfuhren wie die von Öl teurer macht. Das Thema Schuldenkrise aber heben wir uns für nächste Woche auf. Es gibt Anleger, die glauben, Montag komme der Befreiungsschlag. Auch darauf können wir gespannt sein.

Ein geruhsames Wochenende vor einer spannende Woche wünscht Ihnen


Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Ein Amt schafft sich ab"

Alle Kommentare

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  • @leser

    Die "wahre" Natur, der Vertipper, das Unbewußte das sich über das Bewußte legt um ihm Ausdruck zuverleihen und dann zweimal das verschwundene "n" bei dominant und das in Hinblick mit einer behaupteten Projektion, das läßt schon tief blicken, wenn man tief blicken will. Na gut ich ziehe es vor diesmal nicht zu blicken sondern lieber zu verdrängen, dass erscheint mir im Moment komfortabler zu sein. Außerdem muß ich jetzt wirklich schlafen gehen vielleicht träume ich etwas das mir Aufschluß verschafft über diesen Vertipper, der möglicherweise doch kein freudianischer ist sondern ganz banaler Natur, eben ein Vertipper. LOL
    Schaun wir mal Is schließlich schon wieder mal halb vier geworden. Nicht zu fassen dieses schludrige Zeitmangement.

  • @Anonymer Benutzer: Sapere_aude
    Zitat:Außer drei Kommentaren (ein um 9:30 schnell auf den Markt geworfener und ab 11 Uhr obsoleter Rücktrittsappell an den Bundespräsidenten mit einer Halbwertzeit von unglaublichen 90 Minuten, ein Nachruf auf den Bundespräsidenten, ein Werberuf für einen "überparteilichen" Bundespräsidenten III als ungeschickt verpackte Forderung nach einen Großen Koalition) hat Herr Stock schließlich zum Ende des Tages diesen unglaublichen deliranten Schwachsinn verzapft.
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    Sie haben recht.
    Es würde weniger mehr sein.
    Wenn Artikel am Fließband geschrieben werden, kann man nicht mehr erwarten. Sie können niemals mehr Qualität haben.
    Warum nicht einen kurzen Ereignisticker -2-3- Zeilen reicht und gut ist es. Dafür die Zeit für durchdachte Artikel verwenden. Man kann doch diese Masse an gelieferten Artikeln gar nicht mehr lesen. Ist doch immer nur eine laufende Wiederholung. Also, was soll das. Das ist sinnlose Energieverschwendung- und wird langweilig.

  • CochmaSapientia

    Reif für die Anstalt sein heißt nicht, schicken oder geschickt werden in die Anstalt, sondern lediglich reif für die Anstalt zu sein.

    Und was den freudschen Vertipper (oder Versprecher) anbelangt: der freudsche Vertipper, oder halt Versprecher würde zb. bedeuten, daß Ihr Unbewußtes sich mit dem Vertipper oder Versprecher über Ihr Bewußtsein gelegt hat, um Ihrer wahren Natur, was immer das sein mag, Ausdruck zu verleihen.

    Für so wichtig halte ich Vertipper oder Versprecher halt eben nicht.

    Deswegen Vertippe oder Verspreche ich die Sprache (Gott bewahre mich davor) halt eben mitunter.
    Meine "wahre" Natur geht mir sowieso schon lange auf die Nerven^^.

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