Was vom Tage bleibt
Ein Dax im Himmel

Beim Dax sind bald die 9000 Punkte fällig, Bill Gates entdeckt Spanien. Adidas schafft in den USA nicht die Kurve, Amazon macht Osteuropa zur neuen Liebe. Und in Berlin wird an diesem Tag gefeiert. Der Rückblick.
  • 0

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Immer nur nach oben

Krise und Käuferstreik an der Börse? Nichts von dem zählt aktuell an den Finanzmärkten, das genaue Gegenteil ist der Fall. Anlegern könnte bald schwindelig werden. Der Dax, Deutschlands wichtigster Aktienindex, hat am Dienstag 80 Punkte zugelegt. Es dürfte tatsächlich nicht mehr allzu lange dauern, dann wird der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte die Marke von 9000 Punkten durchbrechen. Natürlich, niemand hat das vergessen: Dieser Börsentrend wird extrem befeuert von der lockeren Geldpolitik der Notenbanken. Wirtschaft ist eben auch ganz stark Psychologie. Wenn die Notenbanken mit dazu beitragen, dass Anleger wieder an die Zukunft glauben, dann hat sich diese Art der Geldpolitik ausgezahlt.

Neuer Hoffnungsträger

Neue Zuversicht kommt aus Spanien. Dort hat besonders die angeschlagene Baubranche massive Probleme. Die großen Baukonzerne des Landes haben sich immer noch nicht von der geplatzten Immobilienblase erholt. Vor der Finanzkrise hatten die spanischen Banken mit billigem Geld für einen künstlichen Boom am Bau gesorgt. Vor solch einem schwierigen Hintergrund setzt niemand so recht neues Vertrauen in die Baubranche und mag auch nicht investieren. Doch jetzt gibt es eine prominente Ausnahme: Bill Gates. Der Microsoft-Milliardär beteiligt sich am angeschlagenen spanischen Bauriesen FCC. Gates dürfte erwarten, dass in Spanien die Wende zum Besseren eingesetzt hat. Andernfalls würde er wohl kein Geld in den FCC-Konzern stecken. Bill Gates könnte damit ein Signal gesetzt haben, das bald auch andere Investoren anlockt.

Geduld ist gefragt

Adidas will endlich zum großen amerikanischen Sportartikel-Riesen Nike aufschließen und auch einmal die Nummer eins der Branche werden. Deshalb hat der fränkische Konzern vor ein paar Jahren den amerikanischen Konkurrenten Reebok übernommen. Dieser Kauf sollte vor allem dazu dienen, Nike auf seinem angestammten amerikanischen Heimatmarkt zu attackieren. Doch leider ist daraus bislang nicht so richtig viel geworden. Adidas tauscht jetzt den USA-Chef von Reebok aus, der eigens aus Deutschland zur Sanierung der amerikanischen Tochter über den Atlantik entsandt worden war. Ein Vertrauensbeweis in das Reebok-Management sieht anders aus. Die jüngste Personalentscheidung von Adidas deutet vielmehr darauf hin, dass Reebok unverändert der große Problemfall geblieben ist. Besserung dürfte bis auf Weiteres nicht in Sicht sein. Adidas-Aktionäre brauchen einfach Geduld, etwas anderes hilft in dieser Situation leider nicht.

Flucht nach Osten

Amazon ist ein von Erfolg verwöhntes Unternehmen. Wohl jedes Land oder jede Stadt hätte die Amerikaner gern als Steuerzahler auf seinem Terrain. Das gilt auch für Deutschland. Schließlich stellen wir mit 80 Millionen Einwohnern die größte Volkswirtschaft Europas. Hier gibt es verdammt viel zu verschicken und zu versenden. Also genau das Geschäft, auf das sich Amazon so wunderbar versteht. Zwei neue Versandzentren des Konzerns werden aber in Polen gebaut. Am Dienstag überraschte Amazon zudem damit, dass auch in Tschechien neue Verteilzentren errichtet werden. Dadurch entstehen etwa 10.000 Arbeitsplätze. Wegen der Nähe zu Deutschland werden die neuen Amazon-Zentren in Polen und Tschechien natürlich auch deutsche Kunden beliefern. Die jüngste Amazon-Entscheidung sollte hierzulande nachdenklich stimmen. Der US-Konzern hat offenbar kein besonderes Interesse an zusätzlichen Investitionen in Deutschland.

Feiern statt Arbeiten

In Berlin hat sich die Politik an diesem Tag nicht mit dem schnöden Alltag und der Ansiedlung von Unternehmen beschäftigt. Im Vordergrund stand vielmehr die erste Sitzung des neuen Bundestages. Unseren Politikern war deshalb – verständlicherweise – mehr nach Feiern zumute. Hoffentlich hält diese Feierpause nicht allzu lange an und macht Platz für gewöhnliche Regierungsarbeit. Union und SPD sollten sich mit ihren Koalitionsverhandlungen beeilen. Hoffentlich haben sie dabei immer stets den Haushalt und die Staatseinnahmen im Blick. Es ist noch viel zu früh, das Füllhorn auszuschütten. Auch Deutschland braucht bei den öffentlichen Ausgaben noch ein paar Jahre Konsolidierung.

Einen besinnlichen Herbstabend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Ein Dax im Himmel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%