Was vom Tage bleibt
Ein Kranker am Knüppel

Das Risiko fliegt mit. Athen findet neue Einnahmequellen. Der Westfälische Frieden wäre ein Exportschlager. Paypal bekommt Konkurrenz – was Sie heute lesen sollten.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Das Risiko fliegt mit

Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine war krank. Und zwar mit Brief und Siegel. In seiner Wohnung haben Ermittler zerrissene und aktuelle Krankschreibungen gefunden. Die Angehörigen der Toten können es nicht fassen. Und wir Fluggäste fragen uns: Wer schützt uns vor kranken Piloten? Darauf gibt es ein paar halbe Antworten. Die ganze Wahrheit aber heißt: Das Risiko abzustürzen, fliegt mit. Wer Unfällen aus dem Weg gehen will, muss im Bett bleiben. Und wer krank ist auch.

Reformen auf Griechisch

Die griechische Regierung hat ihre Reformliste fertiggestellt. Darin stehen 18 Maßnahmen, die Athen etwa 3,5 Milliarden Euro mehr im Jahr bringen würden. Bei den Mehreinnahmen sind Regierungen immer kreativ. Beim weniger ausgeben dagegen fällt ihnen oft nichts ein. Die EU sollte die Nagelprobe machen: Für jeden Euro, den Athen mehr einnehmen will, muss es zusätzlich einen Euro weniger ausgeben. Das wäre dann ein Vorschlag, über den sich reden ließe.

Krieg der Stellvertreter

Im zerfallenden Jemen führen Saudi-Arabien und der Iran einen Stellvertreter-Krieg. Es ist der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten. Er erinnert fatal an den Dreißigjährigen Krieg, den Reformierte gegen Katholiken einst in Europa ausgefochten haben. Was schrecklich fehlt, ist ein Westfälischer Frieden für den näheren Osten.

Konkurrenz für Paypal

Die Banken in Deutschland planen einen eigenen Bezahldienst im Netz und wollen damit der Ebay-Tochter Paypal so richtig die Hölle heiß machen. Noch nicht klar ist, ob die Sparkassen mitmachen, womit jeder vierte mögliche Kunde schon mal draußen warten muss. Den Kauf auf Raten, den Paypal anbietet, soll es nicht geben. Per Rechnung zu bezahlen geht auch nicht. Wahrscheinlich zittert Paypal nicht allzu sehr vor dieser Konkurrenz.

Ohnmacht der Vernunft

Wenn ich eine Maut einführen müsste, würde ich einmal im Jahr allen Autofahrern einen Aufkleber verkaufen: Bringt einen Aufschrei, der sich längst gelegt hat, wenn die Milliarden fließen. Weil aber Alexander Dobrindt der Verkehrsminister ist und seine CSU die Aufgabe übernommen hat, kommt jetzt ein System, das ich Ihnen auch nicht erklären kann, das aber garantiert ungezählte Stoßseufzer hervorgebracht hat und von dem klar ist, dass es höchstens 500 Millionen Euro für den Straßenbau bringt. Das Ganze ist ein Prestigeobjekt, für das mal wieder gilt, dass die Macht des Prestiges schnell zur Ohnmacht der Vernunft führt.

Ein total prestigeloses Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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