Was vom Tage bleibt
Eine Million Millionäre

Die Deutschen werden immer reicher. Anleger profitieren vom Bieterkampf ums Kabelnetz. Reeder gründen eine neue Hanse. Und die ICE- Klimaanlagen nehmen hitzefrei. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Reiches Land

Die Zahl der reichen Menschen steigt. Allein in Deutschland gab es im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen, die mehr als eine Million Dollar Anlagevermögen besaßen. Anlagevermögen ist dabei definiert als Geld, das so rumliegt, ohne Immobilien, Sammlungen und sonstigem Kleinzeug, mit dem sich Millionäre gern umgeben. Mit dieser Zahl passiert jetzt zweierlei: Bankmanager werden sie ihren Vermögensberatern vor Augen halten und sie auffordern loszulaufen, um die reichen Deutschen gewinnbringend zu umsorgen. Und Politiker werden sich bestätigt fühlen, dass eine Vermögenssteuer doch eine gute Sache ist. Wir bei Handelsblatt Online freuen uns einstweilen mal, dass es so vielen Menschen hierzulande finanziell so gut geht.

Kampf ums Kabel

Ein paar haben jetzt die Chance in den Club der Millionäre aufzusteigen. Vorausgesetzt, sie hatten in den vergangenen Wochen kräftig in Aktien von Kabel Deutschland investiert. Der Netzbetreiber ist Gegenstand eines Bieterwettkampfs zwischen Vodafone und dem US-Kabelkonzern Liberty Global. Die Titel kletterten heute um mehr als vier Prozent nach oben. Das zeigt: Auch im Zeitalter der Cloud geht am Ende nichts ohne Kabel.

Syriens Warnung

Der syrische Präsident Assad warnt uns Europäer vor Mord und Totschlag. „Wenn Europäer Waffen liefern, wird der Hinterhof Europas terroristisch, und Europa wird den Preis dafür zahlen“, lässt er uns an dem Tag wissen, an dem wir den US-Präsidenten als Gast in Berlin erwarten. Was ist eine vernünftige Reaktion darauf?  Klar ist: Assad kämpft nicht nur ums politische Überleben, er kämpft ums nackte Leben. Die Bilder gestürzter arabischer Potentaten von Mubarak bis Gaddafi sind auch in seinem Kopf gespeichert. Er will nicht der nächste sein. Falls er aber der nächste ist, ist ihm das, was nach ihm kommt, auch gleichgültig. Menschen, die derart mit dem Rücken an der Wand stehen wie Assad, sind unberechenbar. Wir sollten dadurch aber nicht unseren eigenen Kompass verlieren. Der heißt: Deutschland will sich nicht mit Soldaten in Syrien engagieren. Die Ordnungsmacht USA sieht das für sich anders. Für uns geht es jetzt darum, unseren Beitrag an der Seite der USA zu definieren. Das wird uns schwer genug fallen – unabhängig davon, was der Überlebenskämpfer Assad dazu sagt.

Neue Hanse

Die weltweit drei größten Containerschiff-Betreiber schließen ein Bündnis: Die Container-Sparte der dänischen Reederei A.P. Moller-Maersk will mit den zwei größten Rivalen Mediterranean Shipping Company und CMA CGM zusammenarbeiten. Zusammen wollen die drei 255 Schiffe betreiben und 29 Linien von Asien nach Europa unterhalten. Die neue Hanse ist ein Zwangsbündnis. Diesmal aber keines gegen Piraten wie im späten Mittelalter, sondern eines gegen Finanzhaie. Seit Ausbruch der Finanzkrise vor mittlerweile fünf Jahren übertrifft das Transportangebot zur See nämlich die Nachfrage. Das macht den Reedern das Leben schwer, und in der Not ergeben sich ganz neue Allianzen.

ICE-Klimaanlage nimmt hitzefrei

Die vergangenen Jahre sollten der Bahn noch in den Knochen stecken. ICE um ICE kämpfte mit defekten Klimaanlagen, beim Debakel vor drei Jahren zahlte die Bahn 23.000 betroffenen Passagieren insgesamt 2,7 Millionen Euro an Entschädigungen. Bis dieses Jahr sollten alle ICE-2-Züge generalüberholt werden und die Klimaanlagen auf 46 Grad Außentemperatur ausgelegt werden. Also wüstentauglich. Das kostete die Bahn 100 Millionen Euro. Heute maßen wir 32 Grad draußen. Das ist deutscher Sommer. Der ICE 576 auf Strecke von Stuttgart nach Hamburg machte da schlapp. Genauer gesagt seine Klimaanlage, wie uns aus dem Zug twitternde Passagiere berichteten. Das lustigste war ein Tweet, den die Bahn als Entschuldigung zurückschickte: Die Klimaanlagen seien eben heute sehr beansprucht.

Mir ist heiß. Ich höre jetzt auch auf. Ihnen wünsche ich noch einen angenehmen Abend

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Eine Million Millionäre"

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  • "Es wurde durch Zentralbanken viel Liquidität in die Finanzmärkte gepumpt. Wenn davon nur ein Bruchteil abfließt, wird es an den Börsen rund gehen."
    _____________________

    An Börsen geht garnichts rund, das sind eine Art von Hinduhkühen, vollkommen coole Marktteilnehmer die das Wort Risiko als eine Art von Klamotte verstehen.
    Deswegen trifft man sich dort total cool und schwätzt von Süden oder Norden.
    Börse muß man so verstehen: gemütlich veranlagte Charaktere, mal hier ein Deal mal dort ein Deal: Hauptsache man dealt: eine Art Freizeitvergnügen für Gelangweilte.

    Geahnt hatte man das immer schon irgendwie.

    Und die EZB, die Mutter alle Spekulanten, pfeift sich eins drauf.

    So kann man das natürlich auch verstehen (müssen).

    Börse fängt morgens um 7:00h an, wenn die Welt noch in Ordnung ist, im Bunker alle ihre Abschläge üben und wenn es gar langsam in den Tag geht, den sich die Politik immer wünscht: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

    Und morgen, liebe Kinder, lernen wir Derivatehandel.

  • Privat Krankenversicherte, Menschen mit Lebensversicherungen, mit Riester-Renten usw. bekommen von der EZB das Geld aus der Tasche gezogen.

    Dieses Geld gibt die EZB dann Leuten, die ihr Geld in Aktien/Anleihen angelegt haben.

    Das ist eine Schweinerei ohnegleichen, ja sogar kriminell.
    Aber was anderes lässt mich persönlich aufhorchen:

    Es wurde durch Zentralbanken viel Liquidität in die Finanzmärkte gepumpt. Wenn davon nur ein Bruchteil abfließt, wird es an den Börsen rund gehen.

    Denn inzwischen sind es bald 5 Jahre, an denen ohne Unterbrechung die Kurse beim Dow Jones und S&P 500 steigen.

  • Ihre Bemerkung klingt fast so, als könne ein Mensch mit 10 Mio. Euro glücklicher sein als einer ohne 10 Mio.Euro.

    Im Grunde genommen, werter Chemnitzwolf, klingen Ihre Ausführungen irgendwie nach Osterhase der fliegen kann:

    Beide wissen wir, dass das nicht geht: schließlich gibt es keinen Osterhasen, bis auf den, der zur Osterzeit bei dem Discounter Ihres wie bei dem Discounter meines Vertrauens für alle und jeden verfügbar ist.

    Und eine Geschäftsbilanz sollte etwas anderes sein als geschönt.

    Finden Sie nicht auch?

    Grüße

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